Berliner Wirtschaft : Harter Kampf um weiche Polster

Der Wettbewerb der Möbelhändler in Berlin und Brandenburg wird schärfer. Jetzt tritt auch Porta an

Cay Dobberke,Frederic Spohr

Im Berliner Möbelhandel wird die Konkurrenz immer stärker: Während Möbel Höffner gerade erst sein Haus in Marzahn modernisiert hat und 2009 ins Weddinger Stammhaus investieren will, drängt nun auch die Möbelhauskette Porta auf den Markt. Die neue Filiale eröffnet am Donnerstag um 9 Uhr in Potsdam-Kirchsteigfeld, soll aber auch viele Kunden aus Berlin anlocken. Mit 37 000 Quadratmetern Verkaufsfläche wird Porta das größte Möbelhaus in Potsdam. 50 Millionen Euro investierte das Familienunternehmen aus Porta Westfalica, das in Berlin zwei weitere Filialen plant. Und dies, obwohl die Rating-Agentur Feri Rating and Research AG dem Möbeleinzelhandel der Stadt in einer aktuellen Studie ein „weit überdurchschnittliches Branchenrisiko“ bescheinigt.

Auf eine schwierige Lage deuten auch Zahlen der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) hin: Demnach gaben Berliner 2007 relativ wenig für Einrichtungsbedarf aus – nämlich durchschnittlich 454 Euro je Einwohner, was insgesamt etwa 1,54 Milliarden Euro entspricht. Der Bundesdurchschnitt pro Einwohner liegt bei 489 Euro, Spitzenreiter ist Hamburg mit 574 Euro.

Doch Porta zweifelt nicht am Erfolg. Als Zielgruppe sieht Geschäftsführer Gerhardt Laubmeyer die breite Mittelschicht. „Wir wollen Möbel für normal wohlhabende Familien anbieten, allerdings bieten wir auch ein paar teure Markenwaren an.“ Billige Discount-Produkte vertreibt Porta über die Marke Möbel Boss; eine Filiale eröffnete erst am 21. August gleich neben den Porta.

250 Angestellte finden im neuen Haus einen Job, die meisten waren zuletzt arbeitslos. Porta lernte sie in seinen anderen 19 Möbelhäusern an. Für das Unternehmen ist soziales Engagement wichtig, man will in Potsdam „Bestandteil des sozio-kulturellen Lebens werden“ und unterstützt deshalb 40 soziale Einrichtungen mit 20 Kleintransportern sowie freiwilligen Einsätzen eines Firmenteams.

Stolz ist Porta auf die 1000 Quadratmeter große Glasfassade des Neubaus – angeblich eine der größten in der Berlin und Brandenburg. Dahinter finden sich außer Möbeln auch Haushaltsgeräte, Geschirr und Geschenkartikel. Potsdam soll erst der Anfang in der Region sein: „Um wirklich im Berliner Raum Fuß zu fassen, braucht man hier schon drei Häuser“, sagt Laubmeyer. Ein Grundstück in Berlin haben die Manager nach eigenen Angaben bereits in Aussicht, den Standort nennen sie aber noch nicht. Man werde sich bald um eine Genehmigung bemühen, das könne „in Berlin jedoch sehr schwierig werden“. Bis zur Eröffnung dürften noch einige Jahre vergehen.

Welche Hürden es bei Neuansiedlungen geben kann, musste bereits Lutz-Neubert aus Österreich erfahren: Bis heute ist Europas zweitgrößte Möbelkette nicht in der Stadt vertreten. Erst scheiterten Pläne an der Radrennbahn Schöneberg, als Möbel-Höffner-Chef Kurt Krieger gegen die Ausschreibung intervenierte. Letztlich bekam Krieger den Zuschlag und eröffnete 2007 ein Haus seines Tochterunternehmens Möbel Kraft. Dann wollte Lutz-Neubert den ehemaligen Güterbahnhof Halensee am Kurfürstendamm bebauen, doch das Bezirksamt lehnte die Verkaufsfläche als zu groß ab. In Halensee soll nun ein „Bauhaus“-Baumarkt entstehen. Lutz-Neubert wollte zudem das ehemalige Hertie-Kaufhaus in Neukölln zum Möbelhaus machen, aber auch dort kam es zu keiner Einigung.

Ikea plant in Lichtenberg seit langem die vierte Filiale in der Region. Den Baubeginn zögerten die Schweden allerdings mehrmals hinaus. Als Grund werden explodierende Baukosten genannt. Spatenstich soll nun im Sommer 2009 sein und die Eröffnung im Frühjahr 2010. Derzeit werden Einsparmöglichkeiten geprüft: „Wir wissen noch nicht, wo wir sparen. Aber wir wollen das Haus nicht verkleinern“, sagt Sprecherin Sabine Nold. Mit 44 000 Quadratmetern Fläche und 250 Mitarbeitern würde die Ikea-Filiale zur größten in Deutschland.

„Großflächiger Möbelhandel muss sein, aber jetzt nimmt es überhand“, beklagt die Vorsitzende des Fachverbands des Möbel- und Küchenhandels in Berlin-Brandenburg, Carola Thieme-Fittkau. Es sei „klar, dass nur noch ein Verdrängungswettbewerb läuft“, der vor allem dem Mittelstand schade. „Das merken wir auch in unserem Geschäft“, sagt Thieme-Fittkau, die „Möbel Thieme“ in Steglitz betreibt. Die Kaufkraft werde geringer, und die Tendenz gehe zu den preisgünstigsten Möbeln. Die Verbandschefin würde sich eine Beschränkung des großflächigen Möbelhandels wünschen.

Dagegen meinen IHK und Handelsverband, der Wettbewerb sei gut für den Kunden. IHK-Handelsexperte Jan Pörksen urteilt zwar, der Markt sei durch die schwache Kaufkraft und den geringen Anteil von Touristen am Möbelumsatz weitgehend gesättigt, doch gebe es auch für kleine Läden noch Chancen. Das zeige etwa „der Erfolg der Geschäfte rund ums Stilwerk in der Kantstraße“.

Hauptgeschäftsführer Nils Busch-Petersen vom Handelsverband Berlin-Brandenburg findet, die Wettbewerber in der Stadt seien „gut aufgestellt und brauchen sich nicht zu fürchten“. Neue Häuser sollten aber nur an „stadtverträglichen“ Standorten entstehen, und die Randsortimente müssten begrenzt werden. Denn viele kleinere Händler sind besorgt über den großflächigen Verkauf von Blumen, Geschenkartikeln und Elektrogeräten.

Möbel Höffner will sich über Porta nicht äußern. Geschäftsführer Thomas Dankert findet es aber „richtig, wenn Möbel auf der Grünen Wiese verkauft werden“. Das senke die Verkehrsbelastung in der Stadt. Bei Möbel Hübner ist Albert Türklitz, der das Familienunternehmen in vierter Generation führt, zurzeit „sehr zufrieden“. Das modernisierte Hochhaus in der Genthiner Straße werde „gut angenommen“. Auch er glaubt aber, dass es für kleinere Händler schwieriger werde. Hübner selbst schloss vor kurzem die „Neue Wohnkultur“ am Innsbrucker Platz, weil der Standort für hochwertige Möbel nicht mehr geeignet schien. Aber auch im mittleren Preissegment gab es schon Verlierer. 2004 musste Möbel Tegeler schließen, in Neukölln und Trebbin verloren 250 Mitarbeiter ihren Job.

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