HEIK AFHELDT trifft … : Skandia-Chef Jonas Jonsson

Jonas Jonsson (42) ist Vorstandschef der Skandia Lebensversicherung AG und CEO der Skandia Retail Europe. Der gebürtige Schwede hat Mathematik und Wirtschaftswissenschaft studiert.

Die Grüne Woche ist zwar vorbei – aber eine „grüne Rente“ kann man immer noch kaufen. Der Anbieter, die Skandia, zählt heute als Teil der Old Mutual Gruppe weltweit zu den zehn größten Lebensversicherern. Ihre Spezialität sind fondsgebundene Policen. Mit spürbarem Stolz erzählt der jungenhafte schwedische Manager in seinem modernen Berliner Sitz, dass die von ihren Experten aus 8000 am Markt gehandelten 120 ausgewählten Top-Fonds regelmäßig eine überdurchschnittliche Rendite erzielen. Der Kunde kann seine Auswahl treffen und jederzeit ändern. Und wer die garantiert „nachhaltigen Fonds“ wählt, kann sich später einer „grünen Rente“ erfreuen.

Im schönen Verwaltungsgebäude an der Spree betreuen heute etwa 350 Mitarbeiter die Kunden in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Polen. Alleine in Deutschland gibt es 400.000 Kunden und die beachtliche Versicherungssumme von 13 Milliarden Euro. Seit April 2009 arbeitet der junge Boss – blonde Mähne, eine angenehm skandinavische Lockerheit und weißes offenes Hemd – daran, das neue Geschäftsfeld „European Retail“ mit Sitz hier in Berlin zu einer erfolgreichen Einheit zu verschmelzen. Ein gutes Stück des Weges hat er noch vor sich. Aber mit seinem Elan und seiner reichen internationalen Erfahrung wird ihm das schon gelingen.

Während das 1855 in Schweden gegründete Unternehmen eigentlich längst das Rentenalter erreicht hat, stehen dem zielstrebigen studierten Chef bis dahin noch gut 25 Jahre zur Verfügung. Geboren ist er nördlich vom Vänernsee. Der Vater hatte ein kleines Elektroinstallationsgeschäft. Der junge Jonas liebte Skifahren, Windsurfen und spielte begeistert Trompete. Im Militärdienst hat er Führen gelernt, als Austauschstudent in Minneapolis Englisch und sein gutes Spanisch, als er nach dem Wehrdienst – endlich ganz frei – für ein Jahr das Leben in Andalusien studiert hat. Der längste Job dort war am Empfang eines Hotels in der Sierra Nevada.

1994 hat sein Vater ihn auf eine Stellenanzeige der Skandia in Stockholm aufmerksam gemacht. Das Einstellungsgespräch in Madrid verlief prima, der Start in Stockholm auch. Von dort kam er viel in der Welt herum, arbeitete in London, Wien, Chile und Mexico und zuletzt drei Jahre als Chef der Skandia in Kolumbien. Deutschland nun, meint er, sei selbst im Vergleich zu Schweden ein schwieriger Markt für ihre Produkte mit Fonds. Die Risikobereitschaft sei doch sehr niedrig. Aber sie wollen hier wachsen. „We need to grow and want to be relevant“, sagt er.

Seine Frau und die drei Söhne fühlen sich in ihrem Haus in Lichterfelde schon sehr wohl. Die Kinder besuchen die schwedische Schule und lernen vermutlich noch schneller Deutsch als ihr sprachbegabter Vater. Berlin gefällt ihm sehr. Enttäuscht ist er nur, dass am Skandia-Sitz heute keine Buslinie mehr vorbeiführt. Das war bei der Planung des Gebäudes noch anders.

Heik Afheldt war Herausgeber des Tagesspiegels.

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