HEIK AFHELDT trifft … : Entrepreneur Günter Faltin

Wie passt das zusammen: Günter Faltin ist ausgewiesener FU-Professor und einer der erfolgreichsten Unternehmensgründer der letzten Jahre. Ein Besuch in Friedenau.

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Foto: promo

Am Sitz seiner Projektwerkstatt GmbH in einem verwunschenen Haus aus dem Jahr 1899 in Friedenau zeichnet ein freundlicher, quicklebendiger Herr mit grauem Schnurrbart, weißen Resthaaren und schwarzem offenem Hemd beredt seinen Lebensweg nach.

Geboren und ziemlich erwachsen geworden ist er als Einzelkind in der engen „Kleinstadt Bamberg“, evangelisch in einer sehr katholischen und bürgerlich geregelten Welt. Überall eckte man an. Lesen war seine Leidenschaft, Wirtschaft das Spannendste. Mehr als Winnetou interessierten ihn Unternehmer wie Rockefeller, Ford oder der berühmte Ökonom Schumpeter. Indianer wollte er ja nicht werden, Unternehmer schon. Mit 14 Jahren hat er seine ersten Aktien geordert, mit 16 zum Erstaunen des Bankdirektors gutes Geld mit japanischen Aktien verdient.

Mit dem Abi konnte er endlich weg. Per Autostopp ging es zum ersten Semester nach St. Gallen und dann nach Tübingen. Da lehrten und lockten große Namen wie Kloten, Ott, Eschenburg, Jens und Bloch. Über die Konsumtheorie von Milton Friedman kam er zu seinem Diplom. Das „Unternehmerische“ in der Wirtschaft faszinierte ihn. Die viele Mathematik verstellte seiner Meinung nach eher den Blick auf das Wesentliche.

Von der jungen Reform-Uni in Konstanz versprach sich der bald zum Studentensprecher gewählte Assistent viel – auch einen Doktorhut. Dann, als Dozent an der Uni Bielefeld, wurde er als Professor an die FU nach Berlin berufen, um den Arbeitsbereich Entrepreneurship aufzubauen. Das war in der damals hoch ideologiegeladenen Atmosphäre ein extrem schwieriger Start. Aus seinem ersten erfolgreichen Praxisprojekt Oekotopia – es ging um Ökowein – wurde er 1982/83 rausgemobbt. Das hat ihn schwer enttäuscht und gesundheitlich Spuren hinterlassen. Aber der bekannte Autor von „Kopf schlägt Kapital“ gab nicht auf. 1985 hat er mit einem Partner in der neuen Gesellschaft Projektwerkstadt die „Teekampagne“ begonnen.

Heute sind sie die weltgrößten Einzelimporteure von Darjeeling-Tee: 400 Tonnen im Jahr, gut neun Millionen Euro Umsatz und 15 Mitarbeiter. Es ist natürlich der beste Tee der Welt, vor allem aber ein gutes Beispiel für den Erfolg versprechenden Weg zur Gründung von Unternehmen. Es geht, so Faltin, nicht in erster Linie um irrsinnig kreative neue Ideen, sondern darum, aus vorhandenen Komponenten etwas radikal anderes zu machen. Am Beispiel Tee etwa, die Handelskette drastisch zu verkürzen, nur in größeren Chargen zu verkaufen, sich auf eine Sorte und den Versand zu beschränken. Seine Kunden zahlen so für die gleiche Qualität einen deutlich niedrigeren Preis.

Die Hoffnung des weit gereisten Junggesellen mit weiteren Projekten in der Dritten Welt: In zehn Jahren hat sich herumgesprochen, dass jeder Entrepreneur werden kann. Er selbst wird als Business Angel über manchen dieser Projekte schweben, Tee trinken und Rat geben.

Heik Afheldt war Herausgeber des Tagesspiegels.

GÜNTER FALTIN (64)

ist Diplom-Volkswirt, Professor an der FU für „Entrepreneurship Education“, Gesellschafter der Projektwerkstatt GmbH und Gründer der Stiftung Entrepreneurship.

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