Großmarkt : Metros Abschied von Marzahn und Pankow

Metro schließt zwei Großmärkte im Ostteil Berlins. Etwa 300 Beschäftigten droht die Kündigung. Im Oktober soll ein Sozialplan ausgehandelt werden.

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Berlin - Für die Mitarbeiter des Metro-Großmarktes in Berlin-Pankow war es ein schwarzer Donnerstag. Bis zuletzt hatten sie gehofft, dass wenigstens ihr Standort erhalten bleibt. Doch nun ist es offiziell: Zwei Metro-Märkte im Ostteil der Hauptstadt – Pankow und Marzahn – werden dicht gemacht. Am 31. Oktober sollen endgültig die Lichter ausgehen. Das teilte das Unternehmen in Berlin mit. Nach Gewerkschaftsangaben droht 360 Mitarbeitern die Kündigung. Metro spricht von 300 Beschäftigten.

„Wir sind bestürzt, und die Entscheidung ist für uns nicht nachvollziehbar“, sagte die stellvertretende Betriebsratsvorsitzende des Pankower Markts, Marina Schmidt. Das Aus für beide Märkte war schon im Juni angekündigt worden, doch die Belegschaft hatte ein Konzept für den Erhalt des Marktes vorgelegt und um eine erneute Prüfung gebeten. Diese habe ergeben, dass sich der Standort Pankow „auch mithilfe umfassender baulicher, personeller und struktureller Veränderungen langfristig nicht profitabel betreiben lasse“, teilte Metro mit. „Ich bedauere diese Entscheidung sehr, aber sie ist nötig“, sagte der Geschäftsführer von Metro Cash & Carry, John Rix. Zur Schließung gebe es keine Alternative. Das sieht die Belegschaft anders: „Wir haben ein schlüssiges Konzept zur Weiterführung des Marktes in Pankow vorgelegt“, sagte dagegen Betriebsratsvorsitzender Michael Koschmieder. Es habe sogar vorgesehen, einen Teil der Mitarbeiter aus Marzahn nach Pankow zu holen.

Im Zuge einer Restrukturierung hatte die Metro-Gruppe, zu der auch Saturn, Media-Markt und die Kaufhof-Warenhäuser gehören, jeden einzelnen der 61 deutschen Cash & Carry-Märkte überprüft. „Die Umsätze der Märkte in Pankow und Marzahn waren in den vergangenen Jahren rückläufig“, sagte Rix. Der jüngste Aufwärtstrend sei an diesen Standorten ausgeblieben, auch weil hier die Konkurrenz durch Discounter höher sei als in anderen Stadtteilen Berlins. „In Pankow und Marzahn fehlt unsere Kernkundengruppe, also Hotels, Restaurants und Caterer“, sagte Rix. Die im Stadtteil Prenzlauer Berg ansässigen Gastronomen kauften eher im Metro-Markt in Friedrichshain ein. „Die Kunden haben mit den Füßen abgestimmt“, sagte Personalchef Kai-Uwe Weitz. Auch der Metro-Markt in Halle soll bald schließen, und ein Standort in Rostock wurde verkauft. Der Konzern will stärker als bisher wachsen und deshalb die unprofitablen Märkte schließen.

Die Belegschaft in Pankow kämpft weiter für einen Erhalt. „Noch haben wir nicht aufgegeben, auch wenn die Chancen schlecht stehen“, sagte Koschmieder. Gelinge das nicht, müsse ab Anfang Oktober ein Sozialplan verhandelt werden. Metro will eine Transfergesellschaft einrichten und den Beschäftigten bei der Suche einer neuen Stelle helfen. Koschmieder sieht da wenig Chancen: „Der Altersdurchschnitt der Belegschaft in Pankow liegt bei 46 Jahren.“ Zudem muss Metro nun noch eine Lösung mit den Vermietern suchen. In Pankow etwa läuft der Mietvertrag für den Markt noch bis zum Jahr 2017.

In Berlin bleiben ohne Pankow und Marzahn noch drei Metro-Großmärkte übrig: in Spandau, Marienfelde und Friedrichshain. Einen weiteren gibt es in Schönefeld. „In der Summe sind wir mit diesen vier Standorten sehr zufrieden“, betonte Rix. So gehöre der Markt in Spandau zu den fünf profitabelsten Standorten in Deutschland. Der Markt in Schönefeld soll 2012 wegen des neuen Flughafens modernisiert werden.

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