Krankenkassen : Berliner Ärzte verschreiben am meisten

Die gesetzlichen Krankenkassen erwarten steigende Ausgaben für Arzneimittel. Deutschlandweit haben die Berliner Ärzte die teuersten Rezepte ausgestellt.

Maren Peters
Medikamente
Teure Pillen: Die Arzneimittelausgaben könnten um 8,4 Prozent steigen. -Foto: ddp

Berlin - Die gesetzlichen Krankenkassen gehen davon aus, dass Arzneimittelausgaben in diesem Jahr – trotz verschiedener Sparmaßnahmen der Regierung – wieder kräftig steigen werden. 2007 sei ein Ausgabenschub um 8,4 Prozent auf 27,1 Milliarden Euro zu erwarten, sagte Wolfgang Schmeinck, der Bundesvorsitzende des Bundesverbandes der Betriebskrankenkassen (BKK), am Mittwoch in Berlin. Als Grund für den Kostenschub nannte er neben der Mehrwertsteuererhöhung auch den anhaltenden Trend zur Verschreibung neuer und teurer Medikamente statt günstiger, bewährter Mittel.

Bei der Verschreibung von Medikamenten gibt es aber große regionale Unterschiede: Deutschlandweit die teuersten Rezepte haben im ersten Quartal die Berliner Ärzte ausgestellt (siehe Grafik).

Damit zeichnet sich ab, dass die rot-grünen Reformen nicht ausreichen, um den Kostenanstieg bei den Medikamenten zu bremsen. Erst vor knapp einem Jahr war ein Arzneimittelsparpaket in Kraft getreten. Im April hatte die Regierung nach langem Ringen die Gesundheitsreform auf den Weg gebracht. Die Kassenbeiträge sind infolge dessen von durchschnittlich 14,3 auf 14,8 Prozent des Bruttogehalts gestiegen.

Der BKK-Chef zerstreute aber Befürchtungen, dass wegen der steigenden Arzneimittelausgaben die Beiträge erneut steigen könnten. „Es ist kein Beitragsdruck im Kessel“, sagte er. Die steigenden Kosten für Medikamente seien bereits bei der letzten Beitragserhöhung „eingepreist“. Trotz des vorhandenen Spielraums sei aber auch keine „Senkungswelle“ zu erwarten.

Die teuersten Rezepte wurden in Berlin ausgestellt. BKK-Chef Schmeinck räumte ein, dass der Stadtstaat mit vielen Kliniken ein „Ort der Maximalversorgung“ sei, wo also überdurchschnittlich viele Patienten mit schweren Erkrankungen behandelt werden. Eine Mitschuld gab er aber auch der Kassenärztlichen Landesvereinigung. Man müsse „sicher auch die Frage stellen, wie intensiv sich der Vorstand einer Kassenärztlichen Vereinigung (KV) mit dem Anstieg der Arzneimittelkosten beschäftigt“. Die KVen sind die Überprüfungsinstanzen für Kassenleistungen im ambulanten Bereich.

Die KV Berlin wies den Vorwurf zurück – und verwies auf den hohen Anteil „teurer“ Patienten in der Stadt. „40 Prozent der Arzneimittelausgaben in Berlin entfallen auf Spezialmedikamente“, sagte Vorstandsmitglied Burkhard Bratzke dem Tagesspiegel. So würden in der Stadt 20 Prozent der deutschen Aids-Patienten versorgt. „Das treibt die Ausgaben gewaltig nach oben.“ Da die Spezialpräparate aber unverzichtbar seien, rechnet er damit, dass die KV Berlin das für 2007 genehmigte Arzneimittelvolumen von 908 Millionen Euro um 250 Millionen Euro überschreiten wird.

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