Berliner Wirtschaft : Nummer fünf in der Welt

Immer mehr Kongressbesucher zieht es nach Berlin Tourismuswerber fordern Klarheit über das ICC

Juliane Schäuble

Der ranghöchste Gast kam zwar nicht. Aber obwohl der Tourismusbeauftragte der Bundesregierung, Ernst Hinsken, am Montagabend fehlte, wurde bei den Berliner Wirtschaftsgesprächen zum Thema „Convention site Berlin“ lebhaft diskutiert. Ein Grund: Thilo Sarrazin. Der Finanzsenator ist stets für markige Zitate gut, hatten die Veranstalter wohl gedacht, und er enttäuschte sie nicht. So erklärte der SPD-Politiker auf den Vorwurf eines Gastes, das 1979 eröffnete Kongresszentrum ICC sei „eines der geschundensten Gebäude“ der Stadt: „So ein Bau konnte nur als staatlicher Subventionsbau errichtet werden, zu dieser Zeit und an diesem Ort.“ Doch er bekannte auch: „Wahrscheinlich wird es weiterleben.“

In der Deutschen Kreditbank Berlin ging es aber nicht nur um das ICC, sondern auch um die Zukunft der Stadt als Tagungsstandort. „Kongresse nehmen wir heute nicht mehr als gesellschaftliche Ereignisse wahr, die Menschen kommen heute zum Arbeiten“, sagte der Kongressorganisator Hermann Hanser. Die Veranstaltungen seien sachlicher, zahlreicher und produktiver geworden. Früher sei Berlin ein Unikum gewesen, nun stehe es im Wettbewerb mit Städten wie Barcelona oder Wien.

Mehr als 100 000 Veranstaltungen fanden in der Hauptstadt statt, die 7,5 Millionen Teilnehmer brachten 1,5 Milliarden Euro Umsatz. „2007 war ein bombastisches Jahr für Berlin, das international den fünften Platz bei den Veranstaltungsstädten belegt“, sagte Ute Jacobs, Direktorin des Hotels Estrel in Neukölln, das zu den größten Tagungsorten zählt. Doch die vielen neu geplanten Hotels stellten auch eine Herausforderung dar: „Die Betten müssen gefüllt werden.“ Dabei seien die Durchschnittspreise immer noch zu gering.

Für Birgit Zander von der Berlin Tourismus Marketing GmbH muss die Stadt international noch bekannter werden. Punkten könne Berlin mit seiner kulturellen Vielfalt. „Wir wollen mindestens unter die Top drei kommen.“ Viele große Verbände trauten sich aber aufgrund der ungeklärten Lage des ICCs nicht, Kongresse hier zu planen. „Wir brauchen endlich eine klare Aussage zur Zukunft des ICC.“

Sarrazin nahm’s zur Kenntnis: „Der Senat hat hier eine große Verantwortung.“ Im Gegenzug forderte er mehr Engagement der „Privaten“. Der Staat solle nur dort finanziell helfen, wo sich nicht unmittelbar Geld verdienen lasse – wie etwa in der Kultur.Juliane Schäuble

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