Finanzsenat : Harald Christ will Sarrazins Posten nicht

Der Berliner Millionär Christ fällt als neuer Finanzsenator aus. Politisch könne er sich auch ohne Mandat engagieren, so der Unternehmer. Thilo Sarrazin wird voraussichtlich zum 1. Mai in den Vorstand der Bundesbank nach Frankfurt am Main wechseln.

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Harald Christ -Foto: dpa

Der als möglicher Nachfolger von Thilo Sarrazin (SPD) gehandelte Unternehmer Harald Christ will nicht Finanzsenator werden. „Ich bin nicht angesprochen worden, habe mich nicht beworben und stehe zum jetzigen Zeitpunkt auch definitiv nicht für diese Aufgabe zur Verfügung“, sagte Christ dem Tagesspiegel auf Anfrage. „Dass ich mich stärker politisch engagiere, ist bekannt. Aber dazu brauche ich kein Mandat“, betonte Christ.

Sarrazin wird voraussichtlich zum 1. Mai in den Vorstand der Bundesbank nach Frankfurt am Main wechseln. Am 17. Februar wollen die Landesregierungen von Berlin und Brandenburg, die gemeinsam das Vorschlagsrecht für diesen Posten haben, Sarrazin offiziell benennen. Ein Nachfolger für das Amt des Berliner Finanzsenators steht offenbar noch nicht fest. Doch in der SPD kursieren mehrere Namen, unter anderem der von Werner Gatzer (50), Staatssekretär im Bundesfinanzministerium.

Der 37-jährige Multimillionär Christ war schon länger als Nachfolger gehandelt worden. Zuletzt hatte die „Berliner Morgenpost“ berichtet, der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) habe bei Christ angefragt und wolle sich in den kommenden Tagen persönlich mit ihm treffen. Derzeit weilt Christ an seinem Zweitwohnsitz im südafrikanischen Kapstadt.

Christ und Wowereit sind gut miteinander bekannt. Auch in die Bundes-SPD pflegt der Unternehmer beste Kontakte. Er ist seit 21 Jahren Parteimitglied und war bis 2007 Schatzmeister der Hamburger SPD. Den Großteil seines Vermögens erwirtschaftete Christ mit dem Hamburger Finanzdienstleister HCI, an dem er beteiligt war. Von Oktober 2007 bis Juni 2008 war Christ Generalbevollmächtigter der Berliner Weberbank. Seit er dort weg ist, kümmert sich Christ vor allem um seine Firma Christ Capital, die rund ein dutzend Unternehmensbeteiligungen weltweit verwaltet.

Zudem versucht sich Christ seit dem vergangenen Jahr am Sprung in die Politik. Immer wieder mischt er sich in politische Debatten ein, hält Vorträge bei SPD-Veranstaltungen und berät führende SPD-Politiker. Dass er nun vorauseilend den Posten des Finanzsenators ablehnt, ist überraschend. Zuvor hatte er solche Spekulationen stets unkommentiert gelassen. Offenbar hat der Job des Sparsena tors mit zwei Jahren Restlaufzeit bis zum Ende der Legislaturperiode für Christ nun an Attraktivität verloren. stek

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