Heik Afheldt trifft … : Geschäftsführer Ludwig v. Reiche

Ludwig von Reiche (56) ist Geschäftsführer der mental images GmbH in Charlottenburg (www.mentalimages.com) und Diplomvolkswirt. Er stammt aus Berlin.

Noch so ein hoch innovatives Unternehmen in der Stadt, von dem kaum jemand etwas weiß, dessen Lösungen für bildgebende Verfahren aber weltweit genutzt werden. „mental images“ heißt es. Die gut 70 Mitarbeiter in Berlin sitzen auf sechs Etagen des Kant-Hochhauses an der Fasanenstraße. Der Mann, der dort seit März 2002 die operative Verantwortung trägt, hat einen eindrucksvollen Werdegang.

Geboren wurde er in eine „behütete Berliner Wannsee-Familie“ als Ältester von drei Kindern. Die Mutter war Krankenschwester, der Vater Maschinenbau-Ingenieur an der TU. Tragisch war dessen Tod bei einem Lawinenunglück. Da war der Sohn zehn Jahre alt. Unvergessen ist für ihn sein Austauschjahr in Colorado mit 17. Politisch interessiert war er immer. Deswegen war sein Studium der Politischen Wissenschaften in Freiburg, Genf und Hamburg nur folgerichtig. Das Geld dazu hat er sich als Reiseleiter für US-Touristen in Europa und Afrika verdient. Im Winter arbeitete er als Hilfsskilehrer und Tourenleiter. Schon als Schüler jobbte er als Caddy im nahen Golfclub Wannsee.

Sein Interesse im Studium galt vor allem den Entwicklungsländern. So ging er nach dem Diplom und dem Postgraduiertenkolleg ans Deutsche Institut für Entwicklungspolitik in Berlin und Anfang der 80er Jahre für zwei Jahre zum United Nations Development Programm (UNDP) nach New York. Seine Schwerpunkte waren Asien und Nordafrika. Mit reichen Erfahrungen kam er als Direktor zur Deutschen Stiftung für Entwicklungspolitik nach Berlin zurück. Mit 33 folgte der Schwenk zu IBM. 13 spannende und extrem lehrreiche Jahre hat er dort in leitenden Positionen verbracht, bis ihn ein Headhunter Ende 1999 als CEO zu der viel kleineren Software-Schmiede synfis AG holte.

Seit acht Jahren steht er nun als COO mit an der Spitze der Firma, die ihre Patente auf dem Gebiet der „Software für Visualisierung“ an die weltweit führenden CAD-Firmen liefert. Ein riesiger Markt mit rasanten Entwicklungssprüngen! China wird ein zunehmend wichtiger „Spieler“ und viele Innovationen kommen tatsächlich aus dem „Spielebereich“. Beispiele zeigt mir Reiche auf seinem neuen iPad. „Ultraeinfacher Umgang“ mit Programmen sei die Devise für morgen.

Berlin findet er einen hervorragenden Standort, um Mitarbeiter aus der FU oder dem Hasso-Plattner-Institut und aus dem Ausland zu gewinnen, aber als Markt sei Deutschland eher unbedeutend. Für junge Ventures wünscht sich der erfahrene Unternehmer einfachere und wirksamere Förderprogramme. Auch um die Zivilgesellschaft hat sich der bedachtsame, hochgewachsene Manager immer gekümmert, als Gründer der deutschen Transparency International oder als Chairman der amerikanischen Handelskammer in Berlin-Brandenburg. Mit seiner Frau lebt er weiterhin in Wannsee, ihre drei Kinder haben das Nest schon verlassen. Golf, Skifahren und Joggen halten ihn fit für die Zukunft.

Heik Afheldt war Herausgeber des Tagesspiegels.

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