HEIK AFHELDT trifft … : Kulturmacher Moritz v. Dülmen

Ein starkes Logo, ein tolles Büro und ein Mann, der mit Stolz auf ein weltweit aufsehenerregendes Event zurückblicken kann: das große Fest zum Mauerfalljubiläum.

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Moritz v. Dülmen. -Foto: promo/Bernhard Kahrmann

Moritz van Dülmen, der schlanke Mann mit dunkler Brille auf den großen Ohren, offenem Hemd und schwarzem T-Shirt sitzt oben im Büro unterm Dach des Podewil auf dem Sprung nach Argentinien. Auch dort wollen sie einige hundert Meter nachgebauter Mauersteine zu Fall bringen. Die Idee hat offenbar rund um die Erde gefallen. Und darüber ist der Initiator und Projektleiter froh. Schon als Junge, bekennt er, war er als Autogrammjäger auf der Prominentensuche. James Stewart erwischte er in L.A. vor dessen Haus. Diesmal sind die Prominenten zu ihm gekommen. Autogramme sammelt er nur noch für seine zweijährigen Zwillinge, etwa eine IPhone-Videobotschaft von Udo Lindenberg.

Er selber hatte auch einen berühmten Vater, Professor für Neuere Geschichte. Mit ihm zog die Familie – mit seinen zwei Geschwistern – aus Oberbayern nach Saarbrücken, als er zwölf war. Nach dem Abi hat er dort VWL und BWL studiert. Engagiert war der Junge aus linksliberalem Elternhaus schon früh. Die Schülerzeitung hat er gemacht, Zeitungen ausgetragen, am Theater als Statist gespielt, Handyverträge verkauft und als Reiseleiter in Tunesien, Thailand oder Mexiko gejobbt. Und mit seinem R4 und Rucksack war er viel in Europa unterwegs. Das Studium empfand er als Qual. Aber mit einer Arbeit über das „optimale Währungsgebiet“ schloss er gut ab. Vor dem Bund bewahrte ihn „das Glück der Untauglichkeit“.

Sein erster Job brachte ihn zu Peter Baumgart ans Augsburger Theater. Verkaufsförderung war seine Aufgabe, damals noch eine Pioniertat und für ihn der Start als Kulturmanager. Der nächste Schritt führte ins quirlige Berlin. Ein halbes Jahr lang hat er „nur gewohnt“ – in Prenzlauer Berg. Dann ging es mit der Agentur „Artemedia“ an aufregende Projekte wie die Autostadt Wolfsburg als „virtuelle Realität“. Als Mitverantwortlicher für Budget und Programm des Deutschen Pavillons bei der Weltausstellung in Hannover 2000 gewann er ein weit verzweigtes, noch heute intaktes Netzwerk. Danach managte er die Projekte „Europa-Garten“ und „Sommer 2003“ in Frankfurt/Oder und für Potsdam die Bewerbung als Kulturhauptstadt 2010.

Nun dient er seit 2006 dem Berliner Senat und der landeseigenen Tochter „Kulturprojekte Berlin“ als Geschäftsführer. Mit 50 festen, meist gleich viel freien Mitarbeitern und einem Etat von etwa drei Millionen Euro aus der Lottostiftung drehen sie ein weithin leuchtendes und weit größeres Rad. Gut zehn Millionen Euro Drittmittel kommen jährlich dazu. Allein die glänzende Mauerfallfeier hat fünf Millionen Euro gekostet. Bei zwei Millionen Gästen errechnet sich eine beachtliche „Umwegrentabilität“! Das gilt sicherlich auch für die Langen Nächte der Museen oder der Theater und das „Wissenschaftsjahr 2010“.

Heik Afheldt war Herausgeber des Tagesspiegels.

Moritz van Dülmen (38) ist Geschäftsführer der Berliner Kulturprojekte GmbH. Die gemeinnützige Landesgesellschaft organisierte die Feierlichkeiten zum 20. Jubiläum des Mauerfalls.

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