Berliner Wirtschaft : Frauen – immer besser im Geschäft

Wie Berliner Unternehmerinnen versuchen, vom Erfolg anderer zu lernen.

Kathrin Drehkopf

Berlin - Heidi Klum ist auch da. Sie steht mitten im vordersten Beet der Königlichen Gartenakademie in Dahlem und duftet lieblich. Nicht nach Parfüm allerdings, sondern nach Blume. Denn es ist nicht das blonde Supermodel, sondern eine langstielige, dunkelrote Rose, die Heidi Klum vermarktet. Die Schöne ist umringt von sechs Damen, eine sagt: „Die Klum hat es mit dem Marketing wirklich drauf. Davon kann man sich was abgucken.“ Sich Anregungen zu holen von erfolgreichen Geschäftsfrauen gehört zum Zweck der Veranstaltung an diesem Mittwochabend. Über 60 Gäste sind deshalb gekommen zum Sommerfest des Verbandes der Unternehmerinnen (VDU) in Berlin und Brandenburg.

Neben einem Strauch mit blauen Hortensien steht Maru Winnacker. Sie ist noch kein Mitglied, der Verband würde sie aber umwerben, sagt sie lächelnd. Denn Maru Winnacker ist jung, gerade 28 Jahre alt. Außerdem erfüllt die mädchenhafte wirkende Frau im rosa Kleid eines der wichtigsten Aufnahmekriterien des VDU: Sie ist erfolgreich. 2006 hat die studierte Betriebswirtin ihren Handel mit der Luxus- Teemarke „Seasons Tea“ aufgemacht. Mittlerweile vertreibt sie elf Sorten in über 60 Feinkostgeschäften, die 50- Gramm-Packung für 26 Euro. „Am Anfang haben mich alle für verrückt erklärt“, sagt sie. Doch Winnacker fand ihre Nische. Mittlerweile stehen ihre Teedosen in den Regalen vom KaDeWe oder von Feinkost Käfer in München, zur Zeit expandiert sie nach England und auf die Promi-Urlaubsinsel Barbados. Heute Abend will sie interessante Frauen treffen, von denen sie lernen kann. „Ohne ein gutes Netzwerk kann man als Unternehmerin nicht überleben.“

Die Damen gehen über die Gartenwege in eines der Gewächshäuser, ihre Absätze klacken auf den grauen Pflastersteinen. In dem länglichen Glasgebäude stehen ein Beamer und eine Leinwand, darauf ein Bild mit Prinz Charles und einer Frau in Gartenkluft. Es ist Gabriella Pape, die seit über 20 Jahren ein renommiertes Büro für Landschaftsarchitektur in London führt. Jetzt hält sie einen Vortrag über ihr neues Projekt, die königliche Gartenakademie. Dazu gehören unter anderem eine Gartenschule und ein Büro für Gartendesign. „Die deutschen Banken waren von meiner großartigen Vision irgendwie nicht zu überzeugen“, sagt sie mit ironischem Unterton. Die Kredite bekam sie schließlich bei ausländischen Geldinstituten. Ihre Zuhörerinnen nicken verständnisvoll. Für ihr Startkapital mussten viele von ihnen nervenaufreibende Überzeugungsarbeit leisten.

„Das passiert eben, wenn es keine vergleichbaren Geschäftsideen gibt“, sagt Moritz Kaufmann von der Privatbank Löbbecke. Er trägt einen dunkelblauen Blazer mit Goldknöpfen und ist einer von sechs eingeladenen Männern. Die meisten von ihnen sind Banker. „Wir wollen den Damen Hilfestellung geben“, sagt Kaufmann. Auch in puncto Vermögensverwaltung könnten die Unternehmerinnen interessant sein, meint er.

Nach dem Vortrag über die Gartenakademie beginnt das Essen – und das, was man unter Netzwerken versteht. Man stellt sich vor, man redet höflich, man tauscht Visitenkarten aus. „Hier finden sich einfach Gleichgesinnte“, sagt Heide Meyer, Vorstandsvorsitzende des VDU. Für sie seien das Frauen, die Freiheit nicht mit Verantwortungslosigkeit gleichsetzen. Die schon einmal schwierige Entscheidungen treffen mussten. Von der Emanzipationsdebatte sei man längst weg. „Das brauchen wir nicht mehr“, betont sie. Beim Nachtischbuffet wartet Isolde Frey. Sie kommt gerade aus China zurück, wo ihre Firma eines der größten Messezentren der Welt mit neuen Schildern ausgestattet hat. Sie schätze am VDU, dass sie sich über Fragen wie Mitarbeiterführung austauschen könne. Ursprünglich hätte sie nie an Selbstständigkeit gedacht. „Eigentlich wollte ich Mechanikerin werden“, sagt sie. „Doch der Ausbildungsbetrieb damals hatte keine Damentoiletten.“ Kathrin Drehkopf

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