Konjunktur : Berlins Wirtschaft wächst nicht mehr

Die Wirtschaftsflaute macht auch vor Berlin nicht halt. Der Senat rechnet für 2009 allenfalls mit einer "schwarzen Null“. Wirtschaftsexperten bleiben trotz der prekären Lage zuversichtlich.

Yasmin El-Sharif
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Neubau am Osthafen. Das Baugewerbe ist derzeit Wachstumsmotor. Foto: K. Heinrich

Berlin - Der Abschwung hat Berlin erfasst. Bereits im dritten Quartal gingen in der Industrie die Umsätze und die Aufträge deutlich zurück. Auch im Einzelhandel und im Gastgewerbe machte sich die Schwäche der Wirtschaft bemerkbar, wie aus dem aktuellen Konjunkturbericht des Berliner Wirtschaftssenats hervorgeht. 2009 dürfte sich die Lage in den Unternehmen weiter verschärfen, sagte Wirtschaftssenator Harald Wolf (Die Linke) am Mittwoch. „Allenfalls erreichen wir eine schwarze Null.“ In diesem Jahr rechnet der Senat – vorsichtig geschätzt – mit einem Wachstum von 1,3 Prozent.

Das kommende Jahr werde für Berlin kritisch, sagte der Linkenpolitiker weiter, „zumal sich die konjunkturellen Abwärtsrisiken zuletzt verstärkt haben“. Die Investitionsbank Berlin (IBB) rechnet für 2009 ebenfalls höchstens mit einer Stagnation. „Die regionale Wirtschaft kann sich vom Bundestrend nicht abkoppeln“, sagte IBB-Chefvolkswirt Hartmut Mertens. Die Bundesregierung hatte ihre Wachstumsprognose für 2009 jüngst um einen Prozentpunkt auf 0,2 Prozent heruntergeschraubt. So müsse sich insbesondere die Industrie, die stark exportorientiert ist, auf härtere Zeiten einstellen, sagte Mertens. „Die Unternehmen vor Ort spüren die Krise im Euroraum und in den USA schon heute.“

Die am Mittwoch veröffentlichten Zahlen belegen das: In der Industrie brachen die Aufträge aus dem Ausland zwischen Juli und September um fast zwölf Prozent ein. Nach Angaben des Wirtschaftssenats geht die Hälfte aller Ausfuhren in den Euroraum, nach Großbritannien und in die USA. Nur aus dem Inland kam noch ein Impuls. Hier wurde bei den Auftragseingängen ein reales Plus von 9,5 Prozent verzeichnet. Die Gesamtumsätze verringerten sich um 2,3 Prozent.

Die Kaufzurückhaltung der Berliner machte den Einzelhändlern zu schaffen. Ihre Umsätze verringerten sich im Vergleich zum Vorjahresquartal um 0,6 Prozent. Der Senat führt dies auf die Teuerungsrate zurück, die im dritten Quartal mit drei Prozent sehr hoch ausgefallen war. Auch die vielen Berlin-Touristen konnten das nicht ausgleichen, obwohl die Zahl der Berlin-Besuche um mehr als fünf Prozent auf 2,2 Millionen zulegte. Trotzdem büßten Herbergen, Hotels und Gaststätten insgesamt real an Umsatz ein (minus 2,9 Prozent).

Einziger Wachstumsmotor war das Baugewerbe mit steigenden Umsätzen (plus 6,7 Prozent). Die Auftragseingänge stiegen um mehr als zehn Prozent. Damit sei ein guter Grundstock für die nächste Zeit gelegt worden, sagte Wolf. Dies ist ein Grund dafür, warum der Senat die Zukunft nicht schwarz sehen will. Berlin sei wegen seiner breit angelegten Wirtschaftsstruktur ohnehin nicht so konjunkturanfällig wie andere Regionen, sagte Wolf. Er sei daher zuversichtlich, dass „eine allgemeine Kreditklemme weiter vermieden werden kann“.

Auch IBB-Experte Mertens geht davon aus, dass Berlin nicht in eine tiefe Krise rutschen wird. Der Bau des BBI-Flughafens sichere den Baufirmen langfristig Aufträge, daneben werde der Tourismus stark bleiben. „Gut ist auch, dass die Inflation zurückgeht“, sagte Mertens. Dadurch könne der Konsum – bereits im Weihnachtsgeschäft – angekurbelt werden. Die Zahl der Arbeitslosen, die zuletzt bei rund 215 000 lag, dürfte laut IBB nicht mehr so stark steigen wie in früheren Abschwüngen.

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