HEIK AFHELDT trifft… : Flughafen-Chef Rainer Schwarz

Der Mann hat ganz offensichtlich Spaß an seinem verantwortungsvollen Job. Die leicht grauen Schläfen signalisieren Rainer Schwarz’ reiche Erfahrung im Airportgeschäft, das frische Aussehen und das jungenhafte Lachen die Tatkraft und die ungetrübte Motivation zum Erfolg. Im November 2011 soll es so weit sein und die Feiern zur Eröffnung des neuen „Single-Airports“ Berlin Brandenburg International (BBI) steigen. Für viele eher gerne „meckernde“ Berliner, wie Rainer Schwarz bemerkt, eine immer noch gewagte Prognose.

Aber der gelernte Betriebswirt Schwarz hat schon bewiesen, dass auch große und umstrittene Projekte mit geschicktem Management gelingen können. In Nürnberg hat er in nur einem Jahr nicht nur ein nagelneues Terminal gebaut, sondern auch die lauten DHL- Frachtflieger als Hauptnutzer durch den Hub für Air Berlin ersetzt. Beide sind auf einen 24-Stunden-Betrieb angewiesen. Als Chef in Düsseldorf dann ging es ebenfalls um ein neues Terminal, aber mit zehnfacher Kapazität und einer in Deutschland einmaligen Public-Privat- Partnership. 25 Millionen Euro zusätzliche Finanzierungskosten mussten verdient werden – und das just nach dem 11. September 2001, als es plötzlich ein Fünftel weniger Passagiere waren. Aber der Name des Mannes, der lange Zeit auch als Wirtschaftsprüfer tätig war, ist offensichtlich auch sein Programm: Schwarz müssen die Zahlen sein, nicht die Zukunft.

Und so freut er sich auch über die guten Zahlen für das Berliner „Flughafensystem“, das nun mit über 20 Millionen Passagieren im letzten Jahr den dritten Platz in Deutschland errungen hat nach Frankfurt und München. Ein erneutes Plus von gut 8 Prozent. Wenn das so weiterginge, wäre die für Ende 2011 angepeilte Obergrenze von 22 bis 25 Millionen Fluggästen dann vielleicht schon überschritten. Aber das schreckt den optimistischen Rheinländer aus Essen nicht. Das entscheidende Start- und Landesystem des BBI sei für 40 Millionen Passagiere ausgelegt, und alles andere könne „modular“ und nach Bedarf an- und ausgebaut werden.

München – dort war sein erster Job als Flughafenmanager – ist für ihn ein besonders gelungenes Vorbild. Die dort damals von den Gerichten als unrealistisch hoch beurteilten Prognosen sind heute alle längst weit übertroffen. Und die Proteste gegen eine Stilllegung des alten stadtnahen Airports Riem waren so leise, weil rechtzeitig ein überzeugendes Nachnutzungskonzept vorlag: Der neue Messestandort. Das, meint Rainer Schwarz, fehlt leider heute für Tempelhof – und morgen für Tegel.

Die Berliner Luft tut diesem „öffentlichen Unternehmer“ gut und er dem Berliner Luftraum. Bisher haben die „Kopfjäger“ jeweils nach fünf Jahren seine Karteikarte wieder gezogen und ihn weiterempfohlen. Seine Frau und seine beiden Söhne sind das schon gewohnt. Aber ihr Haus in Potsdam gefällt ihnen allen sehr. Vielleicht hält es den alten FU-Studenten ja diesmal etwas länger. In Berlin gibt es noch so manches neu zu initiieren – und auch stillzulegen.

Heik Afheldt war Herausgeber des Tagesspiegels.

Rainer Schwarz

(51) ist Sprecher der Geschäftsführung der Berliner Flughäfen. Der Betriebswirtschaftler promovierte in Bayreuth. Er ist Mannschaftssportler und Tennisspieler.

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