HEIK AFHELDT trifft… : Sportveranstalter Gerhard Janetzky

Da wartet er schon auf der Veranda des Literaturhauses, ein eindrucksvoller „Dickkopf“ mit kurzen Haaren, grüngestreiftem Sporthemd und weiß-rot-schwarzen Turnschuhen: Der Veranstalter des Internationalen Stadionfestes (Istaf), Gerhard Janetzky, ist ein echter Berliner – zwar wurde er im Postamt in Werder geboren, sein Vater war dort Posthalter, aber schon mit sechs Monaten war er in Wedding zu Hause. Per Handy bucht er gerade ein Flugzeug, um die Finalteilnehmer an dem Leichtathletikmeeting Golden League rechtzeitig am Freitagabend von Brüssel nach Berlin zu fliegen.

Was für ein kurvenreicher, interessanter Lebenslauf kommt dann zutage bei Croissant und Tee! Abitur am Menzel-Gymnasium – nach einer Warteschleife. Berliner Jugendmeister in den lateinamerikanischen Tänzen, Ausbildung zum Tanzlehrer, von 1970 bis 1976 Studium der Geschichte und Anglistik an der FU, ein Jahr Oxford. Nebenher zur Finanzierung des Studiums Geschäftsführer des Restaurants „Eierschale“. Dann als frischgebackener Magister Waschmittelverkäufer bei Procter & Gamble, erst in Kassel, dann als Boss Schweiz in Genf. Dort hat er nach acht Jahren Zusammenleben seine finnische Freundin geheiratet. Die Ehe hielt ein Jahr.

Von Genf hat ihn ein Headhunter zu Bertelsmann nach London gebracht. Verantwortlich war er dort für das Musikgeschäft und Schallplattenlabel wie Ariola. Sechs Jahre ging alles gut, dann hatte sich der unternehmerische Berliner mit den Herren aus Gütersloh überworfen. Die nächsten Stationen: Chef der Immobilien vom Otto-Versand in New York und danach zum Sohn Otto als Leiter der Heine-Gruppe nach Baden-Baden und Karlsruhe.

1997 lockte ihn Mohammed al Fayed als CEO für Harrods nach London. Zur Trennung drei Jahre später nutzte er denselben Anwalt wie seine Kollegen. Das war der Start in die Selbständigkeit: Janetzky Consulting und eine Beteiligungs- GmbH mit Sitz in Garmisch und einem zweiten Sitz in Berlin. Aufträge gab es unter anderem von Hubert Burda, den der selbständige Unternehmer besonders schätzt.

2002 ging dann in Berlin mit der Istaf das älteste deutsche Leichtathletik-Sportfest in Konkurs. Am 1. August 1937 fand es erstmals statt. Den Namen mit allen Rechten hat Janetzky zusammen mit Ex-IHK-Chef Werner Gegenbauer übernommen. Der Deutsche Leichtathletikverband hält 0,1 Prozent an der Leichtathletik Veranstaltungsgesellschaft GmbH, die das Istaf durchführt, Gegenbauer ein Drittel. Mit dem Zuschlag für die Leichtathletik-Weltmeisterschaft 2009 vor zwei Jahren wurde der Sportstandort Berlin nochmals kräftig aufgewertet. Davon profitiert auch das Istaf. Für eine Veranstaltung braucht Janetzky rund 2,5 Millionen Euro an Einnahmen. Je ein Drittel müssen die Tickets, die TV-Rechte und die Sponsoren bringen. Mit 50 000 Zuschauern rechnet er. Sein Büro hat der bewegte Event-Unternehmer mitten im Geschehen: im neuen Olympiastadion.

Heik Afheldt war Herausgeber des Tagesspiegels

Gerhard Janetzky (57) ist der Veranstalter des Leichtathletikmeetings Internationales Stadionfest (Istaf). Vor seiner Karriere in der Wirtschaft machte er eine Ausbildung zum Tanzlehrer.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben