HEIK AFHELDT trifft… : Ulf Fink Senator a. D. Auf der Überholspur

Die Berliner halten sich beim Autokauf zurück. Trotzdem eröffnen immer neue große Autohäuser Die Konzerne setzen auf riesige Erlebniswelten. Kleinere Unternehmen können da nicht mithalten

Sabine Hölper

Vital und braungebrannt von der österreichischen Alpensonne, so kommt der ehemalige Berliner Gesundheitssenator, der am vergangenen Wochenende 65 Jahre alt geworden ist, ins Borchardt. Dort kennt man Ulf Fink. Kein Wunder bei der Vita, die der gebürtige Sachse aus Freiberg und schon seit Jahrzehnten sozialpolitisch heftig engagierte Volkswirt und CDU-Politiker aufzuweisen hat. An Parteiprogrammen und vielen Reformen hat er mitgewirkt. Ob es um Kostendämpfung im Gesundheitswesen, um die Rentenreform oder die Beteiligung von Mitarbeitern am Produktivvermögen ging. Ob als Bundesgeschäftsführer der CDU, als Senator für Gesundheit und Soziales des Landes Berlin, als stellvertretender Bundesvorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) oder als Abgeordneter – sowohl im Bundestag als auch im Berliner Abgeordnetenhaus.

Als eine Wurzel für sein ausgeprägtes Gefühl für soziale Fragen und für Gerechtigkeit ortet er die karge Zeit nach dem Krieg und die Erfahrung, sich gegenüber seinen fünf Brüdern – davon vier aus der zweiten Ehe seiner Mutter – behaupten zu müssen. Sein Vater war mit nur 26 Jahren im Krieg gefallen. Aber eigentliche Not habe er dennoch nie erfahren und auch mit seiner zweiten Familie hat der Junge – auch christlicher Pfadfinder - immer ein herzliches Verhältnis gehabt. Das galt aber nicht für den zweifellos „großen Politiker“ Helmut Kohl, mit dem er nie wirklich „gut konnte“.

Seit mehr als zehn Jahren setzt sich Ulf Fink kräftig und mit wachsendem Erfolg für die Gesundheitsstadt Berlin ein. Zunächst als Initiator des jährlichen „Hauptstadtkongresses Medizin und Gesundheit“ mit zuletzt 7000 Teilnehmern – das Branchenereignis – und nun auch ehrenamtlich für den 2003 gegründeten gemeinnützigen Verein „Gesundheitsstadt Berlin“, der aus Beiträgen heute pro Jahr über 250 000 Euro verfügt.

Was er im deutschen Gesundheitswesen ändern will, ist ihm glasklar. Die Prävention und die eigene Verantwortung für die Gesundheit müssen ganz oben stehen. Die Qualität muss sich dramatisch verbessern – und das geht nur über mehr Transparenz und Wettbewerb. Und hier lobt er die innovative und erfolgreiche Zusammenarbeit mit dem Tagesspiegel beim großen Berliner Klinikvergleich. Für Berlin sieht er enorme Möglichkeiten, an die große Vergangenheit anzuknüpfen, international Aufmerksamkeit und auch Patienten zu gewinnen. Das Herzzentrum, von ihm seinerzeit mitgeschaffen, ist da ein weithin strahlender Leuchtturm – und leider ein Solitär.

Seine Frau und ihre beiden Kinder sind alle für das von ihm gegründete Institut für Wirtschaft und Soziales tätig. Der Sohn besorgt den Internetauftritt, die Tochter managed den Europäischen Gesundheitskongress in München. Mit seinen fünf Brüdern spielt Fink gelegentlich im Gitarren-Sextett und dazu singen sie in ihrem Haus hier im Grunewald oder anderswo.

Heik Afheldt war Herausgeber des Tagesspiegel

Reiner Eenhuis hat ehrgeizige Pläne: Mindestens 2700 Autos will er im nächsten Jahr verkaufen. 80 Millionen Euro Umsatz – das ist die Vorgabe für 2008. Eenhuis ist Standortleiter des gerade eröffneten Autohauses der Wellergruppe an der Franklinstraße in Charlottenburg – mit 15 500 Quadratmeter und drei Etagen. Im Moment ist Eenhuis „sehr zufrieden“: 15 000 Neugierige drängelten sich am vergangenen Wochenende in den ersten drei Tagen nach der Eröffnung in dem großen Glasbau.

Eenhuis ist nicht der einzige Autohändler mit großen Plänen in Berlin. Um im härter werdenden Konkurrenzkampf zu bestehen, setzen vor allem Konzerne auf neue, repräsentative Filialen. Die Hersteller können es sich dank ihrer Finanzstärke leisten, riesige Bauten zu errichten. Die neue Weller-Filiale ist zwar das größte Toyota-Lexus-Haus Europas, aber längst nicht das größte Autohaus Berlins. Das sei die Mercedes-Welt am Salzufer, heißt es bei dem Unternehmen. 35 000 Quadratmeter groß ist das „Eventcenter“ mit Restaurant, Kletterwänden und Wasserspielen. Ernsthafte Konkurrenten habe man noch nicht, heißt es dort.

