HEIK AFHELDT trifft … : Medizintechniker K.-H. Schönborn

Wer einen Beweis sucht, dass Berlin in der Medizintechnik weltweit führend ist, der findet ihn auch am Salzufer 8 gleich neben der Mercedes-Welt. Vor dem modernen Bürohaus weht die Fahne von W.O.M. – World of Medicine.

215 Mitarbeiter weltweit und einen Umsatz von 36 Millionen Euro weist die seit 2001 börsennotierte AG aus. Vor mehr 30 Jahren hat Peter P. Wiest die Firma gegründet. Sie entwickeln hochinnovative medizinische Geräte auch für die Großen wie Aeskulap, Braun oder Olympus. Insufflatoren und Spezialpumpen oder Bild- und Videosysteme für endoskopische Diagnosen und Operationen sind eine Spezialität.

Der seriöse, sehr bestimmt argumentierende Ingenieur mit dem vollen Kraushaar, penibel gekleidet, der mir gegenüber sitzt, ist erst seit einigen Jahren mit seiner Clyxon Laser GmbH Mitglied der W.O.M.-Familie und hier auch zuständig für Neues Geschäft. Das passt. Als Innovator hat sich der in Braunschweig aufgewachsene erste Akademiker in seiner Familie bereits früh bewährt. Naturwissenschaften hatten dem guten, „etwas verträumten“ Schüler schon immer besonders gelegen. Physik wurde an der TU in Braunschweig sein Fach, Festkörpermechanik und Werkstoffkunde sein engeres Interessengebiet. Nach 13 Semestern – und etlichen Praktika – hatte er sein Diplom in der Tasche. Danach arbeitete er als Assistent fünf Jahre lang an seiner Doktorarbeit. Der erste Praxistest startete bei der Schott Glas in Mainz. Es ging um „Optische Übertragungstechniken“ – bis man das Feld nach neun Jahren aufgab.

Da galt es für ihn, verheiratet mit einer Agro-Ingenieurin und Vater von zwei Kindern, eine neue Aufgabe zu suchen. Die fand er in Berlin bei der MGB in Johannisthal, bekannt für gute Endoskopietechnik und OP-Möbel. Mit zunächst 90 Leuten musste er neue Märkte aufbauen. „Manche blutige Nase“ habe er sich dabei geholt. Und dann war dort Schluss.

Glück im Unglück, dass ein russischer Patentinhaber für eine innovative Lasertechnologie mit dem Namen „Fredy“ gerade einen Verwerter für den Westen suchte. Also gründete der Ingenieur mutig seine eigene Firma. Zehn Prozent übernahm der Laserexperte Frank Maßmann, 700 000 Euro kamen aus dem Programm „Technologieorientierte Unternehmensgründung“, und eine halbe Million musste er selbst beibringen. Das hat sich gelohnt. Mit zuerst zwei Mitarbeitern haben sie die Geräte gebaut, die jetzt in der dritten Generation höchst erfolgreich sind. Sie können „intrakorporal“, also im Körper, Nierensteine beschießen und zerstören.

Und wie geht es weiter? Mit der Biophotonik eröffnen sich immer neue Anwendungen. So sind sie dabei, einen ganz wichtigen Schritt in der Diagnose des verbreiteten weißen Hautkrebses zu machen. Er selber will auch in zehn Jahren nicht etwa in Pension gehen. Die anregende Arbeit mit jungen Leuten würde er zu sehr vermissen. Er wird dann noch in Rudow wohnen, mehr Sport machen und wieder Geige spielen.

Heik Afheldt war Herausgeber des Tagesspiegel

Karl-Heinz Schönborn (56) ist Geschäftsführender Gesellschafter der Clyxon Laser GmbH und Manager für New Business Development bei der W.O.M. AG am Salzufer in Charlottenburg.

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