Heik Afheldt trifft … : PSI-Retter Harald Schrimpf

Erst zuhören, dann analysieren, dann entscheiden: Harald Schrimpf ist Vorstand der PSI Aktiengesellschaft für Produkte und Systeme der Informationstechnologie in Berlin.

Eine Nuss steht neben dem Firmenkürzel. Der Chef all derer, die Nüsse der komplexen Informationstechnologie für ihre Kunden in aller Welt knacken wollen, sitzt mir gegenüber an einem langen Konferenztisch aus blauem Glas im schönen Bürohaus am Hackeschen Markt. Ein sehr ernsthafter Mann, hohe Stirn, dunkle Brauen, weißes Hemd, grau-rote Krawatte. Wissenschaftlich systematisch geht er die Fragen und Probleme an. In der Spieltheorie sieht er eine geeignete formale Grundstruktur gerade auch für das Managen. Erst zuhören, dann analysieren, dann entscheiden, so hält es der Flieger, Segler und Motorradfahrer im Leben und so führt er heute das fast 40-jährige Unternehmen PSI aus einer bedrohlichen Krise, in die es in den 90er Jahren geraten war, zu neuen Erfolgen. Es war von seinem idealistischen Gründer viel zu breit aufgestellt worden und intern gefährlich zerstritten. Bekannt war es für seine ausgebaute Mitarbeiterbeteiligung.

Über 200 unkündbare Mitarbeiter-Aktionäre fand der neue Mann bei seinem Antritt vor. Nun hat der Einser-Ingenieur aus dem Rheinland mit seinen reichen Projekt- und Führungserfahrungen bei Daimler-Chrysler, der EADS/DASA und der VW-Tochter GEDAS nach seiner Berufung vor sechs Jahren der PSI eine klare Nischenstrategie verordnet, „die zur Zeit passt“: Sie wollen die Stärksten und Größten sein bei Energieleitsystemen für Strom, Gas, Öl und Wasser in Europa und Ostasien und sie schneidern komplette Produktions- und Logistiksysteme für Metallererzeuger und Maschinenbauer, die Autoindustrie oder Verkehrsunternehmen. Das haben sie mit ihren 950 hoch qualifizierten Mitarbeitern in Deutschland – Standorte in Berlin und Aschaffenburg – und den Tochterfirmen und Büros in Polen, Russland und China erreicht. 123 Millionen Euro Umsatz im Vorjahr und für 132 Millionen Euro neue Aufträge sind ein deutlicher Beleg. Fast alle großen Namen – wie Eon, RWE, EDF und Gasprom – zählen zu den Kunden. Sie sind heute Markt- und Preisführer und haben, so der selbstbewusste Chef, Siemens oder ABB längst abgehängt. Die 50 Millionen Euro, die der Börsengang 1998 in die damals leeren Kassen gespült hat, sind offenbar gut angelegt. Innovation und Qualität sind ihre Erfolgsgaranten und die Kunden ihre Partner, wenn es um effiziente Lösungen geht.

Und so soll es weitergehen – auch zu deutschen Lohnkosten und von Berlin aus. Persönlich denkt der gewinnende Herr in Zehn-Jahres-Abschnitten: Erst Engineering, dann Management und danach Investment. Sein Vertrag läuft bis 2013. Allerdings würde der leistungsbewusste Duisburger heute lieber einen Standort im Energieland NRW gewählt haben. Aber nun sind sie gerne hier, beziehen bald eine altes Haus in Dahlem, weil sie ihren beiden Kindern eine bessere Schulsituation geben möchten als am bisherigen Wohnort Stralau. Seine Frau strickt mit viel Freude nebenher an Internetauftritten, zum Beispiel für Reisebüros.

Heik Afheldt war Herausgeber des Tagesspiegel

Harald Schrimpf (44) ist Vorstand der PSI Aktiengesellschaft für Produkte und Systeme der Informationstechnologie in Berlin. Der Elektrotechnik-Ingenieur stammt aus Duisburg.

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