Handelskammer : Verstimmung an der Spitze der Berliner IHK

Kurz nach der Wahl Eric Schweitzers zum Präsidenten gärt es bereits in der IHK. Es hat sich eine Opposition gegen Schweitzers Präsidiumsliste gebildet. Für zwei Posten soll es Gegenkandidaten geben.

Berlin - Die Wahl des Präsidiums der Berliner Industrie- und Handelskammer am Montag war ungewöhnlich turbulent. Ein Teilnehmer sagte dem Tagesspiegel, IHK-Präsident Eric Schweitzer habe für Irritationen gesorgt, weil er seine Kandidaten für das Präsidium ohne Diskussion durchbringen wollte. „Das haben die meisten nicht als sehr demokratisch empfunden. Er ist damit aufgelaufen“, sagte der Teilnehmer, der nicht namentlich genannt werden will. Als diese Kritik vorgebracht worden sei, habe Schweitzer nicht souverän reagiert und die Diskussion abbrechen wollen. Er müsse seine Art der Führung ändern. „Das wird in den nächsten fünf Jahren so nicht funktionieren.“

Schweitzers Sprecher Holger Lunau bestätigte auf Anfrage, dass es eine Diskussion über die personellen Vorschläge Schweitzers sowie zwei Gegenkandidaten für das Präsidium gegeben habe. Schweitzer, der von der Vollversammlung per Akklamation für fünf weitere Jahre als Präsident bestätigt worden war, habe „äußerst souverän reagiert“, sagte Lunau, und wie gewünscht die geheime Wahl der übrigen zwölf Präsidiumsmitglieder durchgeführt. Bei dieser Wahl setzte sich dann Schweitzers Vorschlagsliste durch.

Die Gegenkandidaten Hendrik Senkel (Geschäftsführer der cyberway GmbH) und Egon Dobat (Geschäftsführer von Air Travel Service) bekamen nur 25 respektive 26 Stimmen der etwas mehr als 80 anwesenden Vollversammlungsmitglieder. Die meisten Stimmen, nämlich 79, entfielen auf Antje Meyer (Geschäftsführerin orange: blue Public Relations GmbH) und Hans-Jörg Vetter (Vorstandschef der Landesbank Berlin). Überraschend gut schnitt auch Jürgen Radomski (Mitglied des Zentralvorstands von Siemens) mit 73 Stimmen ab. Radomski ist nur kooptiertes Mitglied der Vollversammlung. Als dieser Umstand angesprochen wurde, wies Schweitzer nach Aussage von Teilnehmern darauf hin, dass sich Radomski sehr wohl der Wahl zur Vollversammlung gestellt habe. Dass er nicht gewählt wurde, soll Schweitzer indes nicht erwähnt haben.

Diskutiert wurde in der Vollversammlung, die auch gerne als Unternehmerparlament bezeichnet wird, ferner über die schlechte Beteiligung an den Wahlen eben zu jener Vollversammlung. Von 218 000 Berliner IHK-Mitgliedern haben sich nur rund 9800 oder 4,8 Prozent an der Wahl beteiligt. Wie aus Kammerkreisen zu hören ist, war die Beteiligung bei der letzten Wahl noch doppelt so hoch. Die geringe Beteiligung sowie zum Teil beleidigende Kommentare auf Wahlzetteln wurden von Teilnehmern der Vollversammlung als Kritik an der IHK bewertet.

Schweitzer und der IHK-Hauptgeschäftsführer Jan Eder waren erst kürzlich in die Kritik geraten, als sie eine über Jahre vertretene Position änderten und plötzlich gegen die Fusion der Wirtschaftsfördergesellschaften von Berlin und Brandenburg votierten und die Berliner Politik aufforderten, gebenenfalls auf Konfrontationskurs zu Brandenburg zu gehen. In Kammerkreisen heißt es über die beiden Kammerchefs, sie seien „an wohlmeinenden Ratschlägen nicht interessiert“. Schweitzer und Eder sind befreundet und harmonieren demonstrativ gut. Dagegen sind gelegentlich Klagen über Schweitzers forsche Art im Umgang mit Kammermitarbeitern zu hören. Der 41-jährige Schweitzer ist der jüngste IHK-Präsident der Bundesrepublik und führt gemeinsam mit seinem Bruder Axel den Entsorgungskonzern Alba. alf/mod

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