Berliner Wirtschaft : Die Informationstechnik boomt – und braucht Experten

Bessere Karrierechancen führen zur Abwanderung von Uni-Absolventen und Mitarbeitern

Eigentlich ist es eine gute Nachricht: Die Mehrzahl der IT-Unternehmen in Berlin und Brandenburg erwartet in diesem Jahr überdurchschnittliches Wachstum, 90 Prozent der Firmen rechnen mit steigendem Personalbedarf. Das geht aus einer Umfrage unter Berliner und Brandenburger IT-Dienstleistern hervorgeht, die am Dienstag in Berlin vorgestellt wurde.

Das Problem ist nur: Es gibt zu wenig IT-Spezialisten, die in der Region arbeiten wollen. „Das Thema Arbeitskräfte ist einer der kritischsten Faktoren für das Wachstum“, sagte Ortwin Wohlrab, Chef des Verbandes der Software-, Informations- und Kommunikations-Industrie in Berlin und Brandenburg (SIBB), der die rund 100 Mitgliedsunternehmen befragt hat.

Für die insgesamt rund 4000 IT-Hersteller und Dienstleister der Region, die allein in Berlin rund 40 000 Mitarbeiter beschäftigen, ist das schon jetzt ein Ärgernis. Knapp 70 Prozent sind mit der Arbeitsmarktsituation nicht zufrieden. Zwei Drittel der Firmen stellen sich in diesem Jahr auf steigende Kosten ein, um qualifiziertes Personal zu gewinnen.

„Viele Absolventen und Mitarbeiter arbeiten lieber in Stuttgart oder München“, sagte SIBB-Chef Wohlrab. Ein Grund dafür seien die tendenziell höheren Gehälter, die im Süden gezahlt werden, der andere bessere Karriereaussichten. „Das Hauptproblem von Berlin und Brandenburg ist, dass es hier keine Konzernzentralen großer IT-Konzerne gibt“, sagte er. „Wer Karriere machen will, geht aber lieber in die Zentrale.“ Die Abwesenheit großer Industrieunternehmen macht den IT-Firmen nicht nur beim Personal zu schaffen, sondern auch bei den Aufträgen. Nicht mal ein Drittel der Aufträge kommt der Umfrage zufolge noch aus der Region. „Der Trend geht weg aus Berlin“, sagte SIBB-Geschäftsführer Peer-Martin Runge.

Ihre Umsätze erzielen Berliner Firmen wie Beta Systems, PSI & Co. zunehmend im Ausland. Die Zahl internationaler Kunden ist auf 20 Prozent gestiegen – fast doppelt so viele wie im Vorjahr. pet

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