Berliner Wirtschaft : Türöffner in Schanghai

Wirtschaftssenator Harald Wolf will Berliner Unternehmer nach China bringen und eine japanische Airline nach Berlin holen.

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Senator Wolf
Senator WolfFoto: Mike Wolff

Berlin - Harald Wolf denkt praktisch. „Wenn man doch schon mal in der Gegend ist ...“, erklärt der Berliner Wirtschaftssenator der Linken seinen geplanten Abstecher von Schanghai nach Tokio. Dann macht er ein Geräusch, das als Lachen interpretiert werden könnte. Vielleicht räuspert er sich aber auch nur. So genau ist das bei dem für sein zengleiches Temperament bekannten Senator manchmal nicht zu unterscheiden.

Am kommenden Sonntag jedenfalls bricht Wolf für eine Woche nach China auf, um Werbung für die Hauptstadt zu machen und Berliner Unternehmern den Zugang zum dortigen Markt zu ebnen. 38 Vertreter aus 26 Berliner Unternehmen begleiten ihn, darunter Vattenfall, die Berliner Energieagentur oder die Fluggesellschaft Windrose.

Nach Tokio fliegt der Senator jedoch ohne den Tross. Was er denn während des nur 24 Stunden dauernden Zwischenstopps in der japanischen Hauptstadt vorhabe? „Verhandeln“, sagt Wolf trocken. Mit wem? „Einer japanischen Airline.“ Etwa die insolvente Japan Airlines? „Eine Airline.“ wiederholt Wolf. Dann sagt er noch ja, es gehe um Verbindungen nach Schönefeld und nein, mehr wolle er dazu jetzt nicht sagen.

Lieber redet der Senator über das offizielle Programm. Am 1. Juni eröffnet Wolf auf der Expo in Schanghai die „Berlin Days“ am Deutschen Pavillon. Die dauern fünf Tage und dort will sich die Hauptstadt als „moderne, innovative und kreative Metropole“ präsentieren. Es gibt Musik, Kunst, Ausstellungen. Danach zieht die Reisegruppe weiter in die Metropolen Shenzhen und Guangzhou. Parallel haben die Hauptstadtvermarkter von Berlin Partner einen Investorenkongress organisiert, zu dem 100 chinesische Unternehmen erwartet werden. Insgesamt wurden 520 Gesprächstermine zwischen Wolfs Delegation und Chinesen vereinbart.

Laut Jan Eder, dem Chef der IHK Berlin, die die Reisegruppe zusammengestellt hat, bietet China große Chancen für die Berliner Wirtschaft. Schon heute betrage das Handelsvolumen zwischen Berlin und dem asiatischen Land 1,16 Milliarden Euro. Nur mit den USA, Frankreich und Polen gibt es mehr Handel. Eder sieht da aber noch Steigerungspotenzial.

Genauso Dagmar Vogt. Ihr Unternehmen, die Vogt Group, baut Fotovoltaikfabriken und gehört ebenfalls zur Delegation. Wenn sie eng mit chinesischen Unternehmen kooperiere, sagt sie, könne sie deutsches Know-how zu lokalen Konditionen gewährleisten.

Was die ganze Reise kostet, konnte die Senatsverwaltung für Wirtschaft am Freitag nicht beziffern. Die Unternehmer jedenfalls fliegen und versorgen sich auf eigene Kosten, beteuert die IHK. Vielleicht auch, um den Verdacht, Staatsgelder zu verjubeln, gar nicht erst aufkommen zu lassen. Eine kürzlich wegen diverser organisatorischer Schwierigkeiten abgeblasene Reise von deutschen Parlamentariern zur Expo hat der Bund der Steuerzahler lauthals als „touristische Lustreise“ beschimpft.

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