Handelspartner China : Anstehen am ganz großen Markt

Berlin hat einen guten Klang in China. Die deutsche Hauptstadt gilt als Metropole der Kreativen. Wirtschaftssenator Harald Wolf war jetzt in Fernost, um Berliner Firmenchefs zu unterstützen.

Das Restaurant in dem alten Schulgebäude ist die richtige Adresse für ein gediegenes Geschäftsessen in Peking. Hier trifft sich der Berliner Trickfilmproduzent Thilo Rothkirch mit dem Präsidenten der chinesischen Filmstiftung und dem Produzenten Fred Wang aus Hongkong. Auch Berlins Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linke) ist dabei, der gerade eine Chinareise absolviert. Die Gäste werden durch die mit roten Lampions geschmückte Eingangshalle geführt und entschwinden über die Holztreppe in einen abgetrennten Raum im ersten Stock. Die Karte bietet Spezialitäten aus der Provinz Sichuan, die europäische Gaumen auf eine harte Probe stellen: Haifischlippen, Seegurke und gefährlich scharfe Fleischgerichte. Wer seine Geschäftspartner nicht vor den Kopf stoßen will, muss zumindest probieren.

Thilo Rothkirch kennt diese Prüfung. „Ich versuche seit über drei Jahren in China Geschäfte zu machen“, sagt der Produzent. „In den ersten beiden Jahren habe ich fast gar nichts erreicht. Man trifft sich immer wieder zum Essen, kommt aber keinen Schritt voran.“ Aber Rothkirch blieb beharrlich und steht jetzt kurz vor dem Ziel. Als erster deutscher Filmproduzent will er über eine ortsansässige Partnerfirma Zugang zum chinesischen Markt bekommen. So wie Rothkirch geht es vielen Berliner Mittelständlern: Der riesige Markt ist verlockend, doch die Eintrittsbarrieren sind hoch. Allerdings haben hiesige Firmen einen Standortvorteil: Berlin hat in China einen Ruf als Stadt der Kreativen. Firmen aus den Bereichen Film, Design oder Markenberatung haben einen Startbonus.

Rothkirchs Kreuzberger Firma Cartoon-Film hat erfolgreiche Trickfilme wie „Der kleine Eisbär“ und „Lauras Stern“ produziert. Letzterer war auch auf chinesischen Kinderfilmfestivals ein Publikumsliebling. Seitdem arbeitet Rothkirch daran, für den zweiten Teil von Lauras Stern einen chinesischen Koproduzenten für die neun Millionen Euro teure Produktion zu finden – Voraussetzung für den Zugang zum chinesischen Markt. Die Filmhandlung passt zu den Plänen: Laura begleitet ihre Mutter zu einem Konzert nach China. Ihr Stern geht unterwegs verloren und wird von einem chinesischen Mädchen gefunden ...

„Viele Türen öffnen sich schneller, wenn ein Politiker anklopft. Und da Harald Wolf schon häufiger in China war und hier bekannt ist, war er für uns eine große Hilfe“, sagt Rothkirch. Dass er trotz des persönlichen Einsatzes des Senators noch nicht am Ziel ist, zeigt, wie schwierig es ist, in China Fuß zu fassen.

Designer Jan Dietrich steht da noch ganz am Anfang. Obwohl seine Firma keine zwei Jahre alt ist, ist er in die Wirtschaftsmetropole Shenzhen gekommen, um an einer Ausstellung innovativer Designfirmen aus Berlin teilzunehmen. Dietrich ist beeindruckt von den Dimensionen der Zehn-Millionen-Stadt und überrascht vom vielen Grün. Der erste Eindruck ist aber nicht nur positiv: „In meinem Hotelzimmer bin ich umgeben von abgekupfertem Design, egal ob Stuhl oder Schreibtischlampe“, sagt Dietrich.

Mit einem Partner betreibt er die Firma D’Angelico & Dietrich Acoustic Consult. Die verpasst Verpackungen oder Produkten einen besonderen Klang – zum Beispiel eine wiederverschließbare Hundefutterdose, deren Deckel beim zumachen einen „satten Klang“ von sich gibt, erklärt Dietrich. „Diese Designrichtung ist noch sehr jung. In China ist der Markt vielleicht noch nicht so weit“, sagt Dietrich. Interessiert sind die Unternehmer aus Shenzhen aber schon, die an der ausstellungsbegleitenden Tagung teilnehmen. Nach seiner Firmenpräsentation ist Dietrich umringt von Chinesen, die Visitenkarten tauschen wollen.

Die Region Shenzhen war die erste Sonderwirtschaftszone des Landes und gilt als wirtschaftlicher Trendsetter. Billige Turnschuhe werden hier längst nicht mehr genäht, der Trend geht zu Hightechprodukten. „Wir waren lange genug die Fabrik der Welt, wir wollen mehr erreichen“, sagt Guo Yong Hong, Leiter der Abteilung für Kreativwirtschaft von Shenzhen. Mit Blick auf die Berliner Unternehmer sagt er: „Dabei möchten wir gerne von ihnen lernen.“

Geladen sind unter anderem die Agentur Metadesign, die Firmen zu Marken und Image berät, das Neue Internationale Designzentrum Berlin und die Kommunikationsberatungsfirma kleinundpläcking. „Die Chinesen haben genau erkannt, dass sie aus Ihren Produkten Marken machen müssen“, sagt Jochen Pläcking von kleinundpläcking. „Wir können ihnen bei diesem Prozess helfen. Aber das braucht seine Zeit, zehn Jahre vielleicht. Dafür fehlt den Chinesen einfach die Geduld.“

Mehr zum Thema lesen sie in der nächsten Ausgabe des Tagesspiegel-Wirtschaftsmagazins Berlin maximal, die am 30. Mai erscheint.

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