Heik Afheldt trifft … : Musik-Macher M. Osterwold

Matthias Osterwold (59) ist Künstlerischer Leiter der MaerzMusik, dem Festival für aktuelle Musik im Rahmen der Berliner Festspiele. Heik Afheldt hat ihn getroffen.

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Foto: promo

Auf den ersten Blick wirkt der wohlgekleidete, ansehnliche Herr mit der große Ruhe ausstrahlenden Ernsthaftigkeit so, wie es seine Herkunft aus dem liberalen und gebildeten Hamburger Bürgertum nahe legt. Sein Vater war Architekt, die Mutter stand der Bekennenden Kirche nahe. Kunst und Musik haben den Jüngsten von drei Kindern, Matthias, früh berührt. Klavier und Cello waren seine Instrumente, die Oper und namhafte Sängerinnen und Sänger seine Leidenschaft. Seine Autogrammsammlung war beachtlich. Nach dem Abitur am Christianeum sollte er, so der Wunsch seines Musikprofessors, eigentlich mit Musik weitermachen. Aber stattdessen studierte der einst „bockige Schüler“ und längst „ausgemusterte Antiautoritäre“ zunächst Soziologie, Stadtforschung und Volkswirtschaft bis zum Diplom 1977. Das öffnete den Weg nach Berlin als Assistent am Institut für Stadt- und Regionalplanung der TU. Migrationstheorien oder Umzugsverhalten waren die Themen. Berlin war für ihn ein Glücksfall – und bedeutete die Rückkehr zum Studium der Musikwissenschaft.

Helga de la Motte und Carl Dahlhaus wurden seine Lehrer. Und er selbst tauchte ein in die reichhaltige Kultur und Subkultur in Berlin und New York. New Wave und Punk zogen ihn mit. Braver Klavierunterricht finanzierte sein Leben. Viele Jahre klavierpädagogische Bemühungen fesselten ihn. 1983 war er Mitbegründer und Geschäftsführer der „Freunde guter Musik e.V.“, zusammen mit Ursula Block und Monika Döring. Experimentelle musikalische Formen zwischen Jazz, Rock, Klangforschung; Instrumentenmutation und musikalische Konzeptkunst waren sein Feld. Seither hat er unzählige, auch international Aufmerksamkeit findende Reihen und Festivals in Berlin, Luzern, Krems, Peking, Hongkong oder Wolfsburg mit betreut und geleitet – später als Vorsitzender der „Berliner Gesellschaft für Neue Musik“ und als musikalischer Leiter am Podewil. Die Aufzählung der Projekte und der Künstler würden Seiten füllen. Seine Partnerin Gabriele Knapstein, David Moss, Frieder Butzmann, Akio Suzuki, Nicolas Collins und Georg Weckwerth zählen dazu.

Sein „schönstes Abenteuer“ war das Festival „Pfeifen im Walde“ bei den Internationalen Festwochen in Luzern. Seit April 2001 ist Matthias Osterwold nun künstlerischer Leiter der MaerzMusik, Festival für aktuelle Musik bei den Berliner Festspielen. Das, was die Berlinale im Reich des Films ist, bedeutet die MaerzMusik für Liebhaber experimenteller Musik, ein Schlüssel-Event mit weltweiter Akzeptanz und gut 10 000 Besuchern an zehn Tagen. Das operative Budget erreicht rund 600 000 Euro, der Bund zahlt 100 Prozent des festen Budgets, der Rest kommt von Sponsoren und aus den Kartenverkäufen. Für die Zukunft wünscht sich Osterwold, noch mehr Neues „ermöglichen“ zu können auf einer interkulturellen, offenen Plattform – weg vom Eurozentrismus, aber gerne hier in Berlin.

Heik Afheldt war Herausgeber des Tagesspiegels. Matthias Osterwold (59) ist Künstlerischer Leiter der MaerzMusik, dem Festival für aktuelle Musik im Rahmen der Berliner Festspiele. Der Diplom-Volkswirt stammt aus Hamburg.

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