Heik Afheldt trifft : Werner Schnappauf vom BDI

Der 55-jährige Werner Schnappauf ist Hauptgeschäftsführer und Präsidiumsmitglied des BDI. Heik Afheldt hat den promovierten Jurist aus Franken getroffen.

Heik Afheldt

BerlinEin fränkischer Bayer mit dem Kopf eines nüchternen Norddeutschen, Jurist mit klarem Verstand und wachen, meist ernsten Augen hinter der randlosen Brille. Das ist der Mann, der die Geschäfte des mächtigen Bundesverbandes der Deutschen Industrie – kurz BDI – seit November 2007 als Vormann mit ruhiger, in langen Verwaltungsjahren geübter Hand führt. Für den zielbewussten Arbeitersohn aus der Nähe von Kronach, langjähriger Landrat und dann Umweltminister im Kabinett von Edmund Stoiber, ein beeindruckender Weg nach oben.

„Reformer“ könnte auf einer Gedenktafel an seinem Weg bis heute stehen. Begonnen hat er damit in den 68-Wehen am Gymnasium in Kronach, wo der aufsässige Klassensprecher ein neues Stufenmodell der Schülermitverwaltung entwickelt und dem Kultusminister in München präsentiert hat. Mit Erfolg! Das war der Auslöser für sein Engagement in der Jungen Union, erst als Ortsvorsitzender und – fünf Jahre später und dann ordentlich als CSU-Mitglied – im Landesverband. Gegen den Strom ist er auch auf „seinem Feld“ der Umwelt- und Energiepolitik geschwommen: Gegen Kohlekraftwerke und für die Wasserstofftechnik. Innovation ist sein Credo und der Schlüssel zu mehr Wohlstand für alle. Einen wegweisenden Satz vom legendären Franz Josef Strauß, den der frischgebackene Doktor in seiner ersten Station im Münchner Umweltministerium noch erlebte, hat er nie vergessen: „Konservativ sein, heißt an der Spitze des Fortschritts sein.“ Auch wenn es ein wenig nach Karl Valentin klingt, vielleicht ist es das Geheimnis des bayerischen Erfolgs? Oder auch, wie die Ministerien dort ihren Nachwuchs rekrutieren: ausschließlich nach den Noten der Absolventen ohne Rücksicht auf parteipolitische Färbung. Nur eine „Ministerialnote“ öffnet die Tür für eine Karriere.

Und das Telefon! 1998 läutete es aus dem Büro Stoiber, 2007 war der vorige BDI-Präsident Thumann dran. Beide Male hat es gefunkt. Nicht dass der dreifache Vater darauf gewartet hätte. Aber er sei immer bereit gewesen, Verantwortung zu übernehmen. Die neue Aufgabe in Berlin habe ihn gereizt. Was Wunder! Die deutsche Industrie zählt zu den stärksten und erfolgreichsten auf dem Globus. Mit 100 000 Unternehmen und mehr als acht Millionen Beschäftigten ist sie gut für mehr als ein Viertel des Sozialproduktes im Land. Optimistisch schaut er über den Rand der aktuellen Krise auf morgen. Für sinnvolles nachhaltiges Wachstum braucht es kein neues Modell, Innovation ist der Schlüssel hierfür, hat er auf der BDI-Jahrestagung an diesem Montag in Berlin bekräftigt. Industrie schaffe echte Werte, und auf die Exporterfolge sollten wir stolz sein. Privat hat der Jung-Berliner Schnappauf auch eine nachhaltige Innovation zu vermelden: Seit letztem Advent ist die Familie in ihrem neuen Domizil im Grunewald wiedervereinigt. Die jahrelange Pendelei nach Hause nach Kronach ist Geschichte. Die Hauptstadt hat zwei neue Genießer.

Heik Afheldt war Herausgeber des Tagesspiegels.

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