HEIK AFHELDT trifft… : Hotel-Chef Stephan Interthal

Eben noch hat er beim großen Golf-Turnier der Messe Berlin den Ball mit einem Schlag so nahe an die Fahne gesetzt wie kein anderer, nun sitzt er an einem sonnigen Samstag wieder seriös „in Schale“ im weltberühmten Foyer seines schönen Hauses und erzählt entspannt von seinem Werdegang. Abends wartet noch ein Smoking-Event auf ihn, die Sporthilfe-Gala. Dienst ist eigentlich immer. Praktisch, dass er und seine Frau ihre Wohnung gleich auf der Rückseite des Adlon in der Residence haben. Und verständlich, wenn sie noch eine etwas ländlichere und ungestörte Alternative draußen in Seddin genießen.

Als Herr über das berühmteste deutsche Luxushotel amtet der eingefleischte Hotelmann und Gastronom seit 2006. Schon mit 15 wusste er genau, was er einmal werden wollte. Im Restaurant seines Onkels bei Hannover hatte der Internatsschüler bei Faschings- und Silvesterbällen geholfen. Nach dem Abitur und zwölf Monaten beim Bund fing er im Interconti in Hamburg an. Dort erwarb er sein Diplom als Koch und Hotelfachmann an der „Hotel Trade School“. Und dann ging es steil bergauf in Deutschland und Chicago, gleichzeitig mit Managementkursen, etwa in Marketing und Finanzen an der Cornell University in den USA. Ab 1989 diente er im damals größten deutschen Business- und Kongresshotel, dem Sheraton in Frankfurt am Airport. Zuletzt war er der Resident-Manager. Ab Herbst 1993 wurde er Mitglied der obersten Führung bei Kempinski. Zuerst galt es, das neue Airport-Hotel in München zu eröffnen, dann folgte die Leitung des Kempinski in Budapest und ab 2004 das „Vier Jahreszeiten“ in München. Nun steht er beim traditionsreichen Adlon an der Spitze, nach einer Erhebung Platz 9 der bekanntesten deutschen Marken.

Das Haus hat 382 Zimmer, zwei Ballsäle und zwölf Salons, wird von 400 guten und fleißigen Geistern – davon 60 Azubis – bekocht und bedient und setzt knapp 40 Millionen Euro im Jahr um. Übernachten kann man für 320 oder 12 500 Euro. Kaum ein VIP-Name, der nicht auf der Gästeliste steht. Dennoch wünscht sich der gepflegte Herr mit dem schmalen Kopf, Brille, – heute – roter Krawatte und farbigem Einstecktuch in Berlin eine lebendige, reiche Corporate-Business-Kultur mit einigen Dax-Unternehmen. Damit ließen sich die Auslastung und Zimmerpreise noch steigern. Dennoch sei Berlin eine „Hip-City“, auch wenn manchmal „alles etwas sehr, sehr lange daure“. Aber der Regierende Bürgermeister repräsentiere die Stadt mit viel Einfühlungsvermögen exzellent. Wenn so ein Mann das sagt!

Heik Afheldt war Herausgeber des Tagesspiegels

Stephan Interthal (50), geboren in Wetzlar, ist seit Oktober 2006 Geschäftsführender Direktor des Hotel Adlon Kempinski und Regional Director Deutschland der Kempinski AG

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