HEIK AFHELDT trifft … : Hoteldirektorin Tina Palmowski

Tina Palmowski ist Direktorin des Ellington Hotels will lieber Trends setzen als ihnen zu folgen.

Mit seinem klaren Design besticht den Gast das Interieur des historischen Baus und edlen Hotels in der Nürnberger Straße – und mit der auffallenden Liebenswürdigkeit des Personals. Liebenswürdig und ausnehmend wohl anzusehen kommt auch die weiß gewandete junge Direktorin des Ellington Hotels auf mich zu, blondbraune Haare, tiefbraune Augen, volle Lippen über einem energischen Kinn.

Vor 41 Jahren in Köpenick geboren als Tochter eines Physikers und einer Ökonomin, durfte die früher schüchterne, aber gute und sehr musikalische Schülerin das Ost-Abitur nur mit dem Berufsziel Musiklehrerin machen. Sie spielte Mandoline im Zupforchester Berlin-Köpenick. Aber während des Abiturs hat sie sich anders entschieden. Neue Richtung: Betriebswirtin. Nur an der Handelshochschule in Leipzig bekam sie keinen Studienplatz. Mit ihren besorgten Eltern suchte sie fieberhaft nach einer Alternative – und fand sie in der Gastronomie. Nach einem Jahr in den HO-Gaststätten war sie fertiger „Restaurant-Fachmann“, vulgo Kellnerin. Das reichte der ehrgeizigen Akademikertochter natürlich nicht. Also ging es im Wendejahr in die Hotelfachschule-Ost in der Friedrichstraße. Die wurde zum Glück mit der West-Berliner Hotelfachschule „vereinigt“, und so ward aus der Absolventin die gesamtdeutsche staatlich geprüfte Restaurantfachfrau und Betriebswirtin. Als junges Mädchen hatte sie von drei Berufen geträumt: Zahnärztin, Musikerin oder Hoteldirektorin. Und als die sitzt sie jetzt mir gegenüber. Stolz auf das schöne große Haus mit seiner bedeutenden „musikalischen Vergangenheit“ – Louis Armstrong und Duke Ellington haben hier in der „Badewanne“ gespielt – und den 285 Zimmern. Zufrieden mit einer guten Auslastung von 67 Prozent im letzten Jahr ist sie und voller neuer Ideen zur weiteren Profilierung des Hauses als Location für Veranstaltungen und für die Umgestaltung der Nürnberger Straße.

Wenn da nur die Bürokratie nicht so ärgerlich hemmend wäre! „Trends setzen, nicht Trends folgen“, das ist die Devise der passionierten Direktorin. Wichtige Erfahrungen haben ihr sieben Jahre im Estrel in Neukölln gebracht. Dort war sie zuletzt Director Convention & Event. Unvergessen die Riesenveranstaltung zur „Hochzeit von BP und Aral“ mit vier Mal 1000 Gästen über zwei Wochen.

Wenn sie drei Wünsche für die Zukunft frei hätte, frage ich? Sie würde gerne mit den anderen Anrainern die Nürnberger Straße verschönern, Bäume pflanzen und in die Umgestaltung investieren, das benachbarte KaDeWe und die Theater am Ku’damm sollen unbedingt bestehen bleiben, und drittens sorgt sie sich um die zu schnell wachsende Zahl zusätzlicher Vier- und Fünf-Sterne-Betten in Berlin. Privat zieht sie übrigens – schon gegen den Trend? – gerade vom Potsdamer an den Kollwitzplatz.

Heik Afheldt war Herausgeber des

Tagesspiegels.

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