BIP : Berlin wächst stärker als der Bund

Im ersten Halbjahr ist die Berliner Wirtschaft erstmals seit Jahren stärker gewachsen als der Bundesdurchschnitt. Besonders stark wuchs die Industrie. Doch die Aussichten sind trübe.

Berlin - Trotz der weltweiten Finanzkrise ist die Berliner Wirtschaft im ersten Halbjahr deutlich gewachsen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) lag preisbereinigt um 2,5 Prozent über dem Vorjahreswert, wie das Amt für Statistik Berlin-Brandenburg am Donnerstag mitteilte. Damit hat das Land erstmals seit Jahren den Bundesdurchschnitt übertroffen, der im ersten Halbjahr bei 2,4 Prozent lag.

Besonders stark wuchs mit 7,5 Prozent die Berliner Industrie. „In den letzten drei Jahren ist viel passiert in Berlin“, sagte der Chefvolkswirt der Investitionsbank Berlin (IBB), Hartmut Mertens. „Die Industrie hat sich besser aufgestellt, Berliner Produkte sind im Ausland begehrt.“ Der Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK), Jan Eder, sprach von den „Früchten“ des „schmerzhaften Strukturwandels“, die nun geerntet würden.

Auch Wirtschaftssenator Harald Wolf (Die Linke) lobte vor allem das Verarbeitende Gewerbe, das sich zum Wachstumstreiber entwickelt habe. „Dies ist die viertbeste Bilanz unter allen Bundesländern“, sagte Wolf mit Blick auf die guten Zahlen der Industrie.

Beim gesamten Wachstum liegt Berlin auf Platz sieben der 16 Bundesländer – gleichauf mit Baden-Württemberg. Am stärksten wuchs die Wirtschaft im Saarland mit 3,4 Prozent. Brandenburg kam mit 1,8 Prozent Wachstum nur auf Platz 13 – gemeinsam mit Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen. Ganz am Ende rangiert Schleswig-Holstein mit 1,6 Prozent Wachstum.

Ob es für Berlin so gut weitergeht, ist fraglich. Denn der globale Wirtschaftsabschwung wird nach Einschätzung der Experten auch die deutsche Hauptstadt nicht unberührt lassen. Senator Wolf warnte denn auch vor zu großem Optimismus. „Der günstige Wachstumswert im ersten Halbjahr wird angesichts der weltweiten Konjunktureintrübung über das Gesamtjahr 2008 gesehen auch in Berlin kaum zu halten sein“, sagte er. Die Wirtschaftsverwaltung hält deshalb an ihrer Prognose von 1,3 Prozent fest. Ähnlich sieht es auch die IBB: Volkswirt Mertens geht weiter von 1,3 bis 1,5 Prozent Wachstum im Gesamtjahr aus. 2007 hatte das Berliner BIP noch 2,0 Prozent zugelegt. „Wir kommen in schwieriges Fahrwasser“, sagte Mertens. Die Auftragseingänge seien bereits rückläufig. stek

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