HEIK AFHELDT trifft … : Dirk Kowalski, Innovator

Wie kommt ein gelernter Zahnmediziner zur „grünen Industrie“? Biss scheint der vor Unternehmergeist sprühende Mann mit korrektem grauen Anzug und dem spitzbübischen Lachen zu haben – und einen christlichen Antrieb, die Welt zu verbessern.

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Foto: promo

Sein nüchternes Büro an der Chausseestraße hinter der katholischen Akademie hat damit nichts zu tun. Wohl aber die „ethische Grundausstattung“, die er aus seinem liberalen Elternhaus in Buckow mitbekommen hat.

Für Wirtschaft hat er sich schon am Gymnasium in Steglitz interessiert und Unternehmerbiografien gelesen: Rockefeller, Stinnes oder Krupp. Mit 15 hat er seine ersten Aktien – von Schering – gekauft und die Börsen verfolgt. Mit Erfolg! Die Gewinne hat er wieder investiert. Gejobbt hat der „lebhafte Junge“ und Student als Nachtwächter im Krankenhaus – nicht um Geld zu verdienen, sondern um das Leben kennenzulernen. Sein FU-Studium bezahlten die Eltern. Zahnmedizin fand er nach seinem guten Abi irgendwie schick. Aber es bewies auch seine Ausdauer.

Mit 27 heuerte er beim jungen Berliner Think Tank Art+Com an. Neue Ideen in der Multimediawelt mit Internet, Handys und GPS wurden gesucht. Ein Anwendungsbereich war der Tourismus. Von dem Outsider kam ein brauchbarer Vorschlag. Der interessierte schließlich den Technologiekonzern Daimler. Mit einer Wildcard und der Rückendeckung durch Professor Minx kam er in deren „Labor“ nach Palo Alto. Eine spannende Zeit – und die Gelegenheit für den Zukunftsforscher, danach in Berkeley noch ein „Certificate of Corporate Finance“ zu erwerben. So gerüstet, ging es 2000 zurück nach Deutschland zur Baader Wertpapierhandelsbank in München. Bio und Life Science waren angesagt und suchten Venture Kapital – bis die Blase platzte. Da war der junge Mann Vorstand der Medicis AG.

Reiche Erfahrungen also, um in Berlin beim Büro Dr. Ebner, Dr. Stolz und Partner eine Abteilung für Gründungsberatung aufzubauen und vor zwei Jahren mit drei professionellen Partnern die Seedkontor GmbH zu gründen. Und da schließt sich der Kreis zur „grünen Industrie“. Zusammen mit Banken und weithin gut vernetzt helfen sie Ideen zum Kampf gegen den Klimawandel mit Seed-Money und Beratung „auf die Beine“!

Von der Innovation zur Investition! Zwei erfolgreiche Beispiele: Die junge Firma ReCoTech mit ihrer Standardsoftware zur Belegungsoptimierung von Gewerbeimmobilien. Oder Suncoal, die zusammen mit der BSR Verfahren zur Herstellung und Verwertung biologischer Kohle sucht. Mit dem jungen Verein Cleantec Initiative und seinem Präsidenten Professor Stock sind sie ebenfalls auf dem Weg, „aus Ideen Unternehmen zu machen“. Das ist nicht weniger schwierig, herausfordernd und befriedigend als der klassische Tanz. Deshalb engagiert sich der unentwegte Innovator wohl auch beim Verein Freunde und Förderer des Staatsballetts Berlin.

Heik Afheldt war Herausgeber des

Tagesspiegels.

Dirk Kowalski (46) ist

Geschäftsführender Gesellschafter der Seedkontor GmbH,

Geschäftsführer der „Freunde und Förderer des Staatsballetts Berlin“ und Leiter des Vereins „Tanz ist Klasse“.

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