HEIK AFHELDT trifft … : Designerin Stefanie Hering

Die Porzellanmanufaktur im thüringischen Reichenbach ist weltweit erfolgreich.

Im hintersten Winkel Berlins strahlt ein Juwel aus weißem Gold: Die Porzellanmanufaktur Hering, die von ihrer jungen, blondhaarigen und charmanten Namensgeberin Stefanie zusammen mit ihrem Architekten-Mann Götz Eßlingen und Wiebke Lehmann zu internationalem Erfolg geführt worden ist. Das Design des neuen Hauses, das sie 2000 draußen hinter Steinstücken gebaut haben, passt mit seiner eindrucksvoll klaren Linie, seiner stilvollen Inneneinrichtung und den selbst entworfenen Leuchten absolut harmonisch zu den schönen weißen Tellern, Tassen und Vasen, die mit dem kobaltblauen Schriftzug „h – Hering Berlin“ auf der Unterseite heute in führenden Hotels und Restaurants rund um den Globus zu finden sind.

Die Köche lieben „Hering“, ob im neuen Unterwasser-Restaurant in Dubai oder im Margaux, im Ritz Carlton oder im Facile. Entworfen werden die schönen, wertvollen Stücke – so wie auch ihre Leuchten – hier in Berlin, hergestellt in Lohnfertigung in einer alten Manufaktur mit heute wieder 50 Fachkräften im thüringischen Reichenbach. Und das wird auch so bleiben!

Begonnen hat die älteste Tochter eines lebenslangen Daimler-Mannes ihren Königsweg auf einem alten Bauernhof bei Stuttgart. Nach der mittleren Reife begann sie ihre Lehre als Keramikerin in Ludwigsburg. Das war von Anfang an ihr Traumberuf. Ihre drei Gesellenjahre hat sie genutzt, um in Irland und Dänemark den Duft der weiteren Welt zu schmecken und Englisch zu lernen. Dann kamen noch weitere drei Studienjahre an der Fachschule für Keramikgestaltung in Höhr-Grenzhausen bei Mainz. Nach so viel Provinz wollte die frisch gebrannte Meisterin in die Großstadt. Am Prenzlauer Berg startete sie – gleichzeitig mit ihrer heutigen Partnerin – ihre erste Werkstatt. 70 000 Mark brauchte sie für die Einrichtungen wie Ofen, Drehscheibe und Material. Aber das war der Bank zu risikoreich. Die Eltern mussten helfen. Ihr Ziel war, nach einem Jahr von ihrer Arbeit leben zu können. Das gelang. Erste Erfolge auf der Frankfurter „Ambiente“ mit einem Gemeinschaftsstand des Berliner Kunsthandwerks und immer mehr Industrieaufträge wie von Rosenthal brachten ihr und ihren bald vier Mitarbeitern 1999 schon einen Umsatz von circa 200 000 Mark. Heute sind es gut zwei Millionen Euro, und in zehn Jahren sollen es 12 Millionen geworden sein. Dann steht das Logo Hering für ein ganzes Sortiment „Tischkultur“ mit Services, Besteck und Gläsern.

Draußen am „Camino Real“ soll bis dahin ein attraktiver „Ort der Begehrlichkeit“ entstehen, vielleicht mit einem Top-Restaurant und einem Show-Raum. Der stilvollen Designerin mit ihrem schwäbischen Unternehmergeist ist das zuzutrauen. Genau in zwei Monaten nimmt sie die Goldmedaille und 20 000 US-Dollar an der Ceramic Biennale in Korea als Preis entgegen. Ein weltweit strahlendes Licht aus Berlin, das hier noch viel zu wenig wahrgenommen wird!

Heik Afheldt war Herausgeber des Tagesspiegels.

Stefanie Hering (42) ist Gesellschafterin und Geschäftsführerin der Porzellanmanufaktur Stefanie Hering –  Berlin GmbH. Die Keramikerin mit Meisterbrief stammt aus der Region Stuttgart.

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