Aber die anderen Firmen holen auf: Im November wird die Firma Spree-Automobile in der Stralauer Allee ein 8600 Quadratmeter großes „Toyota-Erlebnis-Autohaus“ eröffnen. Die Motor Company, ebenfalls Toyota- und Lexus-Vertragshändler, wird voraussichtlich Anfang nächsten Jahres die vergrößerte Repräsentanz in der Ollenhauerstraße einweihen. BMW setzt auf einen eindrucksvollen Neubau in Charlottenburg, der ab 2010 mit einer Ausstellung auf 8000 Quadratmetern Kunden anlocken soll.

Doch die Berliner sind nicht gerade als Autoliebhaber bekannt. Im Gegenteil. „Berlin hat unter allen Städten und Kreisen Deutschlands die geringste Fahrzeugdichte“, sagt Stephan Elsner, Pressesprecher des Kraftfahrtbundesamtes in Flensburg. Während in Hamburg 482 PKW auf Tausend Einwohner kommen und im Landkreis München sogar 949, sind es in Berlin nur 362. Und die Unlust der Berliner, sich mit dem Auto fortzubewegen, wird immer deutlicher: Im ersten Halbjahr 2007 ging die Zahl der Kfz-Neuzulassungen um 6,5 Prozent zurück.

Die Autohäuser reagierten mit besonders großen Rabatten: Laut einer Studie des Marktforschungsinstituts B&D-Forecast betrugen die Preisnachlässe im März dieses Jahres im Schnitt 18 Prozent. Der Berliner Autohändler Michael Müller beklagt, dass die Rabatte „zu hoch“ seien. „Doch was soll man machen, wenn die Kunden einem günstige Konkurrenz-Angebote unter die Nase halten und fordern, diese nochmals zu unterbieten“, fragt der Junior-Chef des Autohauses Müller in Buchholz.

In der Mercedeswelt gebe es keine Absatzschwierigkeiten, heißt es bei dem Unternehmen. Allerdings sei die Zahl der verkauften Autos auch nicht gestiegen. Burkhard Weller, Geschäftsführer der Wellergruppe, ist trotz der schlechten Ausgangslage zuversichtlich, in dem neuen Autohaus 80 Millionen Euro Umsatz zu erwirtschaften. „Zusätzlich“, betont er. Das heißt: Die Verkaufszahlen sollen nicht zulasten der bestehenden Filialen am Mehringdamm und in Schönefeld gehen, Weller will die Kunden „den Mitbewerbern abjagen“.

Wenn es nach dem Unternehmen Audi geht, bestimmt nicht ihnen: Die Firma kündigte vor kurzem an, ihren Marktanteil in Berlin von gut fünf auf acht Prozent steigern zu wollen. Sie setzt dabei allerdings nicht auf ein neues Haus, sondern auf verbesserte Serviceleistungen und den Ausbau des Außendienstes.

Auch der Verband der Automobilindustrie spekuliert auf einen anziehenden Markt in der Zukunft, die Mitglieder setzen auf Impulse und neue Modelle von der letzten Internationalen Automobilausstellung im September in Frankfurt. Ferdinand Dudenhöffer teilt diese Zuversicht nicht. Ende des Jahres werde das Minus im Vergleich zum Vorjahr mit 15 Prozent sogar noch deutlicher ausfallen, sagt der Professor für Automobilwirtschaft an der Fachhochschule Gelsenkirchen voraus. Schließlich hätten die Kunden kurz vor der Mehrwertsteuererhöhung Anfang 2007 besonders viele Autos gekauft – ein Sondereffekt, der zu hohen Einbußen im kommenden November und Dezember führen werde.

Erschwerend komme das „Gabriel-Tief“ hinzu, sagt Dudenhöffer. Also die Diskussion um die geplante CO2-basierte Kfz-Steuer. Das Hin und Her verunsichere die Kunden zusätzlich und halte sie vom Kauf eines Neuwagens ab. Ebenso die Kürzung der Pendlerpauschale sowie die steigenden Benzinpreise. In Berlin, wo der öffentliche Nahverkehr gut ausgebaut ist, stiegen besonders viele in Bus und Bahn um. „Die guten Zeiten, wie vor 15 Jahren, werden wir nicht mehr erleben“, sagt Dudenhöffer .

„Es zeichnet sich ein Trend zur Filialisierung ab“, sagt Helmut Blümer, Sprecher des Zentralverbandes des Deutschen Kraftfahrzeuggewerbes in Bonn. „Die Zahl der Betriebsstätten wird zwar in etwa gleich bleiben, die Zahl der Unternehmer jedoch zurückgehen.“

„Die kleinen und mittelständischen Betriebe sind zum Sterben verurteilt“, glaubt Wolfgang Sobkowski, Geschäftsführer des kleineren Autohauses Sobkowski an der Holländerstraße und Chef von 21 Mitarbeitern. Die „ Großen“ diktierten die Preise, ruinierten dadurch die Margen. Noch könnten die meisten Händler die Einbrüche zwar auffangen – das letzte, das außerordentlich gute Jahr, hat ihnen eine Verschnaufpause gewährt. Doch bereits 2008, spätestens 2009 könnte die Insolvenzwelle losgetreten werden. „Dann wird sich entscheiden, wer von uns bleibt“, sagt Sobkowski.

Ulf Fink (65),Diplomvolkswirt, ist Vorsitzender des Vorstandes von „Gesundheitsstadt Berlin“ und des Büros für Gesundheit und Prävention und Präsident des Kneipp-Bundes

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