Franchiseunternehmen : Lizenz zum Handeln

Immer mehr Existenzgründer werden Franchisenehmer. Die bekannten Marken erleichtern den Sprung in die Selbstständigkeit.

Cay Dobberke

BerlinNur rund 100 Meter voneinander entfernt haben die Filiale der Bäckerei Kamps und der Sandwichladen der Subway-Kette ihre Standorte am Olivaer Platz in Wilmersdorf - doch geschäftlich liegen Welten dazwischen. Die 22-jährige Katrin Hannemann ist "sehr zufrieden" in ihrem seit Mai bestehenden Backshop in der Konstanzer Straße, sie ist die jüngste Franchisenehmerin von Kamps in Deutschland. Seit kurzem betreibt sie eine zweite Filiale in der Leibnizstraße. "Kamps macht viel Werbung, und man braucht kein hohes Eigenkapital", lobt die gelernte Fachverkäuferin, deren Vater ebenfalls Lizenznehmer der Kette ist. Im Vergleich zur Eröffnung einer eigenen Bäckerei sei "das Risiko einfach nicht so groß".

Eine ganz andere Entwicklung hat Ralf Böhmke als Franchisenehmer von Subway erlebt. Seine drei Schnellrestaurants am Olivaer Platz/Ecke Kurfürstendamm, in der Joachimstaler Straße und am Tempelhofer Damm mit 30 Mitarbeitern machen Verluste. Seit einem Jahr zahlt der 42-jährige alleinerziehende Vater deshalb keine Lizenzgebühr mehr an die deutsche Tochtergesellschaft der US-Sandwichkette. Wie es weitergehen soll, will Böhmke wegen eines laufenden Rechtsstreits nicht sagen. Subway wirft er mangelnde Werbung, zu strikte Vorgaben und eine zu hohe Gebühr vor, die er als Umsatzbeteiligung an den Konzern zahlen muss. Auch seien die Standorte seiner Lokale nicht optimal und die Miete zu hoch - am Olivaer Platz zum Beispiel verlange der Vermieter 6000 Euro. Eigentlich bedeute Franchising, dass "bei Problemen geholfen wird", sagt Böhmke, doch von Unterstützung durch Subway könne bei ihm keine Rede sein. So habe man ihm verboten, den Umsatz durch Pizzaverkäufe oder einen Lieferservice zu steigern.

Franchisewirtschaft der Stadt floriert

Trotz solcher Erfahrungen floriere die Franchisewirtschaft in der Stadt, sagt Jan Pörksen, der Handelsexperte der Industrie- und Handelskammer Berlin. Derzeit gehören mehr als 1000 Betriebe zur Branche (siehe Kasten). Doch nicht jedes Konzept geht überall auf. Wie wichtig der Standort ist, musste Axel Schumacher als Franchisenehmer der Filialkette "Blume 2000" feststellen. Seit 2006 betreibt er den Blumenladen im Neuen Kranzler-Eck am Kurfürstendamm und ist dort weitgehend zufrieden, auch wenn viele Touristen die Einkaufspassage leider beim Ku'damm-Bummel übersähen. Als Flop erwies sich dagegen sein Geschäft im U-Bahnhof Onkel Toms Hütte in Zehlendorf. 2007 gab Schumacher diesen Standort auf, weil immer weniger Kunden kamen und die Kaufkraft in der umliegenden Wohnsiedlung abnahm.

Seinen Lizenzgeber lobt Schumacher dennoch: "Es ist wirklich eine Partnerschaft." Wichtig sei viel eigenes Engagement: Es genüge nicht, die Arbeit an Angestellte oder Teilzeitkräfte zu delegieren: "Der Chef muss im Laden stehen." Die Ladengestaltung sei großenteils vorgegeben, doch gebe es einen "gewissen Spielraum". Der 52-Jährige bietet in der City-West zum Beispiel weniger Nelken als Rosen an: "Nelken gehen nur in den östlichen Bezirken gut", hat er beobachtet. Sein Fachwissen über Blumen und Pflanzen stammt aus Schulungen, zum Teil hat er es sich auch selbst angeeignet. Eigentlich ist Schumacher kein Florist, sondern war 20 Jahre lang als Einkäufer bei der Supermarktkette Rewe tätig.

Wie aber kann ein potenzieller Franchisenehmer erkennen, wo er in guten Händen ist? Sabine Ernst von der Investitionsbank Berlin rät, darauf zu achten, ob das Unternehmen Mitglied im "Deutschen Franchise Verband" ist. Denn dafür ist eine Zertifizierung nötig. Blume 2000 gewann vor sechs Jahren sogar den Franchisegeberpreis, während Subway dem Verband nicht angehört. Wer eine Existenz gründen will, sollte sich auch bei bestehenden Franchisenehmern nach deren Erfahrungen erkundigen, rät Ernst. Außerdem sei eine selbstkritische Einschätzung wichtig: Ohne kaufmännische Grundkenntnisse und Unternehmergeist gehe gar nichts. Arbeitszeiten deutlich über 40 Stunden sind die Regel.

In Berlin gibt es nur noch wenige lohnende Ecken

Zu den bekanntesten Franchisegebern gehören McDonald's und Burger King. Die Hamburgerketten setzen allerdings ein Eigenkapital von mehreren hunderttausend Euro voraus. In Berlin gibt es auch immer mehr Franchiseanbieter. Verbands-Geschäftsführer Torben Leif Brodersen sagt, die Stadt sei "ein guter Testmarkt für neue Produktlinien".

Vor drei Jahren gründete ein ehemaliger Lehrer das "Aha! Nachhilfe Institut", während eine Unternehmensberaterin und eine Marketingexpertin die Haarentfernungssalons "Wax in the City" ins Leben riefen. Etwa zeitgleich entstand das Frauenfitnessstudio "Mrs. Sporty", zu den Gründern gehörte Tennis-Star Steffi Graf. Heute gibt es 204 Fitnessclubs, davon 30 in Berlin. "In der Stadt würde sich eine Neueröffnung nur noch an wenigen Ecken lohnen", sagt eine Sprecherin, in Potsdam dagegen bestehe noch Bedarf.

Die 43-jährige Conny Hellmeier ist seit 18 Monaten zufriedene Betreiberin eines "Mrs. Sporty"-Studios am Mariendorfer Damm. "Es ist wunderbar, selbstständig zu sein und trotzdem ein Geländer neben sich zu haben", beschreibt sie das Verhältnis zum Franchisegeber. Die ehemalige Eventmanagerin sagt, sie habe ihr "Hobby zum Beruf gemacht", denn früher war sie begeisterte Siebenkämpferin. Jetzt plant sie bereits ihr drittes Frauen-Fitnessstudio.

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