HEIK AFHELDT trifft… : DIW-Direktor Alexander Fisher

Wie ein frischer Morgenwind weht er ins Café Einstein: Kein Windmacher, sondern ein nüchtern-sachlicher Ökonom aus Hamburg, der mit beiden Beinen fest an Deck steht und zuverlässig auf Kurs bleibt. Helmut Schmidt hätte seine Freude an ihm.

Aber seit zwei Jahren freut sich das altehrwürdige DIW, das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin, über den neuen Geschäftsführer.

Präsident Klaus Zimmermann hat ihn 2006 auf der Suche nach einem tatkräftigen Modernisierer aus den Vorschlägen der Headhunter ausgewählt. Die Gründe liegen auf der Hand: Da ist der interessante Lebenslauf des Diplom-Kaufmanns von der Alster und späteren Doktoranden und Wissenschaftlichen Mitarbeiters an der Viadrina in Frankfurt (Oder). Recht, Marketing und Psychologie waren seine Interessengebiete, das Thema seiner Doktorarbeit "Die Wettbewerbsordnung für Pay-TV in Deutschland". Aber er sagt von sich selbst, er sei eigentlich "kein Wissenschaftler, sondern eher extrovertiert". Kommunikation und "Netzwerken" lägen ihm und auch die Tätigkeit als Dozent an der Uni oder in der Berufsfortbildung.

Zum eigenen Berufsstart 2000 heuerte er bei der damals so erfolgreichen EM.TV der Haffa-Brüder als Investmentmanager in München an. Nur, deren Höhenflug war bald beendet. Gelernt hat der junge, ehrgeizige Mann mit dem sportlichen Hobby Kickboxen dort dennoch manches, das er bei seinen beiden nächsten Jobs bei Venture Capital Firmen in Frankfurt und Bad Homburg verwenden und ausbauen konnte.

"Neuberliner" wurde er 2003 mit dem Wechsel zur BVG. Seine Aufgabe dort war, für den Vorstand Einsparungspotenziale und "überflüssiges Personal" zu identifizieren, wie er offen erzählt. Diese Erfahrungen können ihm auch künftig nützen. Für das DIW mit seinen 200 festen und 100 freien, temporären Mitarbeitern und einem Jahresbudget von rund 20 Millionen Euro - davon 70 Prozent öffentliche Mittel - sieht er eher Wachstum vor. Händeringend suchen sie Ökonomen. Interessante Beratungsverträge mit der Europäischen und der Asiatischen Entwicklungsbank weisen die Richtung. Die aktuelle Krise an den Finanzmärkten verlangt nach solidem Know-how und neuen Konzepten. Genau dafür fühlt sich das DIW kompetent.

Für Neues ist der Sohn eines Schulleiters aus einem eher "linksorientierten Haushalt" auch privat aufgeschlossen. Seine Frau, eine Architektin aus Korea, hat er in der Tate Modern in London kennen und lieben gelernt. In Berlin wohnen sie am Fraenkelufer in Kreuzberg.

Seine drei Wünsche für 2009: Erstens: Mehr Bewegung und Dynamik in Deutschland und vor allem in Berlin. Zweitens: Die Führerschaft im Krisenmanagement übernehmen, "um die Kuh vom Eis zu kriegen". Drittens: Den Glauben an den Markt und damit die Freiheit der Menschen nicht gänzlich verlieren.

Heik Afheldt war Herausgeber des Tagesspiegels

Alexander Fisher (40) ist seit Ende 2006 Geschäftsführer des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) Berlin und hat als Wirtschaftswissenschaftler promoviert.

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