HEIK AFHELDT trifft… : Kundenschneider Andreas Rohé

Der ehemalige Herausgeber des Tagesspiegel unterhält sich mit Andreas Rohé, dem Geschäftsführer der Traders ateliers & fabrics GmbH. Der "bewegte Mann" ist in seine Wunschstadt Berlin zurückgekehrt.

„Ein bewegter Mann mit neuen Kleidern“, so kann man den elegant angezogenen Spross einer alten Tuchhändlerfamilie kennzeichnen. Gut durchblutet, mit lockiger Haarpracht und einem großen Haupt auf seinem 1,86 Meter hohen „Body“. Vermutlich hätte er in seinem 3D-Body-Scanner, der Kunden vermisst, Idealmaße. Im ersten Stock begrüßt er den Besucher in einem ausnehmend schönen Jugendstilhaus auf 220 Quadratmetern: ein nobles Atelier mit hohen Regalen, exquisiten „Zwirnen“ und Dutzenden von Mustern für Hemden, Futterstoffe oder Knöpfe. Seine Idee: Jeder soll die Details seiner Kleidung selbst bestimmen.

Gute Stoffe haben den unruhigen Mann schon früh begleitet. Von Düsseldorf, Sitz des väterlichen Tuch-Großhandels, durfte er als Junge mit zu Geschäftsfreunden nach England und Irland. Weil es ihm in den Ferien auf dem Shannon langweilig wurde, hat er dort mit elf Jahren Golf begonnen. Elf ist auch sein Handicap. Zudem hat er erste Stoffe entworfen, viel klassische und zeitgenössische Musik gehört und 1974 sein Abitur gemacht. Reisen nach Berlin begeisterten ihn so, dass er an der TU BWL studieren wollte.

Aber die pulsierende Stadt und sein Projekt „SO 36“ in Kreuzberg haben ihm wenig Zeit gelassen. SO 36 hieß der Zustellbezirk, sein Freund und unternehmerischer Partner Achim war bei der Post. Das Gebäude, ehemals Kino und Penny-Markt, wurde ein Szenelokal, in dem die angesagtesten Bands spielten und später, als sein Schulfreund Martin Kippenberger, „Kippi“, mit frisch geerbtem Geld mit eingestiegen war, ein bekannter Szene-Kunst-Treff. Wirtschaftlich ging es auf- und noch kräftiger abwärts. Vor allem, nachdem eine Band aus Ohio an der Grenze in Helmstedt festgehalten wurde. Die für drei Konzerte vorverkauften Karten mussten zurückgenommen werden. Aber es ging weiter, bis er beschloss, er müsse sein Leben ändern. Er verkaufte seine Anteile und schloss das Kapitel „herrlich nervöses Berlin“ ab.

In Köln klappte es mit dem Abschluss als Diplom-Kaufmann. Danach wurde er im elterlichen Geschäft zuständig für den Vertrieb, vor allem schottischer Pullover unter der Marke Peter Scott. Viele Reisen und ein Umsatz von 100 Millionen D-Mark waren das Resultat. Dann folgte auf Anraten seines Vaters eine längere „Golfrunde“, mit Golfbekleidung, dem Ausbau eines Golfclubs in Herford und nach dem frühen Tod des Vaters 1986 – der ihn „sehr einsam“ zurückließ – der Aufbau der Ladenkette Golf Discount mit einem Freund von Buchholz aus.

Was war dann in seinem bewegten Leben? Beratungsaufträge, Entwicklung von innovativen Skibindungen, Teilhaber an einem Software-Verlag. Jetzt ist der bewegte Mann in seine Wunschstadt Berlin zurückgekehrt und spielt mit neuem Elan und Risiko. Noch wohnt die Familie mit ihren zwei Söhnen „nahe der Wälder“ in Buchholz, aber demnächst wird man ihre Adresse irgendwo links oder rechts vom Ku’damm finden.

Heik Afheldt war Herausgeber des Tagesspiegel.

Andreas Rohé (52) ist Geschäftsführer der Traders ateliers & fabrics GmbH & Co. KG in der Charlottenburger Fasanenstraße 12. Der Diplom-Kaufmann stammt aus Düsseldorf.


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