Coffeeshops : Kampf um den Caramel Macchiato

Die Konkurrenz unter den Coffeeshops in der Stadt wird immer härter Trotzdem können sich auch kleine Läden gegen die Ketten behaupten – wenn sie sich Nischen suchen.

Daniela Martens

Caramel Macchiato muss es schon sein für Martina Müller. Jeden Morgen und unbedingt vom Coffeeshop Balzac am Potsdamer Platz. Obwohl der große Becher hier 3,55 Euro kostet. Zu Hause schmecke es nicht so gut und bei anderen Coffeeshops auch nicht. Dabei hätte Martina Müller am Potsdamer Platz die große Auswahl: Schräg gegenüber am Leipziger Platz hat die Kette Caras eine große Filiale. Der nächste Starbucks ist auch nur ein paar Meter entfernt. Unterirdisch liegt das kleine „We love coffee“. Und ein bisschen versteckt hinter dem Ritz Carlton die ebenfalls nicht große „Coffee Bar“ am Inge-Beisheim-Platz.

Aber nur bei Balzac ist es voll, vier Kunden stehen vor Martina Müller in der Schlange. In den anderen Selbstbedienungscafés sind nur wenige Kaffeetrinker zu sehen. „Der Konkurrenzkampf der Coffeeshops in Berlin wird immer härter“, sagt Ursula Luchner-Brock, Referentin für Stadtentwicklung bei der Industrie- und Handelskammer: In den letzten drei bis vier Jahren habe sich ihre Zahl enorm erhöht, auch wenn man das nicht mit offiziellen Statistiken belegen kann. Das liege daran, dass manche Coffeeshops bei der IHK als Imbisse verzeichnet seien, andere als Cafés. Zumindest die Zahl der Imbisse habe sich von 3000 auf 3500 erhöht, außerdem gibt es zurzeit rund 600 Cafés, allerdings keine Vergleichszahlen aus Vorjahren.

An auffälligen Orten wie dem Potsdamer Platz müssten die großen Ketten eben vertreten sein, sagt Luchner-Brock. Von den 15 Coffeeshops der amerikanischen Kette Starbucks in Berlin sind jeweils gleich drei an der Friedrichstraße und am Ku’damm und zwei an der Schloßstraße in Steglitz. Ähnlich sieht es bei den Filialen der Hamburger Kette Balzac Coffee aus. Und nebenan liegen meist noch einige kleinere Coffeeshops.

„Das Ende der Fahnenstange ist bald erreicht. Dann wird sich die Spreu vom Weizen trennen“, sagt Karsta Paeschke, Geschäftsführerin und Gründerin der „Coffee Bar“ am Inge-Beisheim-Platz. Diesen Coffeeshop betreibt sie seit dem vergangenen Jahr, zwei andere schon seit 2000. An diesem Morgen sitzt in der Filiale am Inge-Beisheim-Platz nur ein einzelner Kunde. Trotzdem macht sich Karsta Paeschke keine Sorgen ums Geschäft. Sie fülle nämlich eine „Marktlücke“: Ihre Kunden seien hauptsächlich Menschen, die in bestimmten Büro-Arealen arbeiten, etwa im Beisheim-Center am Potsdamer Platz.

Um Gäste in der Mittagspause anzuziehen, gibt es in der Coffe Bar auch Suppen und ausgefallene Sandwichs, etwa mit Currybutter. Und ihre Umsätze stiegen, sagt Paeschke. Der einzelne Gast an diesem Morgen ist einer ihrer Stammkunden: Andreas Wetzel hat vorher in der Nähe einer der anderen Filialen von Paeschke gearbeitet. Seit seine Firma an den Potsdamer Platz umgezogen ist, trinkt er jeden Tag einen Espresso oder Cortado am Inge-Beisheim-Platz. „Wir wollen, dass die Leute sich jeden Tag bei uns einen Kaffee leisten können“, sagt Paeschke. Der Caramel Macchiato kostet deshalb nur 2,60 Euro. Das liegt auch an der etwas versteckten Lage: Dort sei die Miete nicht so hoch wie zum Beispiel am Leipziger Platz. „So haben wir nicht den Druck, 350 Cappuccinos pro Tag verkaufen zu müssen.“

