Heik Afheldt trifft … : "Heikonaut" S. Schuhmann

"Heikonaut", das klingt wie eine Raumstation. Abgehoben haben die mutigen Gründer zwar schon, aber tatsächlich steht der Name für ein beispielgebendes Unterfangen, aus einer aufgelassenen maroden Kinderkrippe ein gemeinsames Treibhaus für junge Kreative zu machen.

Heute kommen interessierte Stadtentwickler und Wirtschaftsförderer von weit her, um dieses Vorzeigeobjekt zu studieren. Was findet man dort unter einem Dach? Produkt- und Kommunikationsdesigner, Fotografen, Maler, die Werkstatt des schon international gefeierten Modelabels c-neeon, eine gemeinsame Modellwerkstatt und eine fast kitschig schöne Besprechungsecke – und die drei Initiatoren der ganzen Unternehmung unter der Marke „anschlaege.de“, die Grafikdesigner Steffen Schuhmann, Christian Lagé und Axel Watzke. Elf verschiedene Parteien nutzen die 750 Quadratmeter – darunter Teams mit so schönen Namen wie „It’s raining elephants“ oder „The green Eyl“.

Bei vielen Projekten hilft das Know-how von nebenan, Axel Kohout fotografiert für c-neeon, anschlaege.de konzipieren deren Ausstellungen. Gemietet haben die drei die Liegenschaft vom Bezirk Lichtenberg. Gerne wären sie demnächst Eigentümer. Ihr „Geschäft“ mit heute schon sieben Köpfen läuft richtig gut. Sie sind gefragt, wenn es um kreative Konzepte geht und geschätzt für ihre professionelle Zuverlässigkeit. Für die Kulturhauptstadt Ruhr 2010 organisieren sie unter dem Namen „pottfiction“ ein „Sommercamp für Großstadtrebellen“, für den Bundesbauminister haben sie das „oderübergreifende“ polnisch-deutsche Projekt „Grenze – welche Grenze?“ konzipiert, organisiert und in einer wunderschön gestalteten Schrift dokumentiert. Als ihren ersten großen Erfolg empfindet Steffen Schuhmann das Projekt, das sie noch als Studenten 2002 in zwei leeren Punkthochhäusern in Hellersdorf mit 50 Studenten aus der halben Welt organisiert hatten. Neue Nutzungsmuster alter Gehäuse wollten sie ausprobieren und demonstrieren.

Das innovative Triumvirat mit dem freundlichen und unprätentiösen Steffen Schuhmann denkt und arbeitet nun schon seit fast zehn Jahren zusammen. Er wurde vor 32 Jahren in Frankfurt an der Oder geboren und hat in Thüringen 1997 sein Abitur gemacht. Sein Vater war Diplomingenieur, die Mutter Erzieherin. Großes Interesse hatte der Sohn für Architektur, Fotografie und Zeichnen. Nach dem Zivildienst ging es zur Kunsthochschule Weißensee. Die Schule hat er wie eine „Wundertüte“ und einige der Lehrer als ein „Geschenk“ wahrgenommen – und lange 13 Semester Grafikdesign studiert. Dort haben die drei sich kennen- und schätzengelernt und gemeinsam ihre Diplomarbeit gemacht.

Was wünscht er sich für die Zukunft? Sie würden zu gerne einmal fünf Jahre die Museumsinsel in Berlin betreuen. Welch ein wunderbarer Anschlag auf das Kultur-Establishment!

Heik Afheldt war Herausgeber desTagesspiegels.

Steffen Schuhmann (31) ist Grafikdesigner, Partner der GbR „anschlaege.de“ und Mitbetreiber des Kreativzentrums „Heikonaut“ in Lichtenberg. Er stammt aus Frankfurt an der Oder.

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