Heik Afheldt trifft … : Prognos-Chef Christian Böllhoff

Christian Böllhoff - quasi von Geburt aus Unternehmer - führt heute die Prognos AG. Er leitete das "Europäische Zentrum für angewandte Wirtschaftsforschung" aus schwierigem Fahrwasser.

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Foto: promo

Wie die griechische Kassandra sieht der Experte für die Zukunft nicht aus – eher wie ein sehr erfolgreicher Jungunternehmer. Und das ist Christian Böllhoff auch, im Grunde von Geburt an.

Als Ältester von vier Geschwistern hätte er das über 130 Jahre erfolgreiche Familienunternehmen für Befestigungstechnik in Bielefeld mit übernehmen können. Aber das hat der Ettaler Klosterschüler den beiden Brüdern überlassen. Die Jahre im bayerischen Internat haben ihn geprägt. Ora et labora, strenge Regeln, aber dennoch viel individuelle Freiheit. Das schätzt der ehemalige Schulsprecher auch heute – ebenso wie die Herausforderungen der Bergsteigens, sei es auf den Mont Blanc oder den Kilimandscharo.

In München haben den wissbegierigen Studenten Geschichte, Germanistik, Journalistik und Politikwissenschaften interessiert. In den 18 Monaten bei der Luftwaffe lernte er Betriebs- und Organisationswissenschaften an der Hamburger Führungsakademie. Dann ging es zum Wirtschaftsstudium „zurück“ nach München. Sein Ziel blieb: Journalismus. Praktika beim Westfalenblatt und bei Roland Berger haben ihn davon nicht abgebracht. Nur richtig begonnen hat sein Berufsleben 1991 „im Osten“, als Vorstandsassistent Industrie bei der Treuhandanstalt. Nach gut drei Jahren folgten fünf Jahre bei der französischen Beratungsfirma Gemini-Consulting als Chef ihres Berliner Büros.

Endlich, 2000, rief ihn der Journalismus, als Geschäftsführer der Handelsblatt-Gruppe. Die Zusammenführung der Berliner Zeitung mit dem Tagesspiegel stand auf der Agenda. Nun, daraus wurde nichts, aber die Geschäftführung der Prognos AG war vakant. Ein Glücksfall für beide!

Das renommierte „Europäische Zentrum für angewandte Wirtschaftsforschung“, vor 49 Jahren von einer Gruppe bekannter Professoren in Basel als private AG gegründet, war trotz seines guten Rufs in Wirtschaft und Politik in etwas unruhiges Fahrwasser geraten. Der geborene Familienunternehmer war vom Potenzial überzeugt, beteiligte sich und hatte Erfolg nicht nur mit sorgfältig erarbeiteten Prognosen und Reports zur globalen oder zur deutschen Wirtschaft, sondern auch mit Strategien und Konzepten für Regierungen, Ministerien oder Kommunen, sei es zur Familienpolitik, zum Klimawandel oder zum Verkehr.

Heute arbeiten 110 Experten aus ganz verschiedenen Wissenschaftsbereichen am Stammsitz in Basel, in Düsseldorf und in Bremen. Berlin mit dem neuen feinen Büro in der Goethestraße ist mit 50 Leuten das größte. Obwohl das Logo rot ist, die Zahlen sind schwarz. Im Jahr 2020 wird die Welt gar nicht so anders aussehen, ist der Mann mit dem großen Kopf und der hohen Stirn überzeugt. Die beiden Söhne werden dann 19 und 14 Jahre alt sein und ihr Haus in Zehlendorf immer noch aus dem Jahr 1928 stammen. Seine Frau, heute Steuerberaterin, hat er übrigens im zweiten Semester kennengelernt und im vorigen Jahr geheiratet.

Heik Afheldt war Herausgeber des Tagesspiegels.

Christian G. Böllhoff (44) ist Geschäftsführer der Prognos AG mit Niederlassungen in Berlin, Düsseldorf und Bremen. Der Diplom-Kaufmann stammt aus Bielefeld.


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