Kunst : Schöne Franzosen in Berlin machen sich bezahlt

Nicht nur Kunstliebhaber freuen sich über die Ausstellung aus New York. Auch die Wirtschaft profitiert von dem enormen Zuschauerinteresse.

Alexander Schäfer
MET in Berlin
Die Ausstellung des "MET in Berlin" in der Neuen Nationalgalerie ist auch für die Wirtschaft ein voller Erfolg. -Foto: ddp

Berlin sieht blau-weiß-rot: Tüten, Flyer, Plakate und Anzeigen der Ausstellung „Die schönsten Franzosen kommen aus New York“ prägen das Stadtbild. Rund 5000 Besucher strömen seit dem 1. Juni täglich zu den französischen Meisterwerken des Metropolitan Museum of Art (kurz: Met) in die Neue Nationalgalerie – heute erwartet das Museum den 100 000. Besucher. Impulse für die Berliner Wirtschaft sind knapp drei Wochen nach Beginn der Ausstellung längst spürbar.

„Vor allem aus dem europäischen Ausland ist die Nachfrage gestiegen“, sagt Hans Eilers vom Hotel- und Gaststättenverband. Viele Touristen kommen extra zu Besuch – darunter momentan „auffallend viele Buchungen aus Italien, England und Spanien“. Von den Touristen profitiert auch die Wirtschaft der Stadt, sagt Nils Busch-Petersen, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Berlin-Brandenburg. Noch könne man keine Zahlen für bestimmte Einzelhändler nennen, „aber für Berlin ist das Ereignis die beste Werbung“.

Zu den Gewinnern zählt jetzt schon der Museumsshop. In Kooperation mit Berliner Designern wurden 35 der insgesamt 850 Merchandising-Artikel speziell für die Met-Ausstellung entworfen. Darunter pädagogische Miniaturspiele der Designergruppe Formfalt oder Spruch-T-Shirts der Schöneberger Textilkünstler Atelier MC. Kooperationen von deutschen und französischen Designern wurden durch die Museumsshopkonzeption angestoßen. Die kreativen Artikel könnten sich als Exportschlager herausstellen. „Der Museumsshop hat dem US-amerikanischen Kurator so gut gefallen, dass er uns nach New York eingeladen hat“, sagt Jörg Klambt, Shopmanager für die Neue Nationalgalerie .

Das könnten die „positiven wirtschaftlichen Nebeneffekte“ sein, von denen Christian Tänzler von Berlin Tourismus Marketing (BTM) gerne spricht. Die Met-Ausstellung unterstreiche Berlins kulturellen Standortvorteil, so Tänzler.

Auf eine Wiederholung des Erfolgs der MoMA-Ausstellung anno 2004 hofft André Odier vom Verein der Freunde der Nationalgalerie. Zwar sind die Besucherschlangen und -zahlen momentan noch geringer als an Spitzentagen der MoMA-Schau. Dennoch könne sich der Besucherandrang noch vergrößern, „schließlich boomte die MoMA-Ausstellung auch erst in den letzten Wochen“.

Andere Berliner Museen spüren trotzdem schon jetzt einen Zuwachs. Die Alte Nationalgalerie beispielsweise, die parallel 60 französische Meisterwerke des 19. Jahrhunderts zeigt, „verzeichnet deutlich mehr Besucher“, so Anne Schäfer-Junker von den Staatlichen Museen zu Berlin.

Die brauchen die Met-Veranstalter auch, um ihre Unkosten zu decken. 7,5 Millionen Euro kostet die Ausstellung. Um die einzunehmen, bedarf es aber nicht nur vieler, sondern auch zahlungsfreudiger Besucher. Momentan sieht es nicht schlecht aus. „Jeder vierte kauft etwas im Laden“, sagt Jörg Klambt. Im Vergleich zu anderen Museen in Deutschland „ein Spitzenwert“. André Odier bestätigt das. „530 Kataloge werden täglich verkauft.“ Der 29 Euro teure Bildband hat auch den größten Anteil an den 7,50 Euro, die jeder Met-Shopper ausgibt – deutschlandweit liegt der Durchschnittswert eines Museumsladeneinkaufs bei 3,50 Euro. Dass sämtliche 2300 Führungen schon seit Wochen ausverkauft sind, ist ein weiterer Schritt, um mit den „schönen Franzosen“ Geld zu verdienen.

Das wollen auch die Berliner Werbepartner wie das KaDeWe, die mit der Schau kooperieren und dazu Ausstellungsstücke nachbilden und in ihre Dekoration integrieren. Die Schaufenster und ein riesiges Kornfeld im Eingangsbereich werben im Kaufhaus für die Ausstellung. Ob im Gegenzug der französische Rotwein in der Feinschmeckeretage verstärkt gekauft werde, konnte das Haus jedoch noch nicht bestätigen.

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