Interview mit Helge Jürgens : "Berlin ist im Aufwind"

Helge Jürgens, Geschäftsführer der Berliner Union-Film, spricht mit Tagesspiegel.de über den Fernsehstandort Berlin, HD-Technik und neue Fernseh-Shows aus der Hauptstadt.

Union-Film Jürgens
Helge Jürgens vor der Kulisse für den ZDF-Fernsehfilm über den Untergang der Wilhelm Gustloff. -Foto: Promo

Herr Jürgens, Berlin ist derzeit als Standort von Fernsehproduktionen noch relativ schwach. Unter dem Dach der Berliner Union Film haben sich jetzt mehrere Firmen aus der Branche zu einer Kooperation zusammengeschlossen. Wie kann das dem Standort helfen?



Das Wachstum Berlins im Fernsehbereich hat in den letzten Jahren schon zugenommen. Also so schwach wie noch vor ein paar Jahren ist Berlin gar nicht mehr. Unser Standort hier war zu Mauerzeiten schon Fernsehstandort. Ich denke, durch die Kooperation, die wir jetzt beschlossen haben, ist es besonders für Fernsehproduzenten im fiktionalen Bereich interessant hier zu produzieren. Hier können die neuen Medien, wie HD-Technik, vom Anfang bis zum Ende in den Workflow einbezogen werden, inklusive Computer-Graphics. Das ist das Ziel dieser Zusammenarbeit.

Sie erwähnten die HD-Technik. Ist das einer der Zukunftsbereiche im Fernsehen?

Die HD-Technik wird langfristig die Zukunft sein. Das hängt natürlich auch davon ab, wie die Konsumenten die Technik annehmen. Wenn diese es erst mal gewohnt sind Fernsehen in besserer Qualität zu sehen, dann wird es da auch keinen Rückschritt mehr geben. Im Kino wird es noch etwas länger dauern. Dort dürfte es noch eine Weile 16-Millimeter-Produktionen geben. Aber auch dort wird HD sukzessive die bisherigen Formate verdrängen.

Wie funktioniert denn diese Allianz zwischen der Berliner Union-Film, der Media-Factory, Ludwig Kameraverleih und der Post-Factory? Wie kann man sich die Zusammenarbeit vorstellen?

Zunächst einmal sind wir alle an einem Standort zu erreichen. Wir haben alle Fachkräfte an einem Ort gebündelt. Das ist in so einer großen Stadt, in der die Dienstleister normalerweise über die ganze Stadt verteilt sind, das Wichtigste. Wenn ein Produzent zu uns kommt, kann er von der Beratung über den Bau, Kameras bis zur Post-Produktion und zur Ton-Endbearbeitung alle Fachleute vor Ort haben. Hat also einer der Partner einen Kunden, so kann er die anderen jederzeit mit ins Boot nehmen. So kann der Kunde von Anfang bis zum Ende des Produktionsprozesses von einem Berater betreut werden. Das vereinfacht die Dinge für den Kunden und ist unser Vorteil.

Sie sind ja schon mit einigen Produktionen am Start. Was läuft denn bei Ihnen bereits?

Was wir momentan abgedreht haben, ist der Berlin-Teil des Event-Movies "Der Untergang der Gustloff", der "Hafen der Hoffnung", eine Ufa-Produktion für das ZDF. Ein Zweiteiler, der Anfang nächsten Jahres zum Jahrestag der schrecklichen Katastrophe ins Fernsehen kommt. Daneben haben wir schon einige Dinge produziert: zum Beispiel hat die Media-Factory die komplette Post-Produktion für die Fernsehserie R.I.S. bei Sat1 übernommen, während die Berliner Union-Film den Bau für die Serie gemacht hat. Hier ergeben sich schon zahlreiche Punkte für eine mögliche Zusammenarbeit bei der zweiten Staffel. Da gibt es einen Produktionsleiter und dieser ist natürlich froh, wenn er auf einen Dienstleister-Pool trifft, die untereinander kommunizieren und zusammenarbeiten.

Jetzt haben sie auch wunderschöne Studios auf ihrem Gelände. Darf man denn bald auf interessante Fernseh-Shows aus Berlin hoffen?

Wir haben ja eh schon eine längere Tradition bei den Fernsehshows. Das war bedingt durch den Standort des ZDF in den sechziger Jahren, welches in der Oberlandstraße damals schon Studios hatte. Auch wenn sie in ihr Hauptstadtstudio gezogen sind, haben wir hier immer noch einige Produktionen. Wir machen hier regelmäßig "Die Besten" mit Johannes B. Kerner für das ZDF. Wir haben hier aber auch noch die älteren Show-Hasen regelmäßig zu Gast. Dieter-Thomas Heck zum Beispiel macht hier sein "Sommer-Hit-Festival". Wir haben einige Piloten für RTL, über die man natürlich jetzt noch nichts sagen darf. Wir haben mit der Firma Endemol die Kindershow "Wunschzeit" für den MDR gemacht. Auch für Sat1 bereiten wir eine Show vor. Da darf ich aber noch nicht Ross und Reiter nennen.

Das ist verständlich. Noch eine Frage zum Medienstandort Berlin. Wie ist ihr Vertrauen in die hiesige Medienlandschaft und wie schätzen sie die Perspektiven der Stadt ein?

Verschiedene Marktanalysen und ich auch sehen für den Standort Berlin ein großes Wachstumspotenzial, gerade im Vergleich zu den anderen großen Fernsehstädten wie München, Köln und Hamburg. Ein Standort wie Köln wird sicher seine Bedeutung behalten, alleine schon weil mit RTL der größte Fernsehsender dort sitzt und die daher auch eine funktionierende Struktur haben. Auch München wird alleine schon durch die Bavaria ein fester Standort bleiben. Nur Hamburg ist da etwas abgefallen. Da wurde vieles von Studio Hamburg und Adlershof nach Berlin verlagert. Daran kann man schon sehen, dass Berlin im Aufwind ist. Auch im internationalen Fokus. Das betrifft nicht nur das Kino, welches durch Babelsberg natürlich in aller Munde ist.

Gibt es denn noch einen Kostenvorteil für Produktionen in Berlin oder hat sich das mittlerweile angeglichen?

Der Kostenvorteil für Berlin ist vielleicht weniger im Lohnniveau zu finden, als in der ganzen Peripherie. Das fängt an bei der Unterbringung mit günstigen Hotels aller Kategorien, geht weiter über die zahlreichen Motive hier. Es gibt hier von der Klassik bis zu der Modernen alles, was man braucht. Es gibt eine funktionierende Infrastruktur für Fachleute, die wir hier bei uns ja auch gebündelt haben. Das ist in der Kombination mit der Mode- und Musikbranche, die hier ja auch immer stärker wird, ein ganz wichtiger Vorteil für die Stadt.

Die Fragen stellte Markus Mechnich.

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