Innovationspreis : Preisgeld und gute Worte

Zum 25. Mal wird der Innovationspreis Berlin-Brandenburg vergeben. Mehr als 100 Firmen haben von ihm schon profitiert. Entscheidend ist weniger das Preisgeld als der Marketingschub.

Alexander Visser
Lärm
Sichtbarer Lärm. Eine akustische Kamera aus Berlin bildet Lärm farblich ab. Sie hilft, Maschinen, Autos und Industrieanlagen...Foto: promo

Berlin - 1984 ist der Computer noch dabei, die Schreibmaschine aus den Büros zu verdrängen, die ersten Privatfernsehsender nehmen ihren Betrieb auf, das Kernkraftwerk Krümmel geht ans Netz, und das Land Berlin vergibt erstmals einen Innovationspreis. Ein Vierteljahrhundert später hat sich die deutsche Wirtschaft gründlich gewandelt, die Auszeichnung für Unternehmen mit guten Ideen gibt es nach wie vor. Seit 1992 wird der Innovationspreis gemeinsam mit Brandenburg vergeben. Zum 25. Durchgang des Wettbewerbs wollen die beiden Länder einiges anders machen.

„Statt einer einmaligen Preisverleihung wollen wir ein Netzwerk schaffen, das sich nachhaltig für unternehmerische Innovationen in der Region einsetzt“, sagte Berlins Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linkspartei) zum Start des 25. Wettbewerbs. In Zukunft soll ein Preisträger-Forum den Gewinnern eine dauerhafte Plattform zur weiteren Mitwirkung an dem Wettbewerb bieten. Die ehemaligen Preisträger sollen junge Bewerberfirmen stärker als bisher an ihrem Know-how teilhaben lassen. Zudem gibt es künftig einen Ehrenpreis, mit dem ein Preisträger gewürdigt wird, dessen Innovation sich erfolgreich am Markt etabliert hat und der dadurch Arbeitsplätze schaffen konnte.

„Innovationskraft ist entscheidend im internationalen Wettbewerb“, sagte Brandenburgs Wirtschaftsminister Ulrich Junghanns. „Deshalb wollen wir die Unternehmen der Hauptstadtregion dazu motivieren, diese Chance verstärkt zu nutzen. Die beste Motivation ist das positive Beispiel.“ Davon habe der Wettbewerb eine Menge hervorgebracht: 104 Unternehmen wurden seit 1984 mit dem Preis ausgezeichnet, der den Gewinnern zuletzt jeweils 10 000 Euro Preisgeld einbrachte.

Entscheidender Anreiz für die Teilnahme sei aber nicht das Preisgeld, sondern der Marketingschub, den die Gewinner durch den Preis erhielten, sagte Unternehmerin Christine Kreiner. Ihre Hennigsdorfer Medizintechnikfirma Acri-Tec wurde gleich zweimal ausgezeichnet, 2001 und 2007. Im vergangenen Jahr gab es den Preis für eine neu entwickelte künstliche Linse, die zum Beispiel Menschen mit grauem Star ins Auge implantiert wird und den Patienten ein Leben ohne Brille ermöglicht. „Der Preis verhilft zu erhöhter Aufmerksamkeit zum Beispiel von Banken oder potenziellen Kunden, was gerade für mittelständische Unternehmen sehr wertvoll ist“, sagte Kreiner.

Alfred Iwainsky, Innovationspreisträger von 2003, registrierte nach der Auszeichnung eine steigende Nachfrage nach der „akustischen Kamera“ seiner Berliner Gesellschaft zur Förderung angewandter Informatik (GFAI). Das Gerät macht Schallwellen sichtbar und erlaubt es, Lärmquellen zum Beispiel in Autos, Flugzeugen, Maschinen oder Fabriken zu reduzieren. „Durch den Preis wurde unser Produkt schnell bekannt. Seit der Verleihung haben wir 15 Arbeitsplätze geschaffen“, sagte Iwainsky.

336 000 Euro kostet der Innovationspreis in diesem Jahr, davon tragen die beiden Länder 181 000 Euro. Die restliche Summe wird von 19 Partnerunternehmen aufgebracht, die die Veranstaltung unterstützen. Alexander Visser

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