HEIK AFHELDT trifft… : Mutmacher Andreas Contag

Das Geschäft mit den Prototypen von Leiterplatten läuft für Andreas Contag gut. Nun hat er auch noch den Preis als "Mutmacher der Nation" gewonnen.

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Foto: promo

Berlin„Mutmacher der Nation“, so heißt der bundesweite Wettbewerb, in dem der begeisterte Unternehmer Andreas Contag vor drei Wochen zum Berliner Landessieger gekürt worden ist. Das war nicht die erste Ehrung. Im hohen, lichten Atrium des modernen Neubaus in Spandau finden sich etliche Siegerdiplome für hervorragendes Qualitätsmanagement, als Umwelt-Pionier und für „abwasserfreies Produzieren“. Das ist für einen Betrieb, der Säure und andere Chemikalien nutzt, eine beeindruckende Leistung. Der schöne Neubau wirke eher wie ein Wellness-Hotel, hat Klaus Wowereit bei der Eröffnung im vorigen Sommer gesagt.

Der Fitnessraum, die Massagebank, das Beachvolleyballfeld im parkartigen Garten, die lichten, küchensauberen Produktionshallen – auch für Reinraumtechnik – und die freundlichen Büros laden tatsächlich ein, hier einen Aufenthalt zu buchen. Was für ein langer und hindernisreicher Weg für den Berliner Professorensohn und sieggewohnten Kurzstreckenläufer.

Mit einer Werkstatt in der Küche und dann einem kleinen Bastelladen – stundenweise mit Bruder und Freunden neben dem Studium der Elektrotechnik an der TU betrieben – fing alles an. Ihre ersten Kunden waren Studenten und Hobbybastler, die ihre Leiterplatten bei ihnen selbst herstellen oder fertigen lassen konnten.

Keine große Vision von künftigen Erfolgen und Anerkennung, sondern der Spaß an der Arbeit war stets sein „Motor“. Spaß hat der groß gewachsene Perfektionist mit der schnellen Rede vor allem daran, „immer alles noch besser zu machen“. Das hat so viel Zeit gebraucht, dass trotz aller erfolgreichen Zwischenprüfungen an der TU und später an der TFH Berlin keine Luft für ein Diplom blieb.

Aber der „Laden“, der wuchs. 1995 zogen sie mutig mit nun schon neun Mitarbeitern aus ihren 150 Quadratmetern in Siemensstadt auf 600 Quadratmeter am Brunsbütteler Damm. Die hohen Raumkosten und die miese Auftragslage hätten ihnen fast das Genick gebrochen. Wenn die Mitarbeiter nicht einige Monate auf Teile ihres Gehalts verzichtet hätten und jeder sich ans Telefon gehängt hätte, um Kunden zu werben. Das hatte Erfolg.

Aus dieser Krise habe er gelernt, wie wichtig gerade für einen Techniker betriebswirtschaftliche Kenntnisse sind und wie entscheidend ein familiäres Klima im Unternehmen ist. Dazu brauche es keinen Betriebsrat, ist der sensible Patron überzeugt.

Heute läuft das Geschäft mit den Prototypen von Leiterplatten prächtig. Überall, wo Elektronik drin ist, vom Teddybär über das Auto bis zum Raumschiff, braucht es Trägerplatten für die Chips. Aber nicht die großen Serien stellen sie her, sondern die hoch innovativen Lösungen für die Forschungs- und Entwicklungsabteilungen. Sechs Millionen Euro Umsatz machen die 75 Mitarbeiter damit heute. Kein Jahr war bisher ohne schwarze Zahlen und kein Jahr ohne Wachstum. Das soll auch die nächsten zehn Jahre so sein. Die Zahl der Mitarbeiter und die Produktionsfläche werden sich bis 2018 verdoppelt haben.

Ob eines seiner vier Kinder später den Betrieb übernehmen wird? Das ist offen. Seine Frau, eine Facherzieherin für Sport, macht heute im Unternehmen mit. Sein Weihnachtswunsch: Nicht mehr 90 Prozent Negativmeldungen in den Medien. Den meisten mittleren Unternehmen gehe es doch ganz gut!

Heik Afheldt war Herausgeber des Tagesspiegels

Andreas Contag (48)

ist Inhaber und Geschäftsführer der Contag Leiterplatten GmbH in Spandau. Der Unternehmer stammt aus Berlin.

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