Heik Afheldt trifft… : Designer Erik Spiekermann

Der Selfmade-Mann, der mit einer kleinen Druckerei begonnen hatte, wagte mit seiner neuen Firma SpiekermannPartners einen neuen Aufschlag.

Im historischen Ullsteinhaus an der Friedrichstraße – vom berühmten Architekten David Chipperfield innen saniert – sitzen sie im dritten Stock. Seine 35 kreativen Köpfe in Großraumbüros, der dynamische Chef mit dem schmalen, intelligenten Kopf und der schnellen Zunge in einem schmalen Seitenraum, Zeugen seiner langen, erfolgreichen Laufbahn als Designer an den Wänden und auf den Regalen: Ein goldener Designpreis, ein von Schwarzenegger unterzeichneter kalifornischer Ehrendoktor, Bücher und Plakate. Honorarprofessor für den Entwurf visueller Kommunikationssysteme an der HfK in Bremen ist der international renommierte „Markenmacher“, der in Berlin mal Kunstgeschichte studiert hat, seit zwölf Jahren. Als „staatlich geprüfter Autodidakt“ bezeichnet er sich.

Zu den Aufgaben, auf die er heute noch stolz ist, zählen das Redesign des englischen „Economist“, die Schriftfamilie DB Type der Deutsche Bahn und Arbeiten für Gravis, Bosch, Lufthansa und Nokia. Der Auftritt und das Gelb für die Berliner Verkehrsbetriebe stammen noch aus seiner Meta-Design-Zeit. Dieses heute wieder international erfolgreiche Design-Büro hatte er 1979, nach seiner Rückkehr aus London, gegründet. Am London College of Printing war er zuvor zehn Jahre als Dozent und hat Schriften entwickelt. Kunden waren unter anderem Linotype, Adobe und Apple.

Mit seiner englischen Frau und Mutter seines heute 40–jährigen Sohnes gründete er 1989 in Berlin den FontShop, einen Laden für Computerschriften. Die Erweiterung von MetaDesign um zwei Partner zu „MetaDesign plus“ 1989 erwies sich als wenig glücklich. Trotz mancher aufsehenerregender Erfolge etwa als weltweite Leitagentur für das Corporate Design von VW, Audi oder als Wettbewerbssieger für das Erscheinungsbild von Glasgow trennten sich die Wege 2001 in einer wirtschaftlich trostlosen Situation.

Aber der Selfmade-Mann, der als „Bundeswehr-Berliner“ nach dem Abitur am Musischen Gymnasium mit einer kleinen Druckerei begonnen hatte, wagte mit seiner neuen Firma SpiekermannPartners – und seiner zweiten Frau, Grafikerin aus Kalifornien – wieder einen neuen Aufschlag. Eigentlich sollte es eine kleine stressfreie Agentur werden. Aber die Auftraggeber verlangen eine „Vollbetreuung“ – und so entwickeln sie heute mit ihren niederländischen Partnern und Büros in Amsterdam, London und San Franzisko CI-Strategien für die Messe Frankfurt, Pioneer Investments, das ZDF oder das Philharmonische Orchester Berlin.

Er kann es nicht lassen. Zu viele reizvolle Aufgaben warten. Wie viel „benutzbarer“ etwa könnten Städte wie Berlin sein, wenn es ein vernünftiges, attraktives Fußgängerleitsystem gäbe.

2015 möchte sich Erik Spiekermann wieder der Lesbarkeitsforschung und dem Schreiben zuwenden. Er wird dann noch immer begeistert Fahrrad fahren, sein Townhouse am Auswärtigen Amt genießen und wieder Gitarre spielen.

Erik Spiekermann (61) ist Geschäftsführer von Edenspiekermann, Vorstand im Deutschen Rat für Formgebung sowie Honorarprofessor und Dr. h.c. (Center College of Design, Pasadena).

Heik Afheldt war Herausgeber des Tagesspiegels


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