Energiemarkt : US-Solarfirma schlägt Hauptquartier in Berlin auf

Das US-Unternehmen Despatch Industries brennt Siliziumplatten in Öfen. Jetzt kommt es nach Berlin.

Christoph Giesen

Berlin - Minnesota ist nach Alaska der nördlichste Bundesstaat der USA. Im Winter ist es grimmig kalt, das Thermometer fällt häufig unter 30 Grad minus. In der Hauptstadt Minneapolis froren die Fahrgäste in den städtischen Straßenbahnen. Despatch Industries, ein lokaler Ofenhersteller, wurde daher vor knapp 100 Jahren beauftragt, die Züge mit Kohleöfen auszurüsten. Seitdem hat sich viel verändert: Straßenbahnen haben heute Klimaanlagen, und auch bei Despatch Industries setzt man auf Zukunftstechnologien. Das US-Unternehmen stellt zwar immer noch Öfen her, hat sich aber auf Industrieöfen für die Solarzellenherstellung spezialisiert. In diesen Öfen werden Siliziumplatten, die zur Umwandlung von Sonnenlicht in Strom benötigt werden, gebacken.

Im September hat Despatch Industries sein europäisches Hauptquartier in Berlin aufgeschlagen. „Deutschland ist führend auf dem Gebiet der Solarenergie, als Zulieferer gibt es für uns hier ein enormes Wachstumspotenzial“, sagte Rainer Erdmann, Geschäftsführer von Despatch Industries am Donnerstag in Berlin. Bis Jahresende will Despatch Industries 25 neue Arbeitsplätze in Berlin schaffen. „Wenn wir Umsätze in Höhe von 20 bis 25 Millionen Euro in Berlin erzielen, dann werden wir auch hier fertigen“, versprach Erdmann. „Und ich kann sagen, wir sind sehr zuversichtlich, dieses Ziel zu erreichen.“ Momentan hat Despatch Industries weltweit rund 250 Mitarbeiter und erwirtschaftet einen jährlichen Umsatz von 75 Millionen US-Dollar. „Wir erwarten 2007 aber ein Umsatzplus von 90 Prozent“, sagte der Geschäftsführer Rainer Erdmann. Und auch für das folgende Jahr kalkuliert das US-Unternehmen mit weiteren Zuwächsen. „Wir gehen dann noch einmal von einem Umsatzsprung von 90 Prozent aus“, sagte Erdmann.

Die Hauptstadtregion ist der wichtigste Produktionsstandort für Solarzellen in Deutschland. 35 Prozent der gefertigten Module stammen aus Berlin und Brandenburg. „Und wir werden noch mehr Marktanteile gewinnen“, ist sich Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linkspartei) sicher. Ostdeutschland ist als Standort für die Solarbranche sehr attraktiv. Mit dem Hahn-Meitner-Institut hat sich eine der führenden Solarforschungseinrichtungen in Berlin angesiedelt. Außerdem winken Investitionszuschüsse. In Brandenburg werden bis zu 50 Prozent der Investitionskosten vom Bundesland getragen und in Berlin schießt die öffentliche Hand bis zu 35 Prozent der Ausgaben zu. Dass Berlin als Standort attraktiv ist, haben vor Despatch schon andere Firmen begriffen: Vor zwei Wochen kündigte die neu gegründete Inventux AG an, in den kommenden Monaten eine Solarzellenfertigung in Adlershof aufzubauen und 120 Arbeitsplätze zu schaffen. Und es könnte so weitergehen. „Ich weiß von einigen amerikanischen Unternehmen, dass sie auch nach Berlin wollen“, sagte Erdmann. Christoph Giesen

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