Heik Afheldt trifft … : Coacherin Elke Stuhlmann

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Foto: promo

„Coaching“, das ist nicht etwa Bahnfahren, sondern ein richtiger Beruf. Coachen lassen sich heute Manager, Politiker und Filmstars, damit sie psychisch und physisch in Topform bleiben oder auch einfach Menschen, die unter großem Stress leiden. Aber wer kann da effektiv beraten – was muss ein guter Coach können? Mit mir sitzt eine überzeugte Vertreterin der Zunft im Pasternak am Wasserturm in Prenzlauer Berg beim Cappuccino. Lange rotblonde Haare, charmant, eine Frau aus dem Osten, in mittleren Jahren, bestimmt im Auftreten, mit einem besonders interessanten Wende-Lebenslauf.

Geboren ist sie vor 44 Jahren in Görlitz. Ihr Vater leitete dort ein Postamt. Obwohl sie mit ihrem jüngeren Bruder und Freunden viel „draußen in den Wäldern getobt“ hat und „total viel geschwommen ist“ – sie war mal Kreismeisterin –, war die Grenzstadt für sie beängstigend eng. Jeder kannte jeden. Der Zug ins Freie war für sie der Zug nach Berlin. Aber trotz Hauptstadtflair weiß sie heute: Die Ost-Sozialisation hat ihr nicht gebracht, was nach der Wende wichtig wurde – etwas erreichen zu wollen und dafür zu kämpfen, die richtigen Leute kennenzulernen. Das hat sie auch in der Fachschule Fernschreibetechnik in Dresden und später in Caputh als Meisterin für Nachrichtentechnik und Leiterin einer Dienststelle nicht wirklich gelernt.

Von ihrem neuen Wohnsitz Berlin aus – seit 1987 – hat sie im Fernstudium BWL an der Telekomhochschule in Leipzig studiert. Fünf Jahre später war sie Ingenieurökonomin des Nachrichtenwesens. Es folgte ein Fernstudium in Wismar an der Hochschule für Wirtschaftswissenschaften und Gestaltung. Ihr Geld und wichtige Berufserfahrungen hat sie in Zentralämtern für Nachrichtenwesen erworben. Telegramme, Beschwerden, Einträge in Telefonbücher, Marketing und Coaching für Datenbankkunden. Da war schon die Telekom ihr Arbeitgeber. Viele wurden aussortiert, nicht aber sie.

Dennoch hat die Frage sie beschäftigt: Was mache ich mit meinem Leben? Ihre Antwort: Die Arbeitszeit verkürzen, eine Trainerausbildung machen und eine eigene Website basteln. 2008 begann sie als selbstständiger Coach – mit finanzieller Absicherung durch einen namhaften Abfindungsbetrag. Das ließ sich erstaunlich gut an. Kunden kamen über die Webseite, Pressemeldungen und Empfehlungen. Bis zu 80 Euro ist ihnen eine Stunde wert.

Was macht sie sicher, gut zu sein als Coach? Führungserfahrung in Unternehmen, Menschenkenntnis, Lebenserfahrung und der Mut, etwas Neues zu machen. Mit der Krise kam jetzt allerdings auch ein Einbruch. Den spürt sie in ihrem Büro in Charlottenburg. Aber sie bleibt ansteckend optimistisch. Neue Geschäftsfelder wie Marketingberatung für KMUs versprechen Erfolge. Und sonst erfreut sie sich an ihrem großen Freundeskreis, an interessanten Reisen nach Japan oder in die USA. Wichtig ist ihr eine gute Balance zwischen Beruf und Privatleben.

Heik Afheldt war Herausgeber des Tagesspiegels.

ELKE STUHLMANN (44) ist Inhaberin der Karriere- und Führungskräfteberatung „es Change Coaching und Consulting“ in Charlottenburg. Die Diplom-Kauffrau stammt aus Görlitz.

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