Berliner Photovoltaik-Firma : Dunkle Zeiten fürs Solar-Geschäft

Die Berliner Solarfirma Solon zeigt sich zuversichtlich, die Krise zu meistern. Experten sind skeptisch.

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Bald kein Platz an der Sonne mehr? Die Zentrale von Solon in Berlin-Adlershof. Foto: David HeerdeDavid Heerde

Berlin - Deutschland ist nicht Spanien. Da ist sich Therese Raatz sicher. Dass das Unternehmen Solon hierzulande noch einmal erleben muss, was ihm 2009 im Süden Europas widerfuhr, glaubt die Sprecherin also nicht.

Im vergangenen Jahr war der dortige Markt, auf dem das Berliner Solarunternehmen stark engagiert war, fast vollständig zusammengebrochen. Die Regierung hatte die Subventionen für den Bau von Photovoltaikanlagen zusammengestrichen. In der Folge rutsche Solon in die roten Zahlen. Wie der Tagesspiegel berichtete, verhandelt das Solarunternehmen aus Adlershof gerade mit Banken, um die weitere Zahlungsfähigkeit zu gewährleisten.

Jetzt sollen auch in Deutschland die Subventionen für die Installation von Solaranlagen gekürzt werden. Die Branche läuft dagegen Sturm. Am Montag protestierten in Berlin Mitarbeiter von Solarfirmen vor der Parteizentrale der CDU in Berlin. Die Kürzungspläne des Umweltministers Norbert Röttgen, die binnen Jahresfrist die Absenkung der Solarförderung um rund ein Drittel vorsieht, bedrohe tausende Arbeitsplätze. Bundeskanzlerin Angela Merkel solle sich jetzt für die Branche stark machen. „Die Kürzungen sind in der Tat eine harte Nuss“, gibt Therese Raatz zu, trotzdem sei die Photovoltaik in Deutschland immer noch attraktiv, weil die Renditen stimmten. An diesem Mittwoch legt das Unternehmen Geschäftszahlen vor.

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In Zukunft wolle sich das Unternehmen internationaler aufstellen. Auch das Projektgeschäft – also das über die reine Produktion hinausgehende Geschäft mit der Planung und dem Bau von Anlagen – soll wachsen. Derzeit macht es rund 30 Prozent des Umsatzes aus, in Zukunft soll es 50 Prozent betragen.

Philip Grothe, Solarexperte der Unternehmensberatung Simon-Kucher, sieht die Zukunft der Branche allerdings wenig optimistisch. Viele Unternehmen werden kaputtgehen, sagt er. „Wer schon vorher immer knapp an der Profitabilitätsgrenze entlanggeschrammt ist, wird die Kürzung der Förderung nicht überleben.“ Inwieweit das auch für Berlins größtes Solarunternehmen gelte, könne er nicht sagen.

Allgemein gelte, dass viele deutsche Unternehmer verpasst hätten, sich rechtzeitig international aufzustellen und die eigene Marke zu stärken. „Die Chinesen, die gerade mit Gewalt auf den deutschen Markt drängen, haben nicht nur den Vorteil, dass sie billiger sind“, sagt er. Viele verstünden auch besser als die Deutschen, ihre Produkte professionell zu vermarkten.

Andere Experten der Solarbranche geben Solon eine explizite Mitschuld an der momentanen Situation. „Solon hat keine starke Marke und keinen guten Ruf“, heißt es. Letzteres sei auch dem Umstand geschuldet, dass sich der ehemalige Solon-Vorstandschef Thomas Krupke, der vor drei Wochen von Stefan Säuberlich abgelöst wurde, einmal in einem Interview mit dem Tagesspiegel dafür ausgesprochen hat, dass die Verlängerung der Laufzeiten von Atomkraftwerken ein Zwischenlösung sein könne. Das habe das Unternehmen bei ökologisch denkenden Solarenergienutzern viele Sympathien gekostet.

Die 50-Prozent-Marke, die Solon mit dem Auslandsgeschäft anstrebt, gilt in der Branche als „sehr ambitioniert“. Warum, so die Frage, sollten sich die deutschen Produkte dort besser durchsetzen als im Inland. Im Ausland hätten die Hersteller schließlich mit derselben Konkurrenz zu kämpfen wie zu Hause. Auch dort seien die Chinesen billiger und besser aufgestellt.

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