NACHRICHTEN HEIK AFHELDT trifft … : Hutmacherin Susanne Gäbel

Beste deutsche Auszubildende werden heute in Berlin geehrt

Fünf der 231 besten Auszubildenen Deutschlands kommen aus Berlin. Am heutigen Mittwoch werden sie alle im Palais am Funkturm von der Deutschen Industrie- und Handelskammer ausgezeichnet. Bundesbildungsministerin Annette Schavan hält eine Festrede. Die fünf Berliner Auszubildenden sind Octavian Zozula, Informatikkaufmann (Vattenfall), Susanne Laurentow, Bühnenbildnerin (Stiftung Oper Berlin), Dennis Lepke, Industriemechaniker (Philip Morris) sowie Odile Heidmann (Hilton) und Jana Kwasnik (Interconti), Hotelfachfrauen. dma

Fluggesellschaften suchen Personal: Veranstaltung in Schönefeld

Die Fluggesellschaften Air Berlin und Condor Berlin suchen für verschiedene Städte in Deutschland mehrere hundert Flugbegleiter. Am heutigen Mittwoch und am Donnerstag können sich Bewerber am Flughafen Schönefeld bei zwei Veranstaltungen informieren, jeweils um 14 Uhr. Am Mittwoch sucht Air Berlin Kandidaten, die mindestens 1,65 Meter groß sein sollten. Bei Condor Berlin am Donnerstag ist die Mindestgröße 1,60 Meter. Eine Anmeldung unter Tel. 01801-555111 ist erforderlich. ddp

Vielfach behütet sitzt die junge blonde Frau ganz hinten in ihrer Ladenwerkstatt und arbeitet an neuen Modellen. Wer den kleinen, sympathischen Laden an der Mommsenstraße betritt, angelockt durch den goldenen Hut auf dem grünen Schild über der Tür, steht fasziniert zwischen fünfzig verschiedenen Kreationen für junge und alte, kleine und große Köpfe. Auf den nur 50 Quadratmetern hat sich diese zielstrebige Bauerntochter aus Stelle mit ihrem strahlenden Lachen einen Traum verwirklicht: ein eigenes kleines, feines Atelier für Hüte und Accessoires und einen Kundenstamm, der heute bis nach München, Madrid, Zürich und Wien reicht. Barbara Becker war auch schon mal da. Eine Spezialität sind Hüte und Haarreifen für große Hochzeiten. Unter Susanne Gäbels Federn, ihrem Filz und Stroh fühlen sich viele blaublütige Köpfe und manche Theatergrößen wohl. Bescheidene Preise und attraktive Designs sind ihre Trümpfe. In fast allen wichtigen Modemagazinen findet man Kreationen von ihr unter dem Label hut-salon. Ihre attraktive Internetseite zieht schon heute viele neue Kundinnen an – und die Vitrine auf dem Ku’damm auch. Die Designerin und überzeugte Anhängerin des so traditionsreichen Handwerks der Modistin – sie hat zur Zeit drei Azubis – hat selbst eine kurvenreiche Ausbildungsstrecke hinter sich. Eigentlich wollte sie nach der mittleren Reife einen Bürojob als Anwaltsgehilfin. Stattdessen wurde es eine kurze Schneiderlehrzeit in Lüneburg und dann ein neuer Anlauf als Lehrling zur Modistin bei einer alten beeindruckenden Meisterin in Hamburg. Aber auch da ging es nicht ganz reibungslos. Die Zusammenarbeit zwischen Frauen ohne männliche „Auflockerung“ ist für sie immer problematisch geblieben, gesteht sie. Die Zwischenprüfung in Hamburg hat sie deshalb nicht bestanden, aber wenig später ihre Gesellenprüfung in Bremen. Dann hat sie Hüte in ihrem kleinen Atelier in Altona gefertigt und oft nebenbei gekellnert. Eine saftige Buße für Schwarzarbeit musste sie zahlen.

Den Meisterbrief hat Susanne Gäbel schließlich in Dresden erworben und danach für einige der großen Modenschauen in Düsseldorf, Paris, Wien und Berlin gearbeitet. Endgültig nach Berlin zog es sie und eine große Liebe vor elf Jahren. Erst in ein kleines Atelier in Kreuzberg und danach um ein Haar – sie selbst hat eine reiche, lockende Haarpracht – in die Hackeschen Höfe. Aber eigentlich fühlte sie sich für „den Osten nicht hip genug“ und war froh über die Chance in der Mommsenstraße. Ziemlich stabil sei sie und eine schlichte Geschäftsfrau.

Ihr Mann, Sportlehrer, hält von ihrem Geschäft und den Kunden nicht sehr viel. Sie wohnen mit ihrem siebenjährigen Sohn am Lietzensee. Aber sie freut sich schon heute auf eine Woche New York mit ihrem Sohn im nächsten Mai und auf die nächsten 20 Jahre in ihrem Beruf. Ein weiteres kleines Element im großen kreativen Berlin!

Heik Afheldt war Herausgeber des Tagesspiegel.

Susanne Gäbel (38)

ist Modistenmeisterin und Inhaberin des Salons Hüte und Accessoires in Berlin-Charlottenburg. Sie wünscht sich für Berlin eine Berufsschule für Modisten.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben