Aufschwung : Berlin holt auf

Die Wirtschaft der Hauptstadt wuchs 2007 um 1,8 Prozent – und dürfte bald den Bundesschnitt erreichen. Experten haben auch einen Grund dafür ausgemacht: Die Stadt konzentriert sich mittlerweile auf Branchen, in denen sie stark ist.

Carsten Brönstrup
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Ansichtskarte aus Berlin. Die mageren Jahre in der Hauptstadt sind vorbei auch wegen des starken Tourismusgeschäfts. Foto: Imago

BerlinDie Hauptstadt hat 2007 ihren Rückstand auf die übrigen Bundesländer beim Wirtschaftswachstum leicht verkürzt. Das Bruttoinlandsprodukt Berlins legte um 1,8 Prozent zu, wie das Amt für Statistik Berlin-Brandenburg am Mittwoch mitteilte. Der Bundesschnitt lag bei 2,5 Prozent. 2006, auf dem Höhepunkt des Aufschwungs, war Berlin noch um einen ganzen Prozentpunkt weniger gewachsen als der Bund. In diesem Jahr dürfte der Rückstand noch kleiner werden, erwarten Ökonomen – bevor die Stadt in zwei oder drei Jahren mit den übrigen Ländern gleichzieht.

2007 lag Berlin aber trotz der Verbesserung an vorletzter Stelle der 16 Bundesländer, gleichauf mit Niedersachsen, aber vor Schleswig-Holstein. Brandenburg schaffte 2,2 Prozent Zuwachs und lag damit nur wenig unter dem Schnitt. Am stärksten legte die Wirtschaftsleistung in Bayern zu, wo die Summe aller neuen Güter und Dienstleistungen um 2,9 Prozent wuchs. Auch Hamburg (2,8 Prozent), Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz (je 2,7 Prozent) schnitten gut ab.

Die Berliner Wirtschaft erzielte damit in den vergangenen elf Jahren erst ihr viertes Wachstumsjahr. Als Antrieb nannten die Statistiker den Bereich Dienstleistungen – etwa im Gastgewerbe durch den boomenden Tourismus. Die Industrie, die bundesweit über den Export als Stütze der Konjunktur gilt, sammelt nach einem langen Schrumpfungsprozess ihre Kräfte erst wieder. Anders in Brandenburg: Dort habe das verarbeitende Gewerbe „in weiten Teilen“ den Aufschwung getragen, hieß es beim Statistikamt.

Berlin dürfte aber noch besser abgeschnitten haben, als es die Zahlen derzeit ausweisen – das erwartet Hartmut Mertens, Chefökonom der Investitionsbank Berlin. „Ich rechne in den nächsten Wochen mit einer Korrektur auf mindestens zwei Prozent, weil die gute Entwicklung in Industrie und Bau zum Jahresende vom Statistikamt noch nicht berücksichtigt ist“, sagte er dieser Zeitung. Die Wirtschaftslage sei besser geworden, weil sich die Stadt nun auf die Branchen konzentriere, in denen sie stark sei. Zudem hätten die Touristen dafür gesorgt, dass der Umsatz im Einzelhandel nicht wie in der übrigen Republik geschrumpft sei.

Für das laufende Jahr erwartet Mertens eine weitere Annäherung an den Trend im Bund. „1,2 bis 1,5 Prozent Wachstum werden wir wohl haben“, prognostizierte er. Die Erwartungen für ganz Deutschland liegen derzeit bei 1,7 bis zwei Prozent. Es stünden derzeit eine Reihe umfangreicher Bauprojekte an, etwa der Flughafen BBI oder Investitionen der Deutschen Bahn, dies werde die Wirtschaftsleistung erhöhen. Von der Finanzkrise dürfte Berlin wegen seines geringen Exportanteils kaum betroffen sein. Auch Christian Dreger, Konjunkturchef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, geht von einem recht guten Jahr für Berlin aus. „Es dürften etwa 1,3 Prozent werden – weil wir die Spätfolgen der Teilung allmählich überwinden.“

Auch Wirtschaftssenator Harald Wolf (Die Linke) äußerte sich zufrieden. Den Rückstand zum Bund erklärte er mit dem „immensen Strukturwandel in der Industrie“. Es mehrten sich aber die Anzeichen für eine Konsolidierung, befand er. „Die Entwicklung macht Mut“, bekannte auch Eric Schweitzer, Präsident der Industrie- und Handelskammer. Das Ziel müsse es aber sein, besser als der Bundesschnitt abzuschneiden. Dies könne am Ende des Jahrzehnts gelingen – allerdings müssten dazu weiter Bürokratie abgebaut, die Verwaltung modernisiert und staatliche Unternehmen verkauft werden.

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