Heik Afheld trifft … : Internetpionier Robert Rothe

Sein Unternehmen heißt „Eleven“ und sitzt ganz oben im 13. Stock des Hochhauses gegenüber dem Bahnhof Zoo. Es zählt nicht zu den Elefanten der deutschen Wirtschaft, es ist eher eine flinke Gazelle.

Auf die leibhaftigen Elefanten unten im Gehege schaut man aus seinem großen nüchternen Büro herab. Aber die ganz „Großen“ ebenso wie viele Kleine zählen zu seinen Kunden, ob Siemens, SAP, Nokia, T-Online, Alba oder der Tagesspiegel. Mehr als 30 000 Kunden machen ihn mit seinem Kernprodukt „Expurgate“ zum Marktführer für Spam-Schutz im deutschsprachigen Raum, erzählt der uneitle Unternehmer mit seinem ansteckenden lauten Lachen. 97 Prozent aller E-Mails seien Spam!

Mit etwa 80 Leuten nutzen sie ein ganzes Stockwerk. Dazu unterhalten sie Vertriebsbüros in München, Hamburg und San Francisco. Der US-Markt scheint sie mit offenen Armen aufzunehmen. Aber künftige Absatzmärkte sieht er auch im Osten. Neun Schoko-Weihnachtsmänner auf dem Schreibtisch markieren die bisher neun erfolgreichen Jahre, in denen sein Unternehmen in der schnell anschwellenden Flut von E-Mails dazu beiträgt, die „guten“ von den „schlechten“ Mails zu trennen und die enormen Mengen für Firmen zu archivieren. Die Zahl der Jahre zeigt auch in etwa die Größe ihrer Umsätze an – in Millionen Euro. Der schon als Junge von den Möglichkeiten der Netzwerke faszinierte Computerfreak vergleicht mit verschmitztem, jungenhaftem Grinsen ihre Arbeit mit der Müllentsorgung und Sortierung. Deshalb sei ihre Firmenfarbe auch Orange wie die BSR.

Die Computerwelt und die Chancen, darin Geld zu verdienen, um es meist wieder in neue Geräte zu investieren, haben den „grundsätzlich renitenten“ Schüler und späteren TU-Studenten immer gereizt. Sein erstes „Venture“ mit Namen Unlises – für „unlimited surprise systems“ – entstand 1989. Unternehmen in Ost-Berlin wie etwa die Charité waren seine Kunden. Die Hardware fuhr er mit dem Fahrrad aus. Mit „Snafu“ schuf er den ersten kommerziellen Internetzugang für Private. Fünf Jahre später hatten sie im selben Gebäude wie heute ihre ersten 20 Quadratmeter gemietet und im Laufe der Zeit zigtausende Firmen als Nutzer. Mit erst 28 Jahren verkaufte der preisgekrönte Jungunternehmer seinen hochprofitablen Betrieb für „sehr viel Geld“ an die US-Firma Psinet. Warum? Ihm war die immer größere persönliche Haftung für die Wachstumsfinanzierung zu heikel. Geblieben ist er im Metier und in Berlin. Besser als hier kann es nicht sein, sagt er.

Er ist überzeugt, dass auch große Dax-Unternehmen die einzigartige Qualität der Stadt wiederentdecken und zurückkehren werden. Doch nicht alle hochfliegenden Projekte gefallen ihm: Es müsse nicht sein, dass Nutzer des geplanten Riesenrads am Zoo ihm auf den Schreibtisch gucken. Schon jetzt verlässt er das Büro gern, um mit seiner Jolle oder der Jacht, die in Mallorca liegt, zu segeln. Das ist seine zweite Leidenschaft, für die die erste die Ressourcen liefert.

Heik Afheldt war Herausgeber des

Tagesspiegels.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben