HEIK AFHELDT trifft… : Hightech-Gründer Frank Pelzer

Einer der zahlreichen „Hidden Champions“ in Berlin, versteckt auf 2000 Quadratmetern im verwinkelten Bouché-Zentrum in Alt-Treptow. Nach nur wenigen Jahren schon Weltmarktführer auf dem Gebiet der angewandten Nanotechnologie. Insgesamt 80 höchst qualifizierte Wissenschaftler aus den USA, Asien, England und Deutschland und ein Umsatz mit den Super-Mikroskopen von fast zehn Millionen Euro. Frank Pelzer ist einer der vier Gründer.

Sie kannten sich schon aus der Schule in Templin, hatten dieselben Lehrer wie Angela Merkel, aber nicht dieselben Noten. Die war immer die Beste. Heute betrachtet der Fünfte von sechs Brüdern seine Jugend in der DDR und den Mauerfall als ein großes Glück. Die Vorteile der alten DDR – Förderung als Leichtathlet, gute Gesundheitsleistungen – hat er noch nutzen können und danach die große Herausforderung und Freiheit des Westens.

Den Westen hat der hoch gewachsene junge Unternehmer mit dem blanken Kopf – ein wenig erinnert er an einen liebenswerten Meister Proper – und der unprätentiösen Kleidung intensiv mit Rucksack erkundet. Mit 4000 D-Mark in der Tasche ging es nach dem Abitur per Anhalter „rund um ganz Nordamerika“. „Auf einem hohen Zufriedenheitslevel“ kam er glücklich und mit dem Gefühl nach Berlin zurück: „Ich kann alles erreichen.“ Bei ihm sollte es Betriebswirtschaft an der HU werden.

Aber die vier aus der gemeinsamen kleinen Wohnung – 34 Quadratmeter, Kachelofen und Hund – am Prenzlauer Berg hatten noch mehr Drang zu einem eigenen anspruchsvollen Unternehmen. Hinter JPK stecken ihre Namen. Der sorgfältige Businessplan – heute eine Punktlandung! – und die Bemühungen um 2,5 Millionen Euro Startkapital haben ganze zwei Jahre gebraucht.

2002 war es so weit. Und heute bauen sie die besten Mikroskope der Welt. Mit ihnen lässt sich verfolgen, wie Viren in eine Zelle eindringen und was danach passiert. Sie können „fehlgefaltete“ Proteine aufspüren, die für Alzheimer verantwortlich sind. Ein viel versprechender Wachstumspfad liegt vor ihnen. In fünf Jahren wollen sie ihren Umsatz verfünffacht haben, in den USA und Singapur eigene neue Vertriebskanäle aufgebaut und ihr Sortiment um neue Produkte für die Industrie erweitert haben. Vielleicht gibt es dann auch ein eigenes neues Gebäude im Osten Berlins.

Hier wollen sie jedenfalls bleiben, obwohl sie mit ihrer Firmen-Tochter in Dresden erfahren haben, wie viel schneller und unbürokratischer dort alles läuft.

Eine leibliche Tochter ergänzt die kleine Familie in wenigen Wochen. Sie wohnen gleich um die Ecke in der Baumschulenstraße – ohne TV und Auto. Sein Traum, wenn die Kasse mal richtig brummt, ist noch mehr Skifahren und Segeln und eine Querung der Antarktis mit dem Schlitten. Ihr Sohn heißt übrigens Nanuk, „der große Mann aus dem Norden“.

Heik Afheldt war Herausgeber des Tagesspiegel

Frank Pelzer (35) ist Vorstandsvorsitzender und Miteigentümer des in Treptow ansässigen Nanotechnik-

Spezialisten JPK

Instruments AG. Der Diplom-Betriebswirt stammt aus Templin.

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