Solarenergie : Sonnige Zeiten in Berlin

Die neu gegründete Inventux AG verstärkt die Solarbranche in der Hauptstadt. 120 Arbeitsplätze sollen dort entstehen.

Bernd Hops

Berlin - Die Hauptstadt bekommt Verstärkung für ihre Solarbranche. 120 neue Arbeitsplätze sollen bei der jungen Inventux Technologies AG in den kommenden Monaten entstehen, investiert werden 49 Millionen Euro. „Es tut sich was in der Berliner Solarwirtschaft“, sagte Wirtschaftssenator Harald Wolf am Montag bei der Vorstellung der Pläne in Berlin. Der Industriestandort Berlin habe Zukunft, wenn es um innovative Produktion gehe. Inventux-Chef Volko Löwenstein betonte auch: „Wir wollen etwas anderes machen.“ Die eingesetzte Technologie sei sehr neu. Und der Markt sei jetzt auch reif dafür. Die aktuelle Diskussion über niedrigere Fördersätze für Solarstrom in Deutschland sehe er gelassen, sagte Löwenstein. „Das ist nur ein Anreiz, günstiger zu produzieren.“

Die Hauptstadtregion ist schon heute der wichtigste Produktionsstandort für Solarmodule in Deutschland mit einem Marktanteil von derzeit 35 Prozent. Auf dem zweiten Rang liegt Sachsen mit 29 Prozent. Etwa 4000 Menschen sind in der Branche in Berlin und Brandenburg beschäftigt. Und die Wachstumsaussichten sind gut. Laut Bundesverband Solarwirtschaft (BSW-Solar) hat die Solarzellenproduktion in Deutschland im ersten Halbjahr um 33 Prozent auf eine Jahreskapazität von 300 Megawatt zugelegt. Der europäische Dachverband EPIA geht davon aus, dass sich der Weltmarkt für Solarprodukte innerhalb von drei Jahren verdoppeln wird.

Darauf setzt auch Inventux. Die Firma plant die integrierte Produktion von Dünnschichtmodulen. Im Gegensatz zur herkömmlichen Dickschichtzelle wird hier zwar zurzeit weniger von dem Sonnenlicht in Strom umgewandelt, dafür ist aber auch der Materialverbrauch günstiger. Zudem arbeiten die Firmen an einem höheren Wirkungsgrad. Inventux will seinen Wert von derzeit gut acht Prozent im Labor auf zwölf Prozent steigern. Der Spatenstich für das neue Werk, das im Wissenschaftspark Adlershof stehen wird, ist noch im September oder Oktober geplant, der Produktionsbeginn im Herbst 2008, sagte Inventux-Vorstandsmitglied Christian Plesser. Zunächst soll die Jahreskapazität bei 33 Megawatt liegen, was laut Inventux einem Umsatz von 65 Millionen Euro entspricht, bis 2010 ist die Ausweitung auf 100 Megawatt geplant. Schon im Laufe des Jahres 2009 sollen schwarze Zahlen geschrieben werden.

Die Ansiedlung von Inventux verdankt Berlin zum einen der guten Forschungslandschaft in der Stadt – und zum anderen der Förderpolitik. Wie hoch die Zuschüsse seien, wollten weder Senator Wolf noch Inventux sagen. René Gurka, Geschäftsführer von Berlin Partner, sagte aber, dass man sich sehr darum bemüht habe, den Nachteil gegenüber anderen ostdeutschen Ländern auszugleichen. So können in Berlin noch bis zu 35 Prozent zu den Investitionskosten von der öffentlichen Hand zugeschossen werden, in Brandenburg aber 50 Prozent. Hier habe man einen Weg gefunden, auch die Forschung zu fördern, sagte Gurka.

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