HEIK AFHELDT trifft … : Matthias Kreplien, Property Manager

Das erzählt mir Matthias Kreplien auf der luftigen Terrasse vor seinen gläsernen Büros im Dachgeschoss an der Reinhardtstraße mit fulminantem Blick auf Bundestag und Kanzleramt: Etwa 40 Millionen Wohnungen gebe es in Deutschland, die Hälfte in Händen ihrer Eigentümer oder großer Wohnungsbaugesellschaften. Die anderen 20 Millionen müssten auch irgendwie verwaltet werden. Mieter müssen geworben, Mieten eingezogen, Betriebskosten abgerechnet und Häuser instandgehalten werden. Ein riesiges Potenzial für durchrationalisierte Prozesse und ein fast unermesslicher Markt. Bei monatlichen Kosten von 15 bis 20 Euro pro Wohnung und einem Marktanteil von fünf Prozent wäre das schon ein Umsatz von gut 200 Millionen im Jahr! Den wollen sie mit der ihrer centerra AG erreichen und Marktführer werden.

Der elegant gekleidete Herr mit grau meliertem Haar und überzeugender, angenehmer Ausstrahlung hat schon einmal bewiesen, dass sich mit durchdachten, standardisierten und innovativen Lösungen Vermögen machen lassen. Das war vor 23 Jahren, als er mit dem späteren Fast-Wirtschaftsminister Jost Stollmann Compunet gegründet und „aus der Garage“ zu einem Umsatz von zwei Milliarden Mark gebracht hat. Nach dem Verkauf an General Electric für einen hohen dreistelligen Millionenbetrag hat der Konzern „mit fünf Hierarchiestufen über einem“ ihn nicht mehr lange gehalten. So hat er seinen Abschied genommen, um etwas ganz Neues zu starten.

Mehr als zwei Jahre haben sie in ihrem „Labor“ in Kreuzberg – übrigens die ehemalige Wohnung von Esther Schweins – über einem Geschäftsmodell gebrütet, 2004 wurde die centerra geboren. 40 Prozent gehören den Gründern und operativen Mitarbeitern, 23 Prozent der IBB und 37 Prozent Herren aus der Immobilienbranche. Unter den 120 Mitarbeitern sind Immobilien- und IT-Spezialisten und 20 Azubis. Der Umsatz von einer Million Euro in 2008 soll in diesem Jahr auf drei Millionen steigen. Für 2010 sieht der Businessplan schwarze Zahlen vor. Die Krise findet nicht statt, im Gegenteil. Für „Heuschrecken“ waren Verwaltung und Mieter unwichtig. Das hat sich für die Eigentümer und Banken nachhaltig verändert.

Kreplien setzt auf „brutale Transparenz“ mit digitalem Doku-Management, ein Echtzeit-Berichtswesen zur Instandhaltung, die Reduktion von Leerständen mit einer eigenen Vermietungstochter und das „Denken in Vorgängen“. Den Anteil an Gewerbeimmobilien peilen er und seine vier Vorstandskollegen mit 20 bis 30 Prozent an. Sie alle investieren nicht nur Geld, sondern ihre ganze Begeisterung und Zeit. Privat bleibt für den Elektroingenieur wenig Zeit. Einmal im Jahr machen sie – seine Frau hat eine Ehe- und Familienberatung in Wilmersdorf und die Tochter fliegt mit Air Berlin – eine Fahrradtour nach Usedom oder in die Lausitz. Ansonsten signalisiert ein Smart vor dem Haus in Lichterfelde die angemessene Bescheidenheit in der „Aufbauphase“.

Heik Afheldt war Herausgeber des

Tagesspiegels.

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