HEIK AFHELDT trifft… : Außenwerber Daniel Wall

Er sieht seinem Vater, dem Firmengründer und Patriarchen der Wall AG, sehr ähnlich. Gleiches zahnreiches, freundliches Lachen, kommunikativ und offen, so wie sein Kragen und das Signal seiner bunten Socken. Den Übergang im Vorstandsvorsitz Anfang 2007 haben sie reibungslos geschafft. Das ist nicht überall so. Aber Sohn Daniel hatte, so sagt er, schon immer ein sehr enges, „eher brüderliches“ Verhältnis zu Vater Hans.

So ist er auch mit ihm schon 1984 ohne die Mutter aus dem badischen Waldbronn nach Berlin gekommen. Da war er 17, hatte „viel Flausen im Kopf“, Spaß an Fußball, Tennis, Eishockey und Laufen, aber auch das Wirtschaftsabitur in der Tasche. Begeistert war und ist er für alles, was mit Informationstechnologie zu tun hat. Wie bei fast allen hat sein IT-Leben mit dem Commodore 64 begonnen, dann kam der Amiga und heute ist er bei Apple gelandet.

Die große Stadt Berlin – auch wenn es zunächst nur der Westteil war – war für ihn ein Schock und eine „Katastrophe“. Möglichst jedes Wochenende wollte er zu seinen Freunden nach Hause. Aber nach zwei Jahren hatte ihn der Berlin-Virus im Griff. Seitdem ist er begeistert, wohnt mit seiner Frau und drei Kindern in Frohnau und kann sich vorstellen, noch mehr ins Zentrum zu ziehen.

Berlin und die Region ist auch einer der wichtigen Märkte für das Unternehmen mit gut 150 Millionen Euro Umsatz. Stadtmöbel und Außenwerbung sind sein Geschäft – mit 653 Mitarbeitern in sechs Ländern und mehr als 50 Großstädten, in Berlin, Boston, Budapest, Düsseldorf, Istanbul und Sofia. Hergestellt werden die Anlagen in eigenen Produktionsstätten wie in Velten vor den Toren Berlins.

Und weiteres Wachstum liegt sozusagen vor der Tür, hier und vor allem in Osteuropa. Außenwerbung macht in Deutschland erst 3,7 Prozent des Werbekuchens aus. In Frankreich sind es über 10 Prozent! Noch mehr Zukunft verspricht sich der innovative IT-Freak von der Digitalisierung. Da lernen die Plakate „laufen“, wie einst die Bilder im Kino. Die Botschaften werden brandaktuell und „interaktiv“. Sie verkaufen nicht nur Waren und Dienste und Events, sondern leiten Menschen durch die urbanen Landschaften und Verkehrsadern. Und die Handys von morgen werden Teile der weltumspannenden kommunikativen Infrastruktur.

Daneben spielen neue Angebote wie die WC-Center und der Dog-Service eine relativ kleine Rolle. Aber sie sorgen für Aufmerksamkeit – ebenso wie die relativ großzügigen Spenden der Wall AG für das Gemeinwesen. Die Weihnachtsillumination auf dem Ku’damm für rund 300 000 Euro ist ein leuchtendes Beispiel. Auch die Zukunft sieht der Vollblutunternehmer leuchten. Als „Spätzünder“, wie er sagt, ist er über den Aufbau der EDV, ein Jahr in Boston, die Leitung der Fertigung in Velten, die Verantwortung für Marketing und Vertrieb nun oben angekommen. Ihm macht es viel Spaß, und damit steckt er seine Umgebung an. Auch eine Form von Außenwerbung!

Heik Afheldt war Herausgeber des Tagesspiegel

Daniel Wall (42) ist Vorstandsvorsitzender der Wall AG und der Sohn des Firmengründers Hans Wall. In dem Unternehmen hatte er bereits verschiedene Führungsposten inne.

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