„Bei klassischen Coffeeshops ist der Standort das A und O“, sagt Luchner-Brock von der IHK. Im Coffeeshop kauften die meisten Kunden auf dem Weg zur Arbeit oder in der Mittagspause ein. „Es ist besonders günstig, wenn das Geschäft dicht bei einer Bushaltestelle oder U-Bahn-Station liegt.“ Der Eingang zur U2 ist nur ein paar Meter von Balzac Coffee entfernt. Für Balzac laufe es sehr gut in Berlin, heißt es bei dem Unternehmen. So gut, dass man nicht auf die Konkurrenz achten müsse. Sie hätten ein internationales Konzept, dass besonders gut nach Berlin passe. Bundesweit seien bis 2008 zehn bis fünfzehn neue Filialen geplant. Wie viele davon in Berlin eröffnet würden, sei noch nicht sicher. Sie setzten auf eine angenehme Atmosphäre und die „Kernkompetenz Kaffee“.

Die jedoch spricht Cynthia Barcomi den Ketten ab: „Der Berliner Markt ist überflutet mit schlechtem Kaffee.“ Sie will sich mit dem Angebot in ihrem eigenen Geschäft „durch Qualität von den Ketten unterscheiden“, sagt Barcomi, die 1994 als erste einen Coffeeshop in Berlin eröffnete, wie sie sagt. Die Amerikanerin brachte den Trend aus ihrem Heimatland mit. Inzwischen ist sie an der Bergmannstraße in Kreuzberg nicht mehr die einzige Anbieterin. Gegenüber hat gerade das Coffee Cult aufgemacht. Ein paar Meter weiter ist die Espresso Lounge. Aber Ketten sind nicht in der Nähe. Barcomi sagt, sie könne sich wirtschaftlich „gut behaupten“. „Kiezlage“ sei ein wichtiger Vorteil für kleine Coffeeshops, sagt Luchner-Brock von der IHK. Cynthia Barcomi aber ist überzeugt, dass ihr Erfolg vor allem daran liegt, dass Berliner heute besonders hochwertigen Kaffee zu schätzen. „Inzwischen gibt es hier ein ganz anderes Bewusstsein dafür als vor 13 Jahren.“ Sie biete nur „reinen Plantagenkaffee“ an, fair gehandelt, frisch und selbst geröstet: „Die, die sich auskennen, trinken ihren Kaffee nicht am Potsdamer Platz.“ Aber auch Starbucks hat erkannt, dass man auf die Vorlieben der Berliner eingehen muss: Im Mai gab die Kette eine Umfrage zu Trinkgewohnheiten in Auftrag. Dabei kam heraus, dass die Hauptstädter Kaffee am liebsten schwarz trinken – und Wert auf „gebietsreinen Kaffee“ legen, entweder aus Lateinamerika, Afrika oder dem pazifischen Raum. Übermorgen, am zweiten deutschlandweiten „Tag des Kaffees“, will der Deutsche Kaffeeverband die Berliner „Kaffee-Experten“ noch weiter fortbilden – bei einer der vielen Probieraktionen. „Und feiern, dass in Deutschland kein anderes Getränk häufiger konsumiert wird“, sagt Holger Preibisch vom Kaffeeverband. Dabei liegen die Berliner wohl auch vorn – immerhin haben sie eine „Vorreiterrolle bei den Coffeeshops“, sagt Preibisch. Am Hackeschen Markt eröffnete übrigens Starbucks 2002 seine erste deutsche Filiale – das war allerdings lange nach den meisten anderen Coffeeshops.

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