HEIK AFHELDT trifft … : Jobexpertin Margit Haupt-Koopmann

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Foto: promo

Das große Haus an der Friedrichstraße, unverkennbar aus den 30er Jahren, war damals für die Organisation Todt bestimmt. Heute verraten eine besonders schöne Weihnachtstanne im Eingang und ein großes, einladend sonniges, weiß-blau gemaltes „Küstenstück“ mit Leuchtturm im geräumigen Chefzimmer, dass eine Frau von der Ostsee an der Spitze dieser bedeutenden Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit wirkt. Die lebensfrohe Juristin mit den lachenden braunen Augen unter kräftigen Augenbrauen in ihrem schicken schwarzen Kostüm erklärt, wie sie nach ihrem zweiten juristischen Staatsexamen aus vier attraktiven Jobangeboten den höheren Dienst bei der Bundesagentur gewählt hat. Dazu war nach einem monatelangen Auswahlverfahren zuletzt auch noch das O.K. des obersten Chefs Jagoda in Nürnberg erforderlich.

Warum? Wirtschafts- und Sozialpolitik hatten sie schon immer interessiert, es winkte die sofortige „Verbeamtung“ und man konnte sich überall hin versetzten lassen, wenn die Karriere des Partners das nahelegen würde. Außerdem spukte in ihrem Kopf schon früh die Idee, einmal Agenturchefin zu werden. Das hat sie mit der Weitsicht, der Zielstrebigkeit und der Disziplin, die sie an ihrem Vater so sehr bewundert hat, erreicht. Vielleicht hat auch geholfen, dass sie in der ersten Mädchenklasse an einem bis dahin streng „männlichen altsprachlichen Gymnasium“ in Flensburg war und dort gelernt hat, sich durchzusetzen. Mit ihrer Theatertruppe waren sie sogar Landessieger. Camus Pest war eines ihrer Stücke. Sie erinnert sich auch heute noch an ihre Referendarstation bei der Finanzbehörde. Steuerfahndung hätte sie interessiert, aber es hieß, „Frauen hätte man da noch nie mitgenommen“.

Die Stationen zu ihrer heutigen Aufgabe in Berlin waren das Landesarbeitsamt in Hamburg, die Leitung der Agentur in Elmshorn, eine „Aushilfe“ 1994 in Ostberlin mit den riesigen Problemen und drei Jahre als Vizepräsidentin in Stuttgart. Dort hat sie viel über die Probleme der KMUs und den oftmals akuten Fachkräftemangel gelernt. 2003 kam der Ruf in die Geschäftsführung nach Berlin. 2007 wurde sie die Vorsitzende. Keine der zehn Regionaldirektionen findet sie so interessant wie diese. Insgesamt beschäftigen sie hier 11 500 Mitarbeiter. Für die arbeitsmarktpolitischen Programme geben sie in diesem Jahr über eine Milliarde Euro aus. Einen Königsweg zur Verringerung der Arbeitslosigkeit sieht sie nicht, aber sie findet, dass mit der Integration der Sozialhilfe in die Arbeitsmarktpolitik ein enorm wichtiger Schritt gemacht wurde, um den Sozialhilfeempfängern wieder eine Chance auf einen Job zu verschaffen.

Privat bietet Berlin ihr unvergleichliche Chancen für ihre Leidenschaft für Oper und Kabarett. Fit hält sie sich auf dem Heimtrainer, der in ihrer Wohnung in der Charlottenstraße steht, und mit Reisen vor allem nach Norditalien – wenn möglich ans Wasser.

Heik Afheldt war Herausgeber des

Tagesspiegels.

Margit Haupt-

Koopmann (52) ist Vorsitzende der Geschäftsführung in der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit. Die Juristin stammt aus Flensburg.

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