Firmenumzug : Pfizer kommt nach Berlin

Die Deutschland-Zentrale des US-Konzerns verlässt Karlsruhe – davon profitiert ganz Berlin. Was der Konzern und die Stadt voneinander erwarten.

Maren Peters
Viagra für Berlin:
Viagra für Berlin: Der Pharma-Konzern Pfizer kommt in die Hauptstadt. -Foto: dpa

BerlinNach Bayer-Schering Pharma, Berlin-Chemie und Sanofi-Aventis wird ein weiteres großes Pharmaunternehmen seinen Deutschland-Sitz nach Berlin verlegen. Der Viagra-Hersteller Pfizer wird ab Anfang 2008 damit beginnen, seine Zentrale mit Geschäftsleitung, Verwaltung, Marketing und Vertrieb in von Karlsruhe in die Hauptstadt zu verlagern. Knapp 500 der insgesamt 645 Arbeitsplätze werden mitziehen, kündigte das Unternehmen am Freitag an.

Für die Gesundheitsstadt Berlin ist das eine wichtige Bestätigung. Die Gesundheitswirtschaft mit ihrem großen Potenzials an Kliniken und medizinischen Einrichtungen gehört zu den Stärken der Region. Das hat gerade eine Studie der Technischen Universität Darmstadt bestätigt. Demnach ist die Zahl der Beschäftigten in der Branche in den vergangenen acht Jahren um 30 000 auf 344 000 gestiegen. Auch die jährliche Bruttowertschöpfung sei auf um zwei Milliarden Euro auf knapp 12,3 Milliarden Euro gestiegen, haben die Experten ermittelt.

Auch Pfizer hat dieses Potenzial offenbar erkannt. „Hier finden wir die engen Kontakte und kurzen Wege zwischen Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Gesundheitsversorgung, die wir für den Erfolg unseres Unternehmens immer stärker brauchen“, sagte Pfizer-Deutschland-Chef Andreas Penk am Freitag. Der weltgrößte Pharmahersteller kooperiert bereits unter anderem mit der Charité (siehe Interview) und dem Charlottenburger Biotechnologie-Unternehmen Noxxon. Im vergangenen Jahr hatten die beiden Unternehmen eine Forschungspartnerschaft abgeschlossen, die sich auf bis zu 200 Millionen Euro belaufen soll.

Die Erwartungen an Pfizer sind entsprechend groß. „Pfizer wird die Gesundheitswirtschaft in Berlin stärken und umgekehrt vom dichten und lebendigen Netzwerk zwischen Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung in der Region profitieren“, sagte René Gurka, Geschäftsführer von Berlin Partner. Auch IHK-Präsident Eric Schweitzer geht davon aus, dass die Ansiedlung von Pfizer der hauptstädtischen Gesundheitsbranche neue Impulse verleihen wird. Profitieren wird auch der Finanzsenator, denn Pfizer Deutschland wird ab dem kommenden Jahr seine Steuern in Berlin zahlen, wie eine Pfizer-Sprecherin bestätigte. Zur Höhe wollte sie sich nicht äußern. Entsprechend gedämpft ist die Stimmung in Baden-Württemberg: „Wir bedauern den Umzug sehr“, hieß es gestern im dortigen Wirtschaftsministerium.